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James Cartwright war als stellvertretender Generalstabschef der zweithöchste Offizier der USA.
James Cartwright war als stellvertretender Generalstabschef der zweithöchste Offizier der USA.(Foto: dpa)

Ex-General soll Stuxnet-Attacken verraten haben: USA haben den nächsten Whistleblower

Manning, Snowden - und nun Cartwright? Ausgerechnet gegen den ehemals zweithöchsten Offizier der USA soll laut einem Medienbericht wegen Geheimnisverrats ermittelt werden. Der Ex-General soll Informationen über die Stuxnet-Attacken gegen den Iran an die Presse weitergegeben haben. Weiteres Rätselraten gibt es derweil um die Zukunft des untergetauchten Snowden.

Neben dem mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning und NSA-Enthüller Edward Snowden gibt es in den USA laut Medienberichten möglicherweise einen weiteren Fall von Geheimnisverrat. Demnach wird der ehemals zweithöchste Offizier des Landes beschuldigt, geheime Informationen über eine Cyberattacke der USA gegen den Iran an die Presse weitergegeben zu haben.

Wikileaks-Informant Bradley Manning wird derzeit der Prozess gemacht.
Wikileaks-Informant Bradley Manning wird derzeit der Prozess gemacht.(Foto: AP)

Wie der Sender NBC berichtete, hat das Justizministerium Ermittlungen gegen den pensionierten General James Cartwright eingeleitet, der von 2007 bis 2011 stellvertretender US-Generalstabschef war. Er werde beschuldigt, geheime Informationen über die sogenannte "Stuxnet"-Attacke im Jahr 2010 gegen das Atomprogramm des Mullah-Regimes an die "New York Times" weitergegeben zu haben.

Cartwright sei über die Untersuchungen informiert worden, hieß es weiter. NBC berief sich dabei auf Justizkreise. Eine Bestätigung des Ministeriums lag aber zunächst nicht vor. Dem NBC-Bericht zufolge ging die US-Bundespolizei zunächst dem Verdacht auf ein Leck im Weißen Haus nach. Im vergangenen Jahr sei dann Cartwright ins Visier der Ermittler geraten. Cartwrights Anwalt, der frühere Präsidentenberater Greg Craig, wollte sich gegenüber NBC nicht zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten äußern.

1000 iranische Zentrifugen lahmgelegt

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre es ein weiterer schwerer Schlag für die Regierung von US-Präsident Barack Obama, die bereits durch die Veröffentlichung Tausender vertraulicher und geheimer Botschaftsdepeschen durch die Enthüllungsplattform Wikileaks und jüngst durch die Bekanntmachung der Datensammelwut amerikanischer und britischer Geheimdienste durch den Ex-Geheimdienstler Edward Snowden unter Druck geraten ist.

Die Attacken mit dem Computerwurm Stuxnet galten dem iranischen Atomprogramm - hier das Atomkraftwerk Buschehr.
Die Attacken mit dem Computerwurm Stuxnet galten dem iranischen Atomprogramm - hier das Atomkraftwerk Buschehr.(Foto: picture alliance / dpa)

Die "New York Times" hatte im vergangenen Jahr berichtet, dass Cartwright unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush die Idee für die Cyber-Operation mit dem Codenamen "Olympic Games" (Olympische Spiele) gehabt und sie dann auch geleitet habe. Obama habe eine Beschleunigung des Programmes angeordnet. 2010 seien dann bei einem Angriff mit dem "Stuxnet"-Virus vorübergehend 1000 Zentrifugen zur Urananreicherung im Iran lahmgelegt worden.

Der Zeitungsbericht beschrieb geheime Treffen im Weißen Haus und berief sich auf Interviews mit "derzeitigen und früheren amerikanischen, europäischen und israelischen Offiziellen, die in das Programm verwickelt waren". Demnach habe der US-Geheimdienst NSA zusammen mit Israelis "Stuxnet" entwickelt.

Die National Security Agency (NSA) steht auch im Zentrum der Enthüllungen Snowdens. Der 30-Jährige hatte sich eigens in die Dienste des US-Militärnachrichtendienstes begeben, um dessen Überwachungs- und Ausspähprogramme öffentlich zu machen, wie er der "South China Morning Post" in einem Interview sagte. Allein aus diesem Grund habe er einen Job bei einer Beraterfirma angenommen, die im Auftrag der NSA an der Internet-Überwachung beteiligt war.

Moskau dementiert US-Auslieferungsantrag

Snowden, der von der US-Justiz des Geheimnisverrats beschuldigt und gesucht wird, war am vergangenen Sonntag von Hongkong nach Moskau geflohen. Dort hält er sich nach russischen Angaben noch im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo auf. Washington dringt weiterhin auf eine Ausweisung des 30-Jährigen. Man sei mit Moskau darüber noch im Gespräch, sagte der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes. Er nannte allerdings keine Einzelheiten.

Dagegen meldete die russische Agentur Interfax unter Berufung auf einen nicht näher bezeichneten Informanten, dass Moskau noch auf einen Auslieferungsantrag der USA warte. Bisher hätten Russen und Amerikaner nur auf diplomatischer Ebene gesprochen. Es gebe lediglich eine inoffizielle Bitte, Snowden zu überstellen. "Das ist keine Grundlage für irgendwelche ernsthaften Schritte von russischer Seite - vor allem mit Blick auf die bilateralen Beziehungen, um die es gegenwärtig nicht zum besten bestellt ist", sagte der Informant.

Die USA wollen Snowden den Prozess machen. Um der Strafverfolgung zu entkommen, soll er in Ecuador bereits einen Asylantrag gestellt haben. In der Londoner Vertretung des südamerikanischen Landes harrt bereits seit etwas mehr als einem Jahr Wikileaks-Gründer Julian Assange aus, dem wegen der Veröffentlichung der Botschaftsdepeschen ebenfalls ein Strafverfahren in den USA droht. Der mutmaßliche Informant seiner Enthüllungsplattform, Bradley Manning, steht derzeit im US- Bundesstaat Maryland vor einem Militärgericht. Die Anklage wirft dem 25-Jährigen den schwersten Geheimnisverrat in der Geschichte der USA vor.

Ein besonderes Lob bekam Snowden derweil von Thüringens Datenschutzbeauftragten Lutz Hasse. "Das ist schon heldenhaft, sich gegen solche Organisationen aufzulehnen", sagte Hasse in Erfurt. Wenn es solche Leute wie Snowden nicht gäbe, würden wir auf "solche Parallelwelten" der Geheimdienste nicht gestoßen werden. "Es müsste aber noch mehr solcher Snowdens geben, denn es gibt ja auch noch andere Geheimdienste", fügte Hasse hinzu.

Der Datenschützer betonte, er teile die Sorge vieler Menschen in Deutschland um ihre privaten Daten und Informationen. Es sei wie eine Flut, die plötzlich hereinbreche. "Wir mit unserem Sandeimerchen stehen hier rum und versuchen, den Dammbruch zu flicken. Da brauchen wir die Hilfe der Politik, das schaffen die Datenschützer nicht mehr allein", betonte Hasse. Dass auf Bundesebene niemand die Abhörprogramme Prism oder Tempora kannte, glaubt Hasse nicht. Es müsse Hinweise gegeben haben, denen man hätte nachgehen können. "Dass niemand von nichts gewusst haben will, kann ich mir nur schwer vorstellen", sagte Hasse.

Quelle: n-tv.de

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