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Auch am Flughafen von Donezk wurde wieder gekämpft.
Auch am Flughafen von Donezk wurde wieder gekämpft.(Foto: REUTERS)

Artilleriefeuer im Stadtzentrum: Schwere Gefechte erschüttern Donezk

Die Kennzeichen abmontiert, Artilleriegeschütze im Schlepptau: Anwohner und Journalisten beobachten mehrfach Truppenbewegungen rund um Donezk. Wenig später erfüllt Geschützdonner die Luft in der umkämpften Rebellenhochburg.

In der ostukrainischen Rebellenhochburg Donezk hat es am Wochenende die heftigsten Gefechte seit der Einigung auf eine Waffenruhe Anfang September gegeben. In unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum war Artilleriefeuer zu hören, wie AFP-Reporter berichteten. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) äußerte sich besorgt über die Verlegung von Panzern und Truppentransportern in die Ostukraine.

Die Kämpfe in Donezk begannen gegen 02.00 Uhr nachts und dauern an. Ein Anwohner sagte, er habe gesehen, dass sieben Kanonen in Richtung des seit Monaten umkämpften Flughafens sowie in Donezks Nachbarstadt, den Eisenbahnknotenpunkt Jassinuwata, gebracht wurden. AFP-Reporter sahen zu Beginn des Nachmittags in der Stadt Makijiwka einen Militärkonvoi, der sich in Richtung der Rebellenhochburg Donezk bewegte. Zu ihm gehörten 20 Lastwagen ohne Kennzeichen. 14 Laster zogen Artilleriegeschütze.

Lawrow fordert USA zur Vermittlung auf

OSZE-Beobachter zur Überwachung der Waffenruhe hatten zuvor nahe der von prorussischen Rebellen kontrollierten Städte Donezk und Makijiwka Konvois mit Panzern, Truppentransportern und Haubitzen gesichtet, wie die Organisation in der Nacht mitteilte. Der Schweizer Außenminister und amtierende OSZE-Präsident Didier Burkhalter zeigte sich "sehr besorgt" über ein mögliches Wiederaufflammen der Gewalt in der Ostukraine. Er rief die Konfliktparteien auf, alles zu tun, um die vereinbarte Waffenruhe zu stabilisieren.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow ging derweil nicht näher auf den Vorwurf der ukrainischen Führung ein, wonach am Freitag 32 Panzer und andere Militärfahrzeuge aus Russland in die Ostukraine eingedrungen seien sollen. US-Außenamtssprecherin Jennifer Psaki hatte zuvor ebenso wie die Nato erklärt, dass keine unabhängige Bestätigung für Kiews Darstellung vorliege. Als Lawrow nach einem Treffen mit US-Außenminister John Kerry in Peking um klärende Informationen gebeten wurde, sagte er knapp: "Wenn Psaki keine hat, habe ich auch keine."

Zugleich forderte Lawrow die US-Regierung trotz gravierender Meinungsunterschiede auf, sich im Ukraine-Konflikt als Krisenvermittler einzubringen. Wenn Washington zur Entschärfung der Lage und zum "Dialog" zwischen den Konfliktparteien beitragen wolle, wäre das ein "Schritt in die richtige Richtung".

Der militärische Konflikt in der Ostukraine hatte im April begonnen. Seitdem gab es nach UN-Angaben mehr als 4000 Tote. Die ukrainische Regierung schickte Panzer, Kampfjets und Artillerie gegen die östlichen Industriegebiete Donezk und Lugansk, nachdem dort prorussische Separatisten unabhängige "Volksrepubliken" ausgerufen hatten.

Quelle: n-tv.de

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