Samstag, 23. Juli 2011
Chaos auf der Insel Utøya: Teenager schwimmen um ihr Leben
Ein Norweger richtet auf der Insel Utøya ein Massaker an. Die Lage dort ist extrem unübersichtlich. Zum Zeitpunkt der Tat herrscht das blanke Chaos. Viele der gut 560 Teilnehmer des Jugendcamps flüchten sich aus Angst vor dem Angreifer ins Wasser oder suchen ein anderes Versteck.Die norwegische Insel Utøya ist klein, gerade einmal 500 Meter lang, von Kiefern bewachsen. Als der Attentäter zu schießen beginnt, bleiben den Teenagern im Sommerlager der sozialdemokratischen Regierungspartei nicht viele Chancen zur Flucht. Viele von ihnen stürzen sich ins Wasser und versuchen, dem Angriff auf diesem Weg zu entkommen.
"Ich sah, wie sie ins Wasser sprangen, rund 50 Leute schwammen in Richtung Land", sagt die 42-jährige Anita Lien, die am Tyrifjord-See lebt, wenige hundert Meter von Utøya entfernt. "Die Leute weinten, zitterten, waren völlig verängstigt. Und sie waren so jung, zwischen 14 und 19 Jahre alt." Mindestens 80 Menschen entkommen nicht und fallen den Schüssen zum Opfer.
Ein Wachmann schildert, wie es dem Attentäter gelungen ist, auf die Insel zu gelangen. Der Mann habe sich als Polizist ausgegeben und sei in einem silbergrauen Wagen vorgefahren. "Er steigt aus dem Auto aus und zeigt seinen Ausweis", schildert Simen Braenden Mortensen die Szene der Tageszeitung "Verdens Gang".
"Er sagt, er sei geschickt worden, um die Sicherheit zu überprüfen. Dass das eine reine Routine sei nach dem Terroranschlag in Oslo." Im Zentrum der Hauptstadt war wenige Stunden zuvor vor einem Regierungsgebäude mit einem Büro des Ministerpräsidenten eine Bombe explodiert und hatte mindestens sieben Menschen getötet. "Das machte alles einen normalen Eindruck", sagt Mortensen weiter. "Es wird ein Boot gerufen und das bringt ihn hinüber nach Utøya. Wenige Minuten vergehen, dann hörten wir die Schüsse."
"Ich habe viele Verletzte gesehen"
Ein Teenager verfolgt die Ereignisse vom Festland aus: "Wir hörten die Leute schreien, es war furchtbar", erzählt der dem britischen TV-Sender Sky. "Viele winkten zu uns herüber." Anrainer des Sees rücken mit ihren Booten aus, um Teenager aus dem Wasser zu retten. "Ich habe mit meinem Boot viele Leute von der Insel herübergeholt", sagt ein Mann, der in einem weißen Haus am Ufer lebt. "Ich habe viele Verletzte gesehen."
Am frühen Samstagmorgen verlässt eine Ambulanz das Seengebiet nordwestlich von Oslo und bringt ein Opfer weg. Vor einem nahegelegenen Hotel fährt Auto um Auto vor. Tief besorgte Angehörige steigen aus, um hier die Überlebenden zu treffen, die von der Insel herübergebracht wurden. Die Polizei sucht noch immer das Eiland und den See ab, von Booten und auch Hubschraubern aus. Rettungsfahrzeuge stehen bereit. die Lichtkegel von Suchscheinwerfern gleiten in der Dunkelheit langsam über das Wasser.
Gwladys Fouche, rts
Hintergründe zur Nachricht
Videos zur Nachricht
Politik
-
Für Tibets Unabhängigkeit
Mönche zünden sich an
-
Premier wirbt für "Ja" bei Referendum
Irland entscheidet über Fiskalpakt
-
Schlag gegen Terror-Organisation
Eta-Anführer gehen ins Netz
-
Massaker in Hula, Kämpfe in Hama
UN-Sicherheitsrat verurteilt Syrien scharf
-
Parade in Moskau geplant
Polizei nimmt Homosexuelle fest
-
Entschädigung der Zwangsarbeiter
Seehofer macht Druck
-
Neue Lyrik über Griechenland
Spott ergießt sich über Grass
-
Wieder tote Zivilisten in Afghanistan
Nato-Bomben töten Familie
-
Umstrittenes Atomprogramm
Iran baut zweites AKW
-
Mehr als 30 tote Kinder
Massaker sorgt für Empörung
-
Rückbau der Atomruine dauert 30 Jahre
Abklingbecken sicher vor Beben
-
Anerkennung von Gesundheitsschäden
SED-Opfer warten jahrelang