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Dominique Strauss-Kahn macht den Weg frei für einen Nachfolger im IWF.
Dominique Strauss-Kahn macht den Weg frei für einen Nachfolger im IWF.(Foto: Reuters)

IWF braucht neuen Chef: Strauss-Kahn tritt zurück

IWF-Chef Strauss-Kahn erklärt seinen Rücktritt. In einem Brief an das Direktorium des Internationalen Währungsfonds weist er die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen erneut zurück. Er wolle seine Kraft, Zeit und Energie darauf verwenden, seine Unschuld zu beweisen. Die USA hatten Strauss-Kahn am Mittwoch fallen lassen.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat seinen Rücktritt erklärt. Das teilte der Internationale Währungsfonds mit. Der Rücktritt gelte mit sofortiger Wirkung.

Die Karteikarte der New Yorker Polizei über Dominique Strauss-Kahn.
Die Karteikarte der New Yorker Polizei über Dominique Strauss-Kahn.(Foto: REUTERS)

Gleichzeitig veröffentlichte der IWF das Rücktrittsgesuch des 62-Jährigen an das Direktorium der Organisation. Darin schreibt Strauss-Kahn, er fühle sich "in unendlicher Traurigkeit" verpflichtet, seinen Posten aufzugeben. Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen weist er erneut zurück. Er trete zurück, um den IWF zu schützen, "dem ich mit Ehre und Hingabe gedient habe". Vor allem wolle er all seine Kraft, Zeit und Energie darauf verwenden, seine Unschuld zu beweisen.

Der IWF teilte weiter mit, Strauss-Kahns Vize Die Stunde des stillen Planers werde bis zur Wahl eines Nachfolgers die Amtsgeschäfte führen.

Am Mittwoch hatten die USA sich offen für eine Übergangslösung für die IWF-Führung ausgesprochen. Strauss-Kahn sei "offensichtlich nicht in der Lage", den Währungsfonds zu lenken, stellte Finanzminister Timothy Geithner fest. Einen Nachfolgekandidaten haben die USA bislang nicht ins Spiel gebracht. Der Posten wird traditionell von den Europäern besetzt. Mittlerweile haben allerdings auch Schwellenländer einen Anspruch angemeldet.

Neuer Kautionsantrag

Strauss-Kahns Anwälte wollen erneut versuchen, ihn per Kaution aus der Haft zu bekommen. Bis zu einem Prozess müsste der Franzose dann aber auf jeden Fall in New York bleiben. Eine sogenannte Grand Jury muss bis Freitag über eine formelle Anklage des 62-Jährigen entscheiden.

Richterin Melissa Jackson hat bereits einen Kautionsantrag abgelehnt.
Richterin Melissa Jackson hat bereits einen Kautionsantrag abgelehnt.(Foto: dapd)

Der US-Fernsehsender CNN berichtete, Strauss-Kahns Anwälte wollten vorschlagen, dass er nach seiner Freilassung ständig überwacht wird und eine elektronische Fußfessel trägt. Damit wollten die Anwälte jegliche Fluchtgefahr des 62-Jährigen ausschließen. Demnach soll Strauss-Kahn seinen Pass abgeben und in einer Wohnung oder einem Hotelzimmer unter Hausarrest gestellt werden. Zudem solle eine sehr hohe Kautionssumme angeboten werden.

Am Montag hatte eine Richterin seine Freilassung auf Kaution abgelehnt, worauf der IWF-Chef auf die berüchtigte Gefängnisinsel Rikers Island verlegt wurde.

Opfer will "die Wahrheit sagen"

Das mutmaßliche Opfer Strauss-Kahns sagte nach Angaben ihres Anwalts bereits vor der Grand Jury aus. Sie habe nur das Interesse, "die Wahrheit zu sagen und ihr Leben wie zuvor weiterleben zu können", sagte Jeff Shapiro CNN. Alle Verschwörungstheorien seien abwegig.

Unterdessen berichten französische Zeitungen, dass ein Überwachungsvideo aufgetaucht sei. Es zeige zuerst das Zimmermädchen, das offenbar in Panik aus dem Raum stürme. Wenig später verlasse auch Strauss-Kahn das Hotelzimmer, den Angaben zufolge "in Hast". Ein mit dem Fall befasster Vertreter der französischen Polizei sagte dagegen, in dem betreffenden Hotel gebe es in den Stockwerken mit Gästezimmern keine Überwachungskameras.

Der US-Fernsehsender ABC berichtete indes unter Berufung auf örtliche Polizeikreise, die Ermittler untersuchten Proben von "Körperflüssigkeiten", die in Strauss-Kahns Hotelzimmer genommen worden seien. Die Proben seien an einer von der Hotelangestellten beschriebenen Stelle in dem Zimmer gefunden wurden, an der Strauss-Kahn sie zum Oralsex gezwungen haben soll. Sie würden nun auf die DNA des IWF-Chefs hin untersucht.

Kandidatenkarussell dreht sich weiter

Christine Lagarde
Christine Lagarde(Foto: dpa)

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde gilt für Beobachter momentan als heiße Kandidatin. Der niederländische Notenbankgouverneur Nout Wellink brachte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet als Nachfolger ins Spiel. Der Ende Oktober aus dem Amt scheidende Trichet wäre ein "fantastischer Kandidat", sollte Strauss-Kahn zurücktreten, sagte Wellink am Mittwochabend im niederländischen Fernsehen.

China unterstrich den Anspruch der Schwellenländer auf die IWF-Führung. Die Auswahl eines Kandidaten sollte auf Kriterien wie Leistung, Transparenz und Fairness basieren, sagte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. "Im Prinzip glauben wir, dass Schwellen- und Entwicklungsländer in Spitzenpositionen vertreten sein sollten", sagte sie.

Strauss-Kahn war am Samstag festgenommen worden. Er soll versucht haben, ein Zimmermädchen in einem New Yorker Luxus-Hotel zu vergewaltigen. Ihm wird auch sexuelle Nötigung und Freiheitsberaubung zur Last gelegt. Im Falle einer Verurteilung drohen Strauss-Kahn 25 Jahre Gefängnis.

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Quelle: n-tv.de

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