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Erschwerte Einsatzbedingungen: Die Erstürmung eines Schiffes zählt zu den heikelsten und gefährlichsten Aufgaben der Kommandosoldaten (im Bild: Navy Seals bei einer Übung).
Erschwerte Einsatzbedingungen: Die Erstürmung eines Schiffes zählt zu den heikelsten und gefährlichsten Aufgaben der Kommandosoldaten (im Bild: Navy Seals bei einer Übung).(Foto: U.S. Navy)

Militäraktion vor der Küste Zyperns: US-Spezialeinheit entert Öltanker

Kommandoaktion im Mittelmeer: Auf Befehl von US-Präsident Obama stürmen Soldaten der Spezialeinheit Navy Seals einen von libyschen Rebellen kontrollierten Rohöl-Tanker unter nordkoreanischer Flagge. Die "Morning Glory" entgeht damit einer Bombardierung aus der Luft.

Die "Morning Glory" am Terminal von Es Sider: Die Anlagen bei Ras Lanuf zählen zu den größten Verladekapazitäten des Landes und sind für den libyschen Staatshaushalt von zentraler Bedeutung.
Die "Morning Glory" am Terminal von Es Sider: Die Anlagen bei Ras Lanuf zählen zu den größten Verladekapazitäten des Landes und sind für den libyschen Staatshaushalt von zentraler Bedeutung.(Foto: REUTERS)

US-Spezialeinsatzkräfte haben den mit libyschen Rohöl beladenen Tanker "Morning Glory" im Mittelmeer aufgebracht. Gemeinsam mit dem Verbundskommando SOCEUR habe ein Team der Navy Seals das Schiff in internationalen Gewässern südöstlich von Zypern unter Kontrolle gebracht, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Die europäischen Kräfte waren offenbar nur zur Unterstützung und Absicherung an der Aktion beteiligt.

Das ursprünglich unter nordkoreanischer Flagge fahrende Schiff war vor einigen Tagen von Kämpfern aus der ostlibyschen Stadt Benghasi übernommen worden. Den Angaben aus Washington zufolge galt die "Morning Glory" damit als staatenlos. Der Zugriff der Seals erfolgte am Sonntagabend. Bei dem international abgestimmten Einsatz sei niemand verletzt worden, teilte das Pentagon am Morgen danach mit. Die Regierungen Libyens und Zyperns hätten um den Einsatz gebeten, hieß es. US-Präsident Barack Obama habe den Einsatz persönlich genehmigt.

Verteilung der Ölmilliarden spaltet das Land

Mit der Kommandoaktion greifen die USA erstmals seit dem Ende des Aufstands gegen Muammar al-Gaddafi direkt in einen seit Jahren schwelenden Nachkriegskonflikt innerhalb Libyens ein. Mit dem von Kämpfern kontrollierten Öltanker wollten die Rebellengruppen im östlichen Libyen auf eigene Faust Rohöl exportieren und so ohne Umwege über Tripolis von den Milliardeneinnahmen aus dem Rohstoffgeschäft profitieren.

Die Verteilung der Öleinnahmen steht seit dem Ende des Bürgerkriegs im Zentrum separatistischer Strömungen. Ein Großteil der libyschen Ölvorkommen liegt fernab der Hauptstadt Tripolis im Süden und Osten des Landes. Anfang März hatten bewaffnete Gruppen den ostlibyschen Ölverladehafen Al-Sidra besetzt.

Seit Ende Juli halten Milizen auch die Ölterminals von Ras Lanuf und Sueitina besetzt. Sie wollen damit ihrer Forderung nach regionaler Autonomie für den Osten Libyens und nach einer besseren Verteilung der Einnahmen aus dem Erdölgeschäft Nachdruck verleihen.

Schwimmende Brandbombe

Vor einigen Tagen hatte ein kleiner Trupp bewaffneter Aufständischer die "Morning Glory" unter ihre Kontrolle gebracht und die Beladung eingeleitet. Beobachter sprachen von lediglich drei Kämpfern. Der Tanker hatte Libyen zuvor unter nordkoreanischer Flagge angelaufen. Ende vergangener Woche verließ das Schiff schließlich seinen Liegeplatz. Wie viele Personen sich genau an Bord aufhielten und welchen Zielhafen der Tanker anlaufen sollte, blieb zunächst unklar.

Durch die unblutig abgelaufene Kommandoaktion entgehen Schiff und Besatzung einem weitaus gefährlicheren Schicksal. Die libysche Regierung in Tripolis hatte zuvor mit einer Bombardierung des Schiffes aus der Luft gedroht. Ein solcher Militärschlag gegen einen voll beladenen Rohöltanker hätte mindestens zu einem Großbrand auf offener See geführt - und hätte durchaus auch eine Umweltkatastrophe größeren Ausmaßes im östlichen Mittelmeer auslösen können.

Die Abordnung der US-Elitetruppe Navy Seals ist Bestandteil des europäisch-amerikanischen Sondereinsatzkommandos SOCEUR. Das Special Operations Comand Europe (SOCEUR) vereint Spezialeinheiten der US-Streitkräfte mit entsprechenden Einheiten aus Europa. Gemeinsames Ziel ist die Terrorbekämpfung, Geiselbefreiung und die Absicherung humanitärer Einsätze. Hauptquartier der multinationalen Truppe ist Stuttgart.

Bombenanschlag in Bengasi

Wie angespannt die Lage in Libyen derzeit ist, belegt ein Vorfall aus Bengasi. Bei einem Bombenanschlag im Osten Libyens wurden zu Wochenbeginn mindestens fünf Soldaten getötet und zehn weitere verletzt. Der in einem Auto deponierte Sprengsatz sei vor einer Militärakademie in der Stadt Bengasi explodiert, hieß es aus Armeekreisen. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Die libysche Regierung sieht sich seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 mit dem Widerstand früherer Rebellengruppen konfrontiert, die sich weigern, ihre Waffen niederzulegen. Im Osten des Landes werden immer wieder Anschläge auf Polizisten uns Soldaten verübt. Im Dezember wurden bei einem Selbstmordattentat auf einen Kontrollposten nahe Bengasi 13 Menschen getötet.

Bei einem Angriff auf die US-Botschaft in Bengasi im September 2012 wurden der Botschafter und drei weitere US-Bürger getötet. Ministerpräsident Ali Seidan wurde in der vergangenen Woche vom libyschen Parlament nach anhaltender Kritik an der Sicherheitslage abgesetzt.

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Quelle: n-tv.de

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