Politik
Edward Snowden.
Edward Snowden.(Foto: Reuters)

Ausgerechnet Russland: Snowden sucht bei Putin Schutz

Ein Kommentar von Jan Gänger

Wladimir Putin hat offenbar ungeahnte Gastgeberqualitäten: Erst zieht es Gérard Depardieu nach Russland, nun folgt Edward Snowden. Der Amerikaner will die Gastfreundschaft im Gegensatz zum Franzosen zwar nur vorübergehend in Anspruch nehmen, doch Putin dürfte das egal sein.

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Die Ironie dürfte ihm selbst bewusst sein: Edward Snowden sucht Zuflucht in Russland. Der selbsternannte Kämpfer für Privatsphäre und Datenschutz bittet ein Land um Asyl, das vom Geheimdienst regiert und ausgeplündert wird.

Da ist es nur konsequent, dass der Amerikaner seine Entscheidung in Anwesenheit von Menschenrechtsaktivisten verkündet – in einem Land, das weithin ein rechtsfreier Raum ist. Es ist doch absurd: Der Whistleblower verkündet seine Entscheidung in Moskau, wo erst am Vortag ein toter Anwalt posthum wegen Betruges verurteilt worden ist. Sergej Magnitski hatte herausgefunden, dass Beamte des Innenministeriums den Staat um mehr als 200 Millionen US-Dollar geprellt hatten. Daraufhin wurde er wegen Steuerhinterziehung festgenommen. Magnitski starb im November 2009 im Alter von 37 Jahren in Untersuchungshaft – offenbar an den Folgen von Misshandlungen. Seine Familie und Menschenrechtsorganisationen sind davon überzeugt, dass er zu Tode gequält wurde.

Und Russland gewährt Snowden mit der Begründung Asyl, dass ihm in den USA die Todesstrafe drohe.

Geschenk für russische Geheimdienste

Ganz wohl ist Snowden bei der Sache offenbar selbst nicht: Er betrachtet Russland als Zwischenstation auf dem Weg nach Lateinamerika. Bislang konnte er das Reich Wladimir Putins nicht verlassen, da die US-Regierung seinen Pass für ungültig erklärt hat. Und so akzeptiert er die Bedingung des Präsidenten, der Anfang Juli verkündet hatte: "Er sollte mit seiner Arbeit aufhören, die dagegen gerichtet ist, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufügen - so merkwürdig sich das aus meinem Mund auch anhören mag."

Das klingt wie Hohn, ist es wohl auch. Denn russische Agenten freuen sich bereits darauf, mit Snowden zu plaudern und ihn zu bitten, ihnen seine Laptops für kurze Zeit zu überlassen.

Der Kreml wird dann über amerikanische Überwachungstechniken bestens informiert sein. Möglicherweise kann der Staatsschutz daraufhin auch die Bestellung von Schreibmaschinen rückgängig machen und besonders heikle Dokumente doch am Computer erstellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass US-Geheimdienste mitlesen, ist sehr viel geringer geworden.

Quelle: n-tv.de

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