Ein Werbeplakat in Woronesch mit Stalin: "Der Sieg wird mit uns sein".
(Foto: dpa)
Donnerstag, 18. Februar 2010
Zum Tag des Sieges: Stalin soll Moskau zieren
Millionen Tote gehen auf das Konto des Sowjetdiktators Stalin - doch viele Russen lässt dies unbekümmert. Zum Jahrestag des Sieges über Deutschland sollen sogar große Werbetafeln mit dem Bild des Massenmörders in Moskau hängen, was nun zu heftigen Protesten führt.Vor den russischen Feiern zum 65. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland ist in Moskau ein heftiger Streit um die Verehrung des Sowjetdiktators Josef Stalin entbrannt. Die Stadt Moskau genehmigte großflächige Werbetafeln mit dem Abbild des umstrittenen Kommunisten und löste damit eine Protestwelle aus. Wer an den Sieg im Zweiten Weltkrieg erinnere, könne diesen nicht Stalin zuschreiben, sondern nur der Bevölkerung, sagte Parlamentschef Boris Gryslow der Agentur Interfax in Moskau. Auch Menschenrechtler hatten sich darüber empört, dass das Bild eines "Massenmörders" die Stadt für die Feiern am 9. Mai schmücken solle.
Die russische Gesellschaft ist im Umgang mit Stalin auch mehr als 50 Jahre nach dessen Tod tief gespalten. Bürgerrechtler und Historiker erinnern daran, dass während des kommunistischen Terrors unter Stalin Millionen von Menschen getötet worden sind. Die Kommunisten verehren Stalin jedoch weiter als größten Helden der Geschichte und schreiben ihm allein den Sieg über den Faschismus zu. Auch Gryslow, einer der führenden Köpfe der von Regierungschef Wladimir Putin geführten Partei Geeintes Russland, forderte die Stadt zu einem Verbot des Stalin-Kults auf.
Westliche Diplomaten befürchten, dass die zu den Siegesfeiern am 9. Mai eingeladenen internationalen Staats- und Regierungschefs aus Protest über die Stalin-Plakate ihre Teilnahme absagen könnten. Eingeladen ist auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nach der Genehmigung der Stadt dürfen die Stalin-Tafeln von Anfang April an aufgehängt werden.
dpa
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