Deutsches Wildbret gilt 24 Jahre nach Tschernobyl noch immer als übermäßig strahlenbelastet.
(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 29. Juli 2010
Bund zahlt jährlich Hunderttausende: Tschernobyl kostet noch immer
Für die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zahlt die Bundesregierung noch immer. Jedes Jahr werden Hunderttausende Euro an Jäger und Waldbesitzer gezahlt, weil das Wildbret noch immer übermäßig strahlenbelastet ist.Die Bundesregierung muss auch 24 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl noch Entschädigung zahlen. "Die tatsächlichen Entschädigungsleistungen des Bundes für Schäden in Folge des Reaktorunfalls von Tschernobyl belaufen sich bis zum 30. Juni 2010 auf circa 238 Millionen Euro", heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion.
Das "Hamburger Abendblatt" berichtete unter Berufung auf das Bundesumweltministerium, der Bund habe 2009 an Jäger und Inhaber von Jagdrechten 424 650 Euro als Entschädigung für übermäßig strahlenbelastetes Wildbret von Wildschweinen gezahlt. Ein Jahr zuvor habe die Summe noch bei 380.000 Euro gelegen, 2007 bei 104.000 Euro. Die Anzahl der Wildproben, deren radioaktiver Gehalt über dem Grenzwert liegen, seien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.
Die Atomindustrie hat für Katastrophen eine Summe von 2,5 Milliarden Euro pro Kernkraftwerk zurückgelegt. Ein Betreiber muss wegen der unbegrenzten Haftung für Schäden darüber hinaus mit dem gesamten sonstigen Vermögen einstehen. Wenn die finanziellen Mittel nicht ausreichen sollten für alle Forderungen, wird die Verteilung gesetzlich geregelt. Die Bundesregierung hält die Entschädigungsmittel für ausreichend, geht aus der Antwort hervor. Die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl warnte in der Zeitung davor, dass letztlich vor allem die Gesellschaft die Kosten trage.
dpa
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