Politik
Newt Gingrich, hier als Handpuppe: Karrikatur oder Kämpfertyp?
Newt Gingrich, hier als Handpuppe: Karrikatur oder Kämpfertyp?(Foto: REUTERS)

"Ich bin die Schildkröte": Gingrich will nicht aufgeben

von Sebastian Schöbel

Rein rechnerisch hat Gingrich kaum noch eine Chance, Kandidat der Republikaner zu werden. Doch der Mann aus Georgia bleibt stur: Er will weitermachen und plant schon sein Duell mit Obama.

"Newt Gingrich, sie bluffen doch", sagt der TV-Moderator amüsiert. "Wollen sie wirklich Präsident werden?" Der Gefragte verdreht kurz die Augen, dann schüttelt er heftig den Kopf. "Nö." Ob er dann nicht schon mal gehen wolle, um dem Stau auf dem Parkplatz zu entgehen, fragt der Moderator nach. "Dankeschön", lautet die fröhliche Antwort, und der korpulente Mann mit dem schlohweißen Haar watschelt winkend davon.

So kommentierte die beliebte Satire-Sendung "Saturday Night Live" (SNL) den republikanischen Vorwahlkampf im September 2011. Gingrich war der Witz für zwischendurch, die SNL-Autoren konzentrierten sich lieber auf Mitt Romney, Herman Cain und Rick Perry - letzterer grandios gespielt von TV-Star Alec Baldwin.

Vom Pausenclown zum Dauerläufer

Gut fünf Monate später sind die Rollen vertauscht: Perry und Cain haben aufgegeben und unterstützen nun Gingrich. Doch auch der muss sich inzwischen immer häufiger die Frage gefallen lassen, warum er nicht ebenfalls das Handtuch wirft.

Bilderserie

"Ich bin die Schildkröte", lautete Gingrichs Antwort am "Super Tuesday". Die versammelte Menge rastet regelrecht aus vor Jubel. Es seien viele "Hoppelhäschen" im Rennen um das Weiße Haus unterwegs, deswegen habe es auch schon so viele Spitzenreiter gegeben – was man durchaus als Seitenhieb auf seine früh gescheiterten Freunde Perry und Cain verstehen durfte. "Ich aber mache einen Schritt nach dem anderen", so Gingrich.

Wie diese Schritte aussehen sollen, hat gerade sein Berater Randy Evans auf Fox News erklärt. Auf einem Malbrett zeichnete er auf, wie sich Gingrich zum Kandidaten der Republikaner küren lassen will: mit den 152 Delegierten von Texas; mit den 382 Delegierten aus acht Vorwahlen, in denen der Sieger alles bekommt; und schließlich mit den 503 Delegierten, die sich noch nicht festlegen müssen. 1037 Delegierte seien so "im ganzen Land zu holen", sagt Evans. 1114 braucht ein Bewerber, um die Kandidatur zu gewinnen.

Rechnen gegen die Realität

Und wie zum Beweis, dass es sich lohnt für Gingrich, bis zum bitteren Ende im Rennen zu bleiben, weist Evans noch auf die 491 Delegierten hin, die es Ende Mai und Anfang Juli zu gewinnen gibt. Im August ist der große Bundesparteitag der Republikaner. Gingrich glaubt offenbar fest an seine Chance. "Wenn sie [die Kandidaten] mit gleichen Voraussetzungen starten, gewinnt Newt", meint Evans.

Finanz-Check der Kandidaten

Nur dass sie das eben nicht tun. Schon finanziell kann Gingrich nicht mithalten: Romney allein hat seit Januar über 12 Millionen Dollar für Werbung ausgegeben, mehr als siebenmal so viel wie Gingrich. Bei den Spenden ist die Diskrepanz ebenfalls riesig: 63 Millionen stehen bei Romney zu Buche, 18 Millionen bei Gingrich. Auch sein "Super-Pac" hängt nur noch am Tropf von Milliardär Sheldon Adelson.

Dann sind da ja noch die Umfragen: Keiner der republikanischen Herausforderer schneidet so schlecht im Direktvergleich mit Obama ab. Mag Gingrich sich selbst noch so oft als einzigen Kandidaten bezeichnen, der Obama in Debatten schlagen könne, und mag er den Amtsinhaber noch so oft zu sieben statt wie üblich drei TV-Debatten im Hauptwahlkampf herausfordern, es bringt ihn den Wählern nicht näher.

Zahlen sprechen gegen den Erfolg

Seine Gegner würden Newt Gingrich gerne in die Wüste schicken.
Seine Gegner würden Newt Gingrich gerne in die Wüste schicken.(Foto: REUTERS)

Und schließlich die Zahlen: "Es ist schon rein rechnerisch unmöglich, dass Rick Santorum und Newt Gingrich auf 1144 Delegierte kommen", erklärte kürzlich der anerkannte Wahlkampf-Experte Josh Putnam der "Washington Post". Ins gleiche Horn stieß am Mittwoch auch die Romney-Kampagne. Den Gegnern des Ex-Gouverneurs blieben einfach nicht genug Vorwahlen, um die Lücke in der Delegiertenzahl zu schließen, schrieb Romney-Stratege Rich Beeson in einem Blog-Post. Verantwortlich dafür seien auch die neuen Regeln der republikanischen Partei: Mehr proportionale Verteilung, weniger "Gewinner-bekommt-alles"-Abstimmungen. Das zieht den Vorwahlkampf in die Länge, doch Romney noch einzuholen sei dadurch aussichtslos. Denn auch wenn sie gewinnen würden ginge er nie völlig leer aus. "Je länger die Gegner von Gouverneur Romney diese prinzipiellen, mathematischen Zusammenhänge ignorieren", so Beeson, "desto mehr vergrößern sie Präsident Obamas Siegchancen."
 

Umfrage

Doch Gingrich liebt die selbstgeschriebene Heldengeschichte des Underdog: Wie seine Kampagne im Sommer des vergangenen Jahres schon abgeschrieben wurde, weil "die nationale Elite – vor allem die republikanische Partei – entschieden hatte, dass eine Gingrich-Präsidentschaft so furchteinflößend sei, dass sie sie früh abwürgen wollten". Und wie er sich das erste Mal zurückkämpfte. Kein Wort über den damaligen Massenexodus von Wahlkampfmanagern wegen Gingrichs Beratungsresistenz und gravierenden Fehlentscheidungen. Es seien "die zwei schwierigsten Tage seiner Karriere gewesen", sagt Gingrich heute. Ein Blick auf seine lange Polit-Karriere lässt das wie eine hohle Floskel erscheinen.

Das ewige Opfer

Dann hätte ihn auch noch zweimal fast das "Wall-Street-Geld" (den Namen Romney nahm er am Dienstag nicht in den Mund) versenkt, mit negativen Werbekampagnen in Iowa und in Florida. Und nun hat er am "Super Tuesday" deutlich in seiner Heimat Georgia gewonnen.

Santorums Leute sehen das anders. Ohne Gingrich "würden wir diese Staaten mit 10 Punkten Vorsprung gewinnen", sagt sein Sprecher Hogan Gidley dem Polit-Blog "TPM". "Wir reden hier von einer Teilung der Anti-Romney-Stimmen."

Gingrich antwortete umgehend: Wäre er überzeugt, dass Santorum Romney wirklich schlagen könne, so Gingrich am Mittwoch in einem Interview, "dann würde ich ernsthaft darüber nachdenken, auszusteigen."

"Aber das tue ich nicht."

Quelle: n-tv.de