Politik
Viele Linke interpretieren den Patriot-Einsatz als Machtexpansion im Nahen Osten.
Viele Linke interpretieren den Patriot-Einsatz als Machtexpansion im Nahen Osten.(Foto: REUTERS)

Demonstrationen gegen Nato-Einsatz: Türken protestieren gegen Patriots

Ende des Monats sollen die deutschen Patriot-Luftabwehrraketen einsatzbereit sein. Doch in der Türkei ist die Nato-Mission umstritten. Während einer Demonstration eskaliert der Protest. Die türkische Polizei greift hart durch und nimmt mehr als 20 Menschen fest.

Mit Masken, Schlagstöcken und Pfefferspray gingen die türkischen Polizisten gegen die Demonstranten zu Werke.
Mit Masken, Schlagstöcken und Pfefferspray gingen die türkischen Polizisten gegen die Demonstranten zu Werke.(Foto: AP)

Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Demonstranten bei Protestkundgebungen gegen den Patriot-Einsatz der Nato hat die türkische Polizei mehrere Dutzend Menschen festgenommen. Die Sicherheitskräfte seien mit Tränengas, Pfefferspray und Schlagstöcken gegen Demonstranten in der Hafenstadt Iskenderun sowie an der Luftwaffenbasis Incirlik im Süden des Landes vorgegangen, berichtete die Zeitung "Birgün". Laut Medienberichten wurden zwischen 23 und 40 Menschen festgenommen. Darunter sei auch eine Reporterin von "Birgün", meldete das regierungskritische Blatt.

In Iskenderun waren am Montag Schiffe mit den Patriot-Raketen der Bundeswehr und der niederländischen Armee angekommen. Auf dem Stützpunkt Incirlik bei Adana lagern nach US-Angaben die für den Nato-Einsatz vorgesehenen Patriot-Systeme der US-Streitkräfte. Das deutsche Einsatzkontingent "Active Fence Turkey" wird in der Stadt Kahramanmaras stationiert, etwa 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt.

Das Flugabwehr-System "Patriot" des US-Rüstungskonzerns Raytheon kann Flugzeuge, ballistische Raketen und Marschflugkörper auf eine Entfernung von knapp 70 Kilometern abschießen. Zur Abwehr von Granatbeschuss, der bisherigen Hauptbedrohung auf der türkischen Seite der syrischen Grenze, ist "Patriot"dagegen nicht geeignet.

"Ein See aus Blut"

Linke und islamistische Gruppen in der Türkei sehen in dem Patriot-Einsatz dagegen einen Versuch insbesondere der USA, ihre Macht im Nahen Osten auszudehnen. In Iskenderun sagte einer der Redner der Demonstranten nach einer Meldung der linken Tageszeitung "Evrensel", die Patriot-Mission sei Teil eines Plans, "den Nahen Osten in einen See aus Blut zu verwandeln".

Die Nato hatte die Stationierung der Luftabwehrraketen auf Antrag der türkischen Regierung beschlossen, um die Türkei vor möglichen Raketenangriffen aus dem benachbarten Unruheland Syrien schützen zu können. In Syrien unterstützt die Türkei den Aufstand gegen das Regime in Damaskus. Dabei hat die Türkei auch Rebellengruppen und Deserteuren Unterschlupf gewährt, die gegen Präsident Baschar al-Assad kämpfen.

Im türkischen Grenzgebiet sind mehrfach Granaten aus Syrien eingeschlagen. Das Regime in Damaskus verfügt auch über weiterreichende Raketen und Chemiewaffen, hat aber erklärt, dass diese nicht eingesetzt würden. Ankara befürchtet aber, dass Assad in einer letzten Verzweiflungstat zu diesen Waffen greifen könnte. Die Türkei selbst hat keine ausreichende Luftabwehr dagegen, obwohl sie über die zweitgrößte Armee innerhalb der Nato verfügt.

Quelle: n-tv.de

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