Deutscher Richter in Den Haag: Srebrenica-Opfer fordern Rückzug
Der deutsche Richter Christoph Flügge soll nicht über den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic richten. Das fordern mehrere Verbände von Überlebenden des Massakers von Srebrenica. Grund: Flügge soll sich in einem Interview dagegen ausgesprochen haben, das Massaker als Völkermord einzustufen.
Mehrere Verbände von Überlebenden des Massakers vonSrebrenica haben die Abberufung des deutschen Richters Christoph Flügge vomProzess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic gefordert. Siewerfen Flügge vor, sich in einem Interview vom September 2009 gegen dieEinstufung der Tötung tausender muslimischer Männer und Jungen im Jahr 1995 alsVölkermord gewehrt und damit den Genozid geleugnet zu haben, wie aus einem derNachrichtenagentur AFP vorliegenden Brief an das UN-Kriegsverbrechertribunalfür das ehemalige Jugoslawien in Den Haag hervorgeht. Dem 64-Jährigen war vorwenigen Tagen der Vorsitz im Vorverfahren gegen Mladic übertragen worden.
Das Schreiben an das Haager Tribunal wurde von Aktivistendreier maßgeblicher Opferorganisationen unterzeichnet. Sie vertreten ehemaligeKriegsgefangene sowie Ehefrauen und Mütter von Opfern des Massakers. IhreKritik richtet sich gegen Äußerungen Flügges in einem Interview mit dem Magazin"Spiegel" aus dem Jahr 2009. Darin wird er auf die unter Expertenumstrittene Einstufung des Massakers von Srebrenica als Völkermordangesprochen. Flügge entgegnet darauf: "Ich möchte auf diesen konkretenFall nicht eingehen, aber allgemein frage ich mich, ob man eigentlich denBegriff des Völkermords, des Genozids, für die Kennzeichnung solcher Verbrechenwirklich braucht."
Das UN-Tribunal, welches das Massaker von Srebrenicaoffiziell als Völkermord einstuft, wies die Anschuldigung derOpferorganisationen zurück. Der Inhalt des Interviews sei auf eklatante Weise "verdreht"worden, sagte eine Sprecherin des Gerichts.
Quelle: n-tv.de

