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Der seit elf Jahren amtierende türkische Premier will sich am 10. August auch zum Präsidenten wählen lassen.
Der seit elf Jahren amtierende türkische Premier will sich am 10. August auch zum Präsidenten wählen lassen.(Foto: picture alliance / dpa)

Schlag gegen Erdogan-Gegner?: Türkei lässt Dutzende Polizisten verhaften

In einer konzertierten Aktion nehmen die türkischen Behörden zahlreiche ranghohe Polizeibeamte fest. Türkischen Medien zufolge könnte es sich dabei um einen Schlag gegen die Gülen-Bewegung handeln, bevor Premier Erdogan zur Präsidentenwahl antritt.

Erdogan verlangt von den USA eine Auslieferung Gülens.
Erdogan verlangt von den USA eine Auslieferung Gülens.(Foto: picture alliance / dpa)

In der Türkei sind bei einer landesweiten Großrazzia gegen angebliche Regierungsgegner über 60 ranghohe Polizisten verhaftet worden. Allein in Istanbul wurden bei der Aktion mehr als 200 Einrichtungen durchsucht. Im türkischen Fernsehen wurde gezeigt, wie die Beamten in Handschellen abgeführt wurden. Die Vorwürfe lauten unter anderem auf Korruption und Amtsmissbrauch. In türkischen Medien wurde schnell die Vermutung laut, dass es sich bei den Verhaftungen um einen gezielten Schlag gegen das Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen handeln könnte.

Eigenen Angaben zufolge stellten die Ermittlungsbehörden 115 Haftbefehle aus, von denen 67 vollstreckt wurden. Allein 40 derzeitige und frühere Führungskräfte der Polizei wurden Fernsehberichten zufolge in Istanbul festgenommen, darunter zwei ehemalige Leiter der städtischen Anti-Terror-Einheit, Yurt Atayun und Ömer Köse. Atayun bezeichnete seine Verhaftung als "politisch motiviert".

Razzien in 22 Städten

Am frühen Morgen gab es der Zeitung "Hürriyet" zufolge in 22 Städten gleichzeitig Razzien. Durchsucht wurden dabei auch Objekte in der Hauptstadt Ankara sowie in Izmir und Diyarbakir.

Übereinstimmenden Berichten nach wird den Verhafteten Spionage, illegale Telefonüberwachung, Dokumentenfälschung, Verletzung der Privatsphäre, Beweisfälschung sowie die Preisgabe von Ermittlungsinformationen vorgeworfen. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden sollen tausende Zielpersonen abgehört worden sein, darunter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, verschiedene Minister und der türkische Geheimdienstchef Hakan Fidan.

Zusätzliche Brisanz erhält die Razzia durch die bevorstehende Präsidentschaftswahl am 10. August, bei der sich Erdogan ins höchste Staatsamt wählen lassen will. Seine islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) trägt einen Machtkampf aus mit der Bewegung des im US-Exil lebenden Gülen, der besonders in Justiz und Polizei über zahlreiche Ergebene und landesweit sogar über Millionen Anhänger verfügen soll.

Fehde gegen Prediger Gülen

Wegen eines angeblichen Komplotts des Gülen-Netzwerks gegen seine Regierung ließ Erdogan schon tausende Polizisten, Richter und Staatsanwälte zwangsversetzen oder entlassen. Auslöser war die von Istanbuler Staatsanwälten angeordnete Festnahme Dutzender Politiker und Wirtschaftsmanager aus dem Umfeld der Erdogan-Regierung im Dezember vergangenen Jahres. Ihnen wurde die Verwicklung in einen weitverzweigten Korruptionsskandal vorgeworfen, bei dem es um illegale Goldgeschäfte mit dem Iran, Bestechung und rechtswidrige Baugenehmigungen geht. In der Folge wurde auch das türkische Kabinett umgebildet.

Am Montagabend hatte Erdogan in einem Fernsehinterview angekündigt, den Kampf gegen die Gülen-Bewegung "ohne Atempause" fortzusetzen. Von den USA verlangte der seit elf Jahren regierende Ministerpräsident die Auslieferung des Predigers. "Ich erwarte von den Vereinigten Staaten, dass sie zu der Gülen-Sache Stellung beziehen", sagte Erdogan.

Als einstige Verbündete hatten Erdogan und Gülen die politische Landschaft der Türkei verändert, die jahrzehntelang von säkularen Regierungen und der mächtigen Armee geprägt worden war. Weil ihm ein Prozess drohte, setzte sich Gülen 1999 schließlich in die USA ab. Er bestreitet jedoch, hinter den Korruptionsvorwürfen gegen Erdogans Regierung zu stehen und einen verschwörerischen "Parallelstaat" aufgebaut zu haben.

Quelle: n-tv.de

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