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Zehntausende versammeln sich auf dem Istanbuler Taksim-Platz.
Zehntausende versammeln sich auf dem Istanbuler Taksim-Platz.(Foto: picture alliance / dpa)

Proteste weiten sich aus : Türkische Polizisten begehen Suizid

Die Stimmung in der Türkei heizt sich auf. Mehr und mehr Menschen strömen zu den Protesten, und die Einsatzbedingungen der Polizisten während der Proteste werden immer härter. Einige der Polizeibeamten verzweifeln.

In der Türkei verhärten sich die Fronten: Während sich zehntausende Regierungsgegner zu großen Protesten versammelten, zeigte sich Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor seinen Anhängern kämpferisch. Neuwahlen hat seine islamisch-konservative Regierungspartei AKP ausgeschlossen."Es gibt keinen Grund für vorgezogene Wahlen. Regierung, Parlament und Kabinett arbeiten wie ein Uhrwerk", sagte Parteisprecher Hüseyin Celik.

In der Nacht hatten die Proteste gegen Erdogan Zulauf von zehntausenden Fußballfans erhalten, die sich auf dem Taksim-Platz in Istanbul versammelten. Demonstranten strömten dort zu einer Großkundgebung, zu der die Taksim-Plattform aufgerufen hatte. "Wir erwarten alle Bürger, die ihre Rechte an ihrer Stadt, ihrem Gezi-Park und alle ihre Forderungen geltend machen", so die Organisatoren der Proteste. "Wir machen weiter, bis unsere Forderungen erfüllt sind."

Erdogan bezeichnete er die Protestierer erneut als "Marodeure", die mit Protesten Fortschritte in der Türkei verhindern wollten. In Mersin hielt er seine Rede vor einer jubelnden Masse und laufenden Fernsehkameras. Die Atmosphäre erinnerte an Wahlkampfauftritte.

Der Vorsitzende der ultranationalistischen Oppositionspartei MHP, Devlet Bahceli, hatte Neuwahlen gefordert. Bahceli war vor einigen Tagen auf den Protestzug aufgesprungen. Er sagte, Erdogan habe die Krise im Land verschärft. Er müsse sein Mandat erneuern.

Polizeigewerkschaft spricht von Selbsttötungen

Die Demonstrationen zehren auch an den eingesetzten Polizeibeamten. Sechs Polizisten hätten bereits Selbstmord begangen, sagte Faruk Sezer, der Vorsitzende der Gewerkschaft Emniyet-Sen. Die Beamten seien zu 120 Stunden langen Dauereinsätzen auf den Straßen gezwungen worden.

Die Gewalt gegen Demonstranten resultiere auch aus der Gewalt, die die Polizisten selbst erfahren, sagte Sezer. Seine Gewerkschaft sammle Material, um Gerichtsverfahren gegen den Dienstherrn anzustoßen. Wegen der als unverhältnismäßig brutal angesehen Einsätze gegen Demonstranten ist die türkische Regierung international kritisiert worden. Emniyet-Sen war im vergangenen Jahr gegen den Widerstand der Polizeiführung gegründet worden und hat nach eigenen Angaben mehr als 7000 Mitglieder.

Die Protestwelle hat sich an der brutalen Räumung eines Lagers im Gezi-Park am Rand des Istanbuler Taksim-Platzes entzündet. Inzwischen richten sich die Demonstrationen vor allem gegen den als immer autoritärer empfundenen Kurs Erdogans und seiner islamisch-konservativen Partei.

Quelle: n-tv.de

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