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Zweifelhafter Wettbewerb: Überholt S21 noch den BER?
Zweifelhafter Wettbewerb: Überholt S21 noch den BER?(Foto: dapd)

"Größeres Desaster als BER": Stuttgart 21 lässt alles verblassen

Dem Hauptstadtflughafen BER droht in Sachen Pleiten, Pech und Pannen offenbar der Titelverlust: Grünen-Politiker sind der Meinung, dass die Probleme beim Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" die des Berliner Flughafens in den Schatten stellen. Das BER-Desaster habe jetzt auch bei S21 "manche Verantwortliche wachgerüttelt", heißt es.

Bei dem umstrittenen Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" befürchtet Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann ein noch größeres Desaster als beim Berliner Großflughafen BER. Er sehe die Gefahr, dass S21 das Desaster in Berlin "eher klein erscheinen lässt", sagte der Grünen-Politiker der Wochenzeitung "Zeit".

"Noch ist kein Meter der rund 60 Kilometer langen Tunnel gebohrt, aber S21 ist bereits fast doppelt so teuer wie der Berliner Flughafen", so Hermann. Während der Flughafen ein "relativ einfaches, überirdisches Gebäude" sei, sei S21 ein "hochkomplexes Tunnelbauwerk in schwierigsten Gesteinsformationen".

Der Aufsichtsrat der Bahn müsse prüfen, ob dieses Projekt noch "finanzierbar, realisierbar und überhaupt noch wirtschaftlich" sei, forderte Hermann. Die Bundesregierung als Eigentümer der Bahn trage dabei die Verantwortung. Ähnlich äußerte sich Grünen-Parteichef Cem Özdemir in der "Welt": "Gegen das, was da in Stuttgart passiert, verblasst der Berliner Flughafen ja geradezu."

Bundeskanzlerin Angela Merkel stehe weiter hinter dem Projekt, berichtete die Zeitung "taz" unter Berufung auf einen Regierungssprecher. "Natürlich muss ein solches Projekt wirtschaftlich sein", sagte der Sprecher demnach. Die "grundsätzliche Überzeugung der Bundeskanzlerin, dass Stuttgart 21 ein wichtiges Projekt für den Raum Stuttgart, die Infrastrukturentwicklung im Südwesten und für Deutschland im europäischen Netz ist", habe sich nicht geändert.

Pro Bahn fordert Baustopp

Der Verkehrsausschuss des Bundestages lud angesichts der Kostenexplosion bei "Stuttgart 21" Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube und Technikvorstand Volker Kefer zur Ausschusssitzung am 27. Februar ein, wie HR-Info berichtete. Beide hätten ihre Teilnahme zugesagt, berichtete der Radiosender unter Berufung auf Ausschusskreise. Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte einen Baustopp und erklärte: "Man hätte das Projekt nie anfangen dürfen."

Details aus dem am Dienstag bekannt gewordenen Dossier des Bundesverkehrsministeriums erhöhten derweil den Druck auf die Deutsche Bahn. Laut "Stuttgarter Zeitung" wird darin die Frage aufgeworfen, ob der Bahn-Vorstand wegen der Mehrkosten regresspflichtig gemacht werden kann. "Es sollte geprüft werden, ob diese Verantwortung in konkreten Personen, insbesondere Vorständen, zu verorten ist", heißt es demnach darin.

Die Bahn hatte im Dezember mitgeteilt, sie gehe davon aus, dass sich das zuletzt mit 4,5 Mrd. Euro veranschlagte Projekt auf mindestens 5,6 Mrd. Euro verteuern wird. Der Konzern rechnet zudem mit weiteren möglichen Kosten von bis zu 1,2 Mrd. Euro, die er gegebenenfalls mit den Projektpartnern teilen will - darunter die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg.

Quelle: n-tv.de

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