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Für die einen Held, für die anderen Verräter: Aktivisten mit Snowden-Masken in Brasilien.
Für die einen Held, für die anderen Verräter: Aktivisten mit Snowden-Masken in Brasilien.(Foto: REUTERS)

Unter Druck setzen, kündigen, unterwandern: So reagiert die National Security Agency

Von Roland Peters

Mit seinen Enthüllungen über die US-Spähaktionen bringt Snowden die mächtige NSA in Zugzwang. Statt die US-Bürger endlich umfassend über die Spionage aufzuklären, entscheidet die sich für Entlassungen im eigenen Haus und setzt kleinere E-Mail-Provider unter Druck.

Für viele Menschen ist Edward Snowden ein Held. Schnell gab es nach den ersten Enthüllungen des Ex-Geheimdienstlers T-Shirts mit dem Aufdruck "Team Snowden"  - im Stile eines Fan-Trikots. Für die USA ist er dagegen ein Verräter. Der Systemadministrator hatte eine Vielzahl an Berechtigungen und Zugängen zu geheimen Informationen. Darum konnte Snowden die Vereinigten Staaten und seinen Geheimdienst National Security Agency so in die Bredouille bringen. Sogar Aussagen von US-Präsident Barack Obama waren offenbar falsch.

Die NSA schlägt an mehreren Fronten zurück. Zunächst einmal in Richtung von Unternehmen mit Sitz in den USA, die von den Behörden offenbar so unter Druck gesetzt werden, dass sie sich zur Aufgabe ihrer Geschäftstätigkeit gezwungen sehen. Die E-Mail-Provider Silent Circle und Lavabit gingen offline. Beide Unternehmen sind auf verschlüsselte Kommunikation spezialisiert und teilten als Grund mit, sie könnten die Sicherheit der Daten ihrer Kunden nicht mehr garantieren.

Wie viele Unternehmen in den USA bereits Teil des Prism-Spionagenetzes der NSA sind, ist unklar. Tatsache ist, dass die Großen der Branche alle dabei sind: Facebook, Google, Microsoft, Apple. Nun zielen die Behörden offenbar auch auf mittelständische und kleinere Firmen.

900 Systemadministratoren müssen gehen

Als zweiten Schwerpunkt der Reaktion hat die NSA Übel im eigenen Haus ausgemacht. Um diese auszumerzen, will der Geheimdienst rund 90 Prozent seiner menschlichen Systemadministratoren rauswerfen. Das sind rund 900 Personen. Die Jobs der Spezialisten sollen nun Computer übernehmen, wie NSA-Chef Keith Alexander sagte.

Die Integrität der Maschinen ist garantiert, sofern sie richtig konfiguriert werden. Der Prozess sei bereits im Gange, so Alexander, allerdings "nicht schnell genug". Es gehe um Vertrauen, sagte der Geheimdienstchef, das missbraucht werden könne. Das in die USA ist längst erschüttert.

Doch die letzte Maßnahme könnte die USA endgültig ins legale Aus manövrieren. Nicht nur, weil Alexander offen zugab, dass verschlüsselte Kommunikation grundsätzlich überprüft werde. Sondern auch, weil das FBI - wohl in Zusammenarbeit mit der NSA, wie es bei der FAZ heißt - auf zehntausenden Rechnern einen Virus platziert haben soll. Dabei gingen die Behörden besonders perfide vor.

Mit einem Virus gegen die Anonymität

Das FBI nahm das Anonymisierungsnetzwerk Tor ins Visier. Eigentlich wird bei Tor die IP-Adresse, die den Internetanschluss eindeutig identifizieren kann, verschleiert. Gesendete und empfangene Daten werden verschlüsselt und über eine Vielzahl von Servern umgeleitet. In der vergangenen Woche ging der Anbieter "Freedom Hosting" offline. Das FBI platzierte einen Virus, dann gingen die Maschinen wieder ans Netz.

Die Folge: Die Server installierten auf dem Rechner jedes Nutzers, der vorbeikam, ein kleines Programm. Die Software verband sich direkt mit dem FBI und identifizierte jeden, der die Websites von "Freedom Hosting" besuchte, womöglich zehntausende Namen sind nun im Besitz des FBI. Was die Ermittler mit den Daten anfangen wollen, ist unklar. Hat es überhaupt mit dem NSA-Skandal zu tun? Falls es eine Rechtsgrundlage für die Aktion gibt, ist sie zumindest zweifelhaft.

Allerdings: Der Provider war bereits in der Vergangenheit aufgefallen. Vor rund zwei Jahren startete das Hackernetzwerk Anonymous eine konzertierte Aktion gegen "Freedom Hosting" und seinen Besitzer. Die Aktivisten sprengten damals eigenen Angaben zufolge einen Kinderpornoring samt der "größten Sammlung im Internet". Doch auch politische Aktivisten unterschiedlicher Couleur nutzen den Service, um vermeintlich anonym zu kommunizieren. Bekannt ist etwa, dass das Netzwerk beim Arabischen Frühling zum Einsatz kam und kommt, um ungestört mit ausländischen Stellen in Kontakt zu treten.

Quelle: n-tv.de

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