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Stark genug für schwerste Bunkerbrecher: Eine B-1 auf einer US-Basis (Archivbild).
Stark genug für schwerste Bunkerbrecher: Eine B-1 auf einer US-Basis (Archivbild).(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Bunker verletzlich wie Eierschalen?: US-General erwähnt Superbombe

Die Spekulationen um die Erfolgsaussichten von Luftschlägen gegen das iranische Atomprogramm erhalten neue Nahrung: Das US-Militär versorgt die Öffentlichkeit mit Angaben zur Schlagkraft einer neuen Waffe. Teheran soll sich vor einem 13 Tonnen schweren "Penetrator" fürchten.

So stellt man sich das bei Boeing vor: Ein MOP auf dem Weg ins Ziel (Computeranimation).
So stellt man sich das bei Boeing vor: Ein MOP auf dem Weg ins Ziel (Computeranimation).(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die USA verfügen nach den Worten eines Luftwaffen-Generals über eine 13-Tonnen-Bombe, die speziell zur Bekämpfung von Bunkeranlagen wie jenen im Iran entwickelt wurde. Die als bunker buster (etwa: Bunkerbrecher) bezeichnete Superbombe sei in der Lage, 65 Meter Beton zu durchschlagen, bevor sie in der Tiefe explodiere, sagte der Einsatzchef der US-Luftwaffe, Generalleutnant Herbert Carlisle, auf einer Sicherheitskonferenz in Washington. Die Waffe sei erst im vergangenen Jahr an die US-Streitkräfte ausgeliefert worden. Sie habe "großartige Fähigkeiten" und werde zudem ständig verbessert.

Die neue Bombe basiert auf der Wirkungsweise herkömmlicher Sprengkörper wie etwa vom Typ BLU-109, ergänzt durch verbesserte Steuerungstechnik und einen speziell gehärteten Sprengkopf - und viel mehr Sprengstoff. Ihre enorme Durchschlagskraft ergibt sich aus ihrem enormen Gesamtgewicht von 13 Tonnen und der hohen Geschwindigkeit beim Aufprall. Die Wucht soll nach US-Angaben ausreichen, um den eigentlichen Bombenkörper nach dem Einschlag etwa 16 Stockwerke tief in den Boden zu treiben. In Militärkreisen firmiert das Waffensystem unter Kürzeln wie MOP für Massive Ordnance Penetrator (etwa: "Schwere Eindringmunition"). An der Entwicklung ist der US-Flugzeugbauer Boeing mit seiner Rüstungssparte maßgeblich beteiligt.

Tief in den Bergen des Iran: Stark verbunkerte Anlagen bei Qom (Archivbild).
Tief in den Bergen des Iran: Stark verbunkerte Anlagen bei Qom (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Die Einführung dieser Bombe werten Beobachter als eine offensichtliche Reaktion der USA auf die Verlagerung iranischer Atomanlagen in tief unter der Erde gelegenen Bunkern. Durch die auf Satellitenbildern deutlich erkennbaren Baumaßnahmen sehen Analysten im Pentagon ihren Verdacht bestätigt, dass der Iran an Atomwaffen arbeitet. Um das iranische Atomprogramm beim Scheitern der diplomatischen Bemühungen doch noch stoppen zu können, setzen die US-Streitkräfte daher auf die schweren Bunkerbrecher-Bomben. Sie sind Bestandteil der Einsatzplanung, die nach den Worten von Verteidigungsminister Leon Panetta "schon eine ganze Weile laufen".

Mit jedem Entwicklungsschritt auf dem Gebiet der tief eindringenden Sprengkörper zwingen die USA mögliche Gegner zu einer Ausweitung ihrer Schutzmaßnahmen. Vor diesem Hintergrund gewinnen die möglicherweise gezielt gestreuten Details zur Schlagkraft der neuen Waffe besondere Bedeutung. Iranische Verteidigungsexperten müssen früher oder später ihren Befehlshabern Rede und Antwort stehen, inwieweit die gegen Luftschläge geschützten Anlagen nun überhaupt noch als bombensicher sind.

Zu schwer für Israel

Eine mögliche Antwort wäre es, die Anlagen noch tiefer unter die Erde zu verlegen oder durch zusätzliche Abschirmungen aus Stahlbeton zu verstärken. Beides ist mit aufwändigen Baumaßnahmen verbunden. Die unmittelbare Konsequenz: Der entsprechende Posten im Verteidigungsetat schwillt an. Die Gesamtkosten des Atomprogramms steigen - nach den Hoffnungen der US-Außenpolitik in einen für Teheran schmerzhaften Bereich. Für US-Verteidigungsexperten bietet die ökonomische Dimension eines militärischen Wettrüstens zwischen Bunkerbauern und Bunkerbrechern eine naheliegende Lösung. Schließlich hat sich eine ähnliche Strategie im Kalten Krieg zwischen USA und dem Ostblock im größeren Rahmen letztendlich als sehr erfolgreich erwiesen.

Könnte womöglich unbemerkt in den iranischen Luftraum eindringen und dank Luftbetankung sicher wieder bis nach Hause fliegen: Der  Tarnkappenbomber B-2.
Könnte womöglich unbemerkt in den iranischen Luftraum eindringen und dank Luftbetankung sicher wieder bis nach Hause fliegen: Der Tarnkappenbomber B-2.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Ein Rüstungswettlauf bietet für Washington nebenbei zusätzliche Vorteile: Einerseits rechtfertigt die Weiterentwicklung der Bunker-Bomben zusätzliche Ausgaben im Rüstungsbereich mit positiven Effekten für den heimischen Arbeitsmarkt. Andererseits gehen die USA als weltgrößte Volkswirtschaft mit einem enormen Vorsprung zum Iran ins Rennen. Dessen Wirtschaft ist durch die Wirkung der Sanktionen und andere Hemmnisse stark geschwächt.

Ein weiteres Argument dürfte Zweifler im Weißen Haus von den Vorteilen der neuen Bunker Buster überzeugen: Die 13-Tonnen-Bomben garantieren den USA die Führungsrolle im Iran-Konflikt. Der Sprengkörper ist so schwer, dass er nur von wenigen Flugzeugen überhaupt bis ans Ziel gebracht werden kann. Dazu zählen der betagte B-52-Bomber von Boeing, der strategische Schwenkflügelbomber Boeing B-1 und der Tarnkappenbomber B-2 von Northrop Grumman - alles drei Militärflugzeuge, die ausschließlich bei der US-Luftwaffe im Einsatz sind.

Israel verfügt über keine eigenen schweren Bomber. Das Land sieht sich vom Iran in seiner Existenz bedroht sieht und Israel entscheidet über Angriff , um den Iran am Bau einer Atombombe zu hindern. Aus Israels Sicht käme ein Präventivschlag zu spät, wenn der Iran seine Atomtechnik bis dahin noch tiefer im Untergrund versteckt haben sollte.

Chart

Die USA gewinnen mit der Einführung schwerer Bomben Zeit für die Diplomatie. Denn mit der neuen Bombe sind US-Luftschläge für die iranischen Atomanlagen auch dann noch eine Bedrohung, wenn die gesamten nukleartechnischen Anlagen komplett in Bunkern verlegt sein sollten. Ein frühzeitiger Solo-Angriff mit schwächeren Bomben dürfte sich in den israelischen Angriffsszenarios dagegen als überaus riskant darstellen bei gleichzeitig deutlich geringeren Erfolgsaussichten.

Angriff aus Weltall und Internet?

In einem Interview des "National Journal" betonte US-Verteidigungsminister Panetta erneut, dass der Diplomatie und den Sanktionen noch mehr Zeit gegeben werden müsse. Die USA wollten ebenso wie Israel verhindern, dass der Iran Atomwaffen bekomme. Für den Fall einer militärischen Entscheidung USA: Können Krieg wirkungsvoller .

Erst Mitte Januar hatten US-Medien darüber spekuliert, dass die Bomben im Arsenal der Air Force möglicherweise zu schwach seien, Pentagon braucht neue Bomben

General Carlisle deutete in seiner Rede der Sicherheitskonferenz weitere militärische Neuerungen an. Eine etwaige Militäraktion im Iran oder Annan setzt auf Diplomatie würde demnach von einem neuen militär-taktischen Denken bestimmt sein.

Die Streitkräfte würden dabei in unterschiedlichen Bereichen operieren: in der Luft, zur See, vom Weltraum aus und in der virtuellen Netzwelt, dem Cyberspace. Sie würden davon profitieren, dass sie selbst inzwischen eng vernetzt sind.

Quelle: n-tv.de

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