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Julian Assange, Kopf von Wikileaks.
Julian Assange, Kopf von Wikileaks.(Foto: dpa)

"Er wird für immer Katzenfutter fressen": US-Firma zerpflückt Assange

von Roland Peters

Von Hackern erbeutete und über Wikileaks zugänglich gemachte interne E-Mails der Sicherheitsfirma "Stratfor" belegen: Die Strategie der USA gegen Julian Assange ist offenbar längst beschlossene Sache, die Klage mit Brief und Siegel seit mehr als einem Jahr ausgearbeitet. In dem Unternehmen heißt es euphorisch: "F*** den Terroristen."

Seit Anfang der Woche veröffentlicht Wikileaks von der US-Sicherheitsfirma Stratfor interne E-Mails, die Hacker Ende des Jahres 2011 erbeutet haben. Stratfor unterhält der Enthüllungsplattform zufolge nicht nur enge Beziehungen zu Rüstungsfirmen, sondern berät auch den US-Geheimdienst sowie US-Strafverfolgungsbehörden. Darunter sind demnach das Heimatschutzministerium, die US Marines und der Verteidigungsnachrichtendienst der Vereinigten Staaten.

Der schriftliche Meinungsaustausch von Stratfor-Mitarbeitern legt nahe: Manch ein Kunde hat Interesse daran, das Julian Assange und die Enthüllungsplattform von der Bildfläche verschwinden.

Den E-Mails zufolge fürchteten die Mitarbeiter bereits Ende des Jahres 2010, dass Assanges Haft ihn in den Augen der Öffentlichkeit zum Märtyrer machen könnte. Als Strategie schlug der Absender "burton@stratfor.com" - also vermutlich Vizechef Fred Burton - seinen Analysten vor: "Seine Verbündeten aufzuspüren, ist auch ein Schlüssel. Findet die unzufriedenen Verbrecher. Schickt ihn von Staat zu Staat, konfrontiert ihn für die nächsten 25 Jahre mit verschiedenen Vorwürfen. Aber holt euch alles, was er und seine Familie besitzen."

Als Anklagepunkte gegen Assange empfiehlt er "Verschwörung" und "Politischer Terrorismus". Um dies zu begründen, regte er an, "den Tod einer Quelle zu enthüllen", die in Verbindung mit Wikileaks gesetzt werden könne.

"Versiegelte Anklageschrift"

Möglich ist, dass diese Strategie schon beschlossene Sache ist. Eine Klage der USA gegen Assange liegt einer anderen Mitteilung zufolge spätestens seit Anfang 2011 in der Schublade. "Wir verfügen über eine versiegelte Anklageschrift gegen Assange", heißt es dort.

Absender der vertraulichen E-Mail an einen ranghohen Mitarbeiter von Stratfor: abermals burton@stratfor.com. Der lästert zusätzlich: "Im Gefängnis wird Assange eine gute Braut sein. F*** den Terroristen. Er wird für immer Katzenfutter fressen." Insgesamt will Wikileaks mehr als fünf Millionen vertrauliche E-Mails von Stratfor besitzen.

Das Unternehmen hatte den Diebstahl "einer großen Anzahl E-Mails" am Montag zugegeben. Es bezichtigte Wikileaks in einer Stellungnahme, dass manche Veröffentlichungen "womöglich gefälscht", andere aber "womöglich authentisch" seien.

Zweifelhafte Methoden

Stratfor steht für "Strategic Forecasting", "Strategische Vorhersagen". Dem Unternehmen wird auf Basis der der erbeuteten Korrespondenzen unter anderem vorgeworfen, dass es Mitarbeiter dazu anhalte, zweifelhafte Methoden für die Informationsbeschaffung zu verwenden. Dazu gehört etwa auch, dass sie betreffende Personen zum Sex verführen, um sie auszuhorchen.

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Hintergrund der Auseinandersetzung ist, dass Wikileaks und Julian Assange auch durch die Veröffentlichung vertraulicher den Zorn Washingtons auf sich gezogen haben.

Derzeit wehrt sich Assange gegen eine mögliche Auslieferung von Großbritannien nach Schweden. Dort wird ihm vorgeworfen, mit zwei Frauen ohne deren Einwilligung ungeschützten Sex gehabt zu haben. Assange bestreitet dies. Der 40-Jährige befürchtet, dass er von Schweden an die USA ausgeliefert wird.

Dann könnte der Briefumschlag mit der fertigen Anklageschrift geöffnet werden.

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Quelle: n-tv.de

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