Politik

Wahlkampf nach dem Hurrikan: Waffenstillstand ist vorbei

Barack Obama wittert seine Chance. Unverhofft verschafft "Sandy" ihm die Möglichkeit, sich als sorgender Landesvater und zupackender Commander-in-Chief in Szene zu setzen - und dabei bekommt er sogar Hilfe von republikanischer Seite. Mitt Romney dagegen stürzt sich mit Eifer in den Wahlkampf-Endpurt.

Romney in Florida: Hier geht der Wahlkampf heute weiter.
Romney in Florida: Hier geht der Wahlkampf heute weiter.(Foto: AP)

Wirbelsturm "Sandy" verschaffte den US-Amerikanern nur eine kurze Atempause vom Wahlkampfgetöse. Bereits an diesem Mittwoch will der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney den "Waffenstillstand" beenden und in Florida mehrere Wahlkampfveranstaltungen abhalten. Präsident Barack Obama dagegen besucht besonders schwer getroffene Überschwemmungsgebiete im Bundesstaat New Jersey - ein Hauch von Wahlkampf ist auch dort dabei. Beim Durchzug des Sturms in den US-Küstengebieten um New York und Washington kamen Dutzende Menschen ums Leben.

Romney plant laut seinem Wahlkampfbüro Auftritte in Tampa und Jacksonville. Er tritt gemeinsam mit dem bei Latinos besonders beliebten Senator Marco Rubio auf. Florida gilt als einer der wichtigsten Swing-States, in denen das Ergebnis noch völlig offen ist. Umfragen zufolge liegen Obama und Romney dort gleichauf.

Republikaner lobt Obama

Obama besucht dagegen die vom Unwetter schwer getroffene Stadt Atlantic City. Er werde sich dort ein Bild der Zerstörungen machen. Der Blitzbesuch dauert lediglich knapp drei Stunden. Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, werde ihn dabei begleiten, teilte das Weiße Haus mit.

Christie, ein Republikaner und Romney-Anhänger, hatte mit einem dicken Lob für Obamas Krisenmanagement für Aufsehen gesorgt. "Ich will dem Präsidenten persönlich für all seine Hilfe danken", sagte er. Auf Fragen, ob solche Worte nicht den Wahlkampf beeinflussen könnten, meinte er: "Ich kümmere mich einen Dreck um den Wahlkampf."

Obama setzt ganz offensichtlich darauf, sich als besorgter Landesvater, zugleich aber auch als zupackender Krisenmanager zu präsentieren. Am Dienstagabend etwa sprach er mit Chefs von Energieunternehmen, um Druck zu machen, dass Millionen von US-Amerikanern bald wieder Strom haben. Die Wiederherstellung der Stromversorgung habe oberste Priorität, betonte Obama nach Angaben des Weißen Hauses.

Obamas Visite in New Jersey weckt bei Deutschen Erinnerungen an den legendären Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Jahrhunderthochwasser 2002 an Oder und Elbe. Auch damals war Wahlkampf. Es hieß, Schröders entschlossenes Auftreten in Gummistiefeln habe ihm damals möglicherweise die entscheidenden Stimmen zum Sieg im Bundestagswahlkampf verschafft.

Obama und Romney liefern sich nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Ausgang der Wahl am Dienstag, 6. November, ist völlig offen.

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Quelle: n-tv.de