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Tschechiens Regierungschef Bohuslav Sobotka und Staatschef Milos Zeman (v.l.) teilen Angela Merkels Ansichten zur Flüchtlingspolitik nicht.
Tschechiens Regierungschef Bohuslav Sobotka und Staatschef Milos Zeman (v.l.) teilen Angela Merkels Ansichten zur Flüchtlingspolitik nicht.(Foto: picture alliance / dpa)

Gegen jede Aufnahme von Flüchtlingen: Tschechien will keine Muslime

Unter den Mitgliedsstaaten der EU wirbt Kanzlerin Merkel für eine gemeinsame Flüchtlingspolitik. In Tschechien allerdings wird sie wohl keinen Partner finden. Kurz vor ihrem Besuch stellt Regierungschef Sobotka klar: "Wir wollen keine große muslimische Gemeinschaft."

Zwei Tage vor einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Tschechien hat der dortige Regierungschef Bohuslav Sobotka die "unterschiedlichen Sichtweisen" in der Flüchtlingspolitik bekräftigt. "Wir haben hier keine muslimische Gemeinschaft", sagte Sobotka unter Hinweis auf die geschätzten 10.000 bis 20.000 Muslime unter den 10,5 Millionen Tschechen. "Und um ehrlich zu sein, wir wollen nicht, dass sich hier eine große muslimische Gemeinschaft bildet."

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Merkel vertritt das von der EU beschlossene Quotensystem, nach dem Flüchtlinge zwischen den EU-Staaten aufgeteilt werden sollen. Sobotka sagte der Zeitung "Pravo", nach seiner Überzeugung sollten die Mitgliedstaaten die Freiheit haben, die Zahl der Zuwanderer selbst festzulegen. Es seien schließlich die Regierungen der Einzelstaaten, die "die Sicherheit der Menschen gewährleisten" müssten, fügte Sobotka hinzu. Tschechien könne nicht dieselbe Herangehensweise wie Deutschland im vergangenen Jahr haben - "insbesondere, das Hereinströmen einer großen Zahl von Menschen zuzulassen, ohne den Überblick zu haben".

Merkels Migrationspolitik "absurd"

Merkel besucht am Donnerstag Prag, wo sie auch von Tschechiens Staatschef Milos Zeman empfangen wird. Zeman hat die Einwanderungspolitik der Bundesregierung wiederholt scharf kritisiert. Er sagte noch in diesem August, er sei gegen jede Aufnahme von Flüchtlingen. Merkels Migrationspolitik bezeichnete Zeman als "absurd".

Die tschechische Polizei nahm derweil Ermittlungen gegen einen anti-islamischen Aktivisten und seine Anhänger auf, die am Wochenende mit einem gespielten Überfall in der Prager Altstadt zahlreiche Passanten verschreckt hatten. Die Mitglieder einer fremdenfeindlichen Organisation waren als Dschihadisten verkleidet, mit Spielzeugwaffen und mit dem Schrei "Allahu Akbar" auf eine Menschenmenge zugerannt, zu der viele Touristen zählten. Zahlreiche Betroffene suchten in Cafés und Restaurants Zuflucht. Die Ermittlungen lauten auf "Störung der öffentlichen Ordnung".

Quelle: n-tv.de

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