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Tolerant und weltoffen: So sehen viele Kölner ihre Stadt.
Tolerant und weltoffen: So sehen viele Kölner ihre Stadt.(Foto: imago/Future Image)

Angst vor neuen Übergriffen: Touristen stornieren Reisen nach Köln

Nachdem an Silvester Dutzende Frauen betatscht und beraubt wurden, fürchtet die Stadt Köln nun um das eigene Image: Viele Touristen seien verunsichert, heißt es, die ersten hätten sogar schon ihre geplanten Reisen abgesagt.

Nach den sexuellen Übergriffen auf Dutzende Frauen am Silvesterabend in Köln haben erste Touristen ihre Reisen in die Stadt abgesagt. "Das Image Kölns hat einen Knacks erlitten", sagte der Geschäftsführer von Köln-Tourismus, Josef Sommer, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". So habe eine Gruppe aus dem Erzgebirge erklärt, ihre geplante Sommerreise abzusagen. "Sie werden verstehen, dass wir Leib und Leben nicht unter diesen Umständen aufs Spiel setzen", hieß es laut Sommer zur Begründung. Es gebe zudem zahlreiche Mails und Anrufe besorgter Touristen und Reiseveranstalter.

Auch der Kölner Hotel- und Gaststättenverband mit rund 1500 Mitgliedsbetrieben berichtete von großer Unsicherheit. Nicht nur Privattouristen, auch Geschäftsreisende hinterfragten die Sicherheitslage in der Stadt, so Geschäftsführer Christoph Becker. Die Kleinkriminalität in Köln sei schon immer ein Thema gewesen, nach der Silvesternacht sei nun "das Negativ-Image potenziert" worden. Inzwischen sind mehr als 100 Strafanzeigen gestellt worden. Die Opfer der sexuellen Übergriffe und Diebstähle waren vor allem Frauen. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben inzwischen vier mutmaßliche Täter identifiziert.

Augenzeugen hatten berichtet, dass es sich um Männer "nordafrikanischer" oder "arabischer" Herkunft gehandelt haben soll. Sollte es sich bei den Tätern tatsächlich um Zuwanderer handeln, hält Bundesjustizminister Heiko Maas auch eine Ausweisung für möglich. "Wer glaubt, sich bei uns über Recht und Gesetz stellen zu können, der muss bestraft werden - völlig egal, woher er kommt", sagte Maas den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Ausweisungen wären insofern durchaus denkbar."

SPD lehnt leichtere Abschiebungen ab

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Der Justizminister rief dazu auf, "mit aller Entschlossenheit, aber auch besonnen" auf die Gewaltexzesse zu reagieren. "Dazu gehört auch, zunächst den Sachverhalt und die Täter genauestens zu ermitteln." Zuvor hatte bereits Bundesinnenminister Thomas de Maizière einen anderen Umgang mit straffällig gewordenen Asylbewerbern angeregt. In Deutschland gelte die Regel, dass sich eine Strafe erst ab drei Jahren Haft auf das Asylverfahren auswirke. "Wir werden darüber zu reden haben, ob das nicht geändert werden muss", sagte de Maizière.

Widerstand kommt von der SPD, die eine leichtere Abschiebung straffällig gewordener Asylbewerber ablehnte. "Um organisierter Kriminalität, von wem auch immer in Deutschland, Herr zu werden, brauchen wir weder Änderungen am Grundrecht auf Asyl noch an der Genfer Flüchtlingskonvention", sagte Partei-Vizechef Ralf Stegner der "Welt". Wichtig wäre derzeit vielmehr die Umsetzung bereits gefasster Beschlüsse. "Ständig Stimmungen nachzulaufen ist kein verantwortliches Regierungshandeln", kritisierte Stegner.

Tauber für mehr Videoüberwachung

CDU-Generalsekretär Peter Tauber forderte mehr Videoüberwachung und mehr Licht auf öffentlichen Plätzen. "Man muss Räume schaffen, in denen so etwas nicht geschieht, einfach weil es nicht im Dunkeln geschehen kann", sagte Tauber. Um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu vermeiden, brauche es zudem mehr Polizeipräsenz. Landesregierungen, die in der Vergangenheit eher Polizeistellen abgebaut hätten, müssten sich kritisch hinterfragen.

In der Verantwortung sieht Tauber aber auch die Justiz. So müsse man fragen: "Nutzen unsere Gerichte die Gesetze, die wir haben, um mit der notwendigen Härte zu entscheiden?" Wer solche Straftaten begehe, müsse wissen, dass dies nicht folgenlos bleibe. Der CDU-Politiker begrüßte es, "wenn unsere Gesellschaft sensibler wird für diese Form von Gewalt". Dazu gehöre, nach den Ursachen zu fragen - auch, ob dies manchmal etwas mit gescheiterter Integration zu tun habe. Sexuelle Belästigung von Frauen in der Öffentlichkeit komme leider öfter vor.

Quelle: n-tv.de

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