Politik
Panzerdenkmal in Berg-Karabach: Aus dem vergessenen Konflikt könnte wieder ein heißer werden.
Panzerdenkmal in Berg-Karabach: Aus dem vergessenen Konflikt könnte wieder ein heißer werden.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 03. April 2016

"Schwerste Kämpfe seit 1994": USA verurteilen Eskalation in Berg-Karabach

Seit mehr als 20 Jahren stehen sich in Berg-Karabach armenische und aserbaidschanische Truppen unversöhnlich gegenüber, nur getrennt durch eine brüchige Waffenruhe. Wie schnell aus einem vergessenen Konflikt blutiger Ernst werden kann, zeigt sich jetzt.

Die US-Regierung hat die jüngste Eskalation der Gewalt im Streit um die Südkaukasus-Unruheregion Berg-Karabach "auf das Schärfste" verurteilt. Beide Seiten müssten sich zurückhalten und an die 1994 vereinbarte Waffenruhe halten, hieß es in einer am Samstagabend (Ortszeit) verbreiteten Mitteilung von Außenminister John Kerry weiter. Der Konflikt werde sich nicht militärisch lösen lassen, sondern nur am Verhandlungstisch.

Bei einer der heftigsten militärischen Eskalationen seit Jahren zwischen den Südkaukasusrepubliken Armenien und Aserbaidschan sind mindestens 30 Soldaten getötet worden. "Das sind die schwersten Kämpfe seit dem Beginn der Waffenruhe 1994", sagte der armenische Präsident Sersch Sargsjan in der Hauptstadt Eriwan. Die Gefechte um die Unruheregion Berg-Karabach waren in der Nacht ausgebrochen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte von den Konfliktparteien ein sofortiges Ende der Kämpfe. Sie sollten die Waffenstillstandsvereinbarung respektieren und dringende Schritte zur Entschärfung der Lage unternehmen, hieß es in einer Mitteilung des UN-Generalsekretärs.

"Kann keine militärische Lösung geben"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief beide Seiten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "In diesem Konflikt kann es keine militärische Lösung geben", teilte der Minister mit. Deutschland hat in diesem Jahr den OSZE-Vorsitz inne. Der russische Präsident Wladimir Putin mahnte Armenien und Aserbaidschan zur Zurückhaltung. Russland sieht sich als Schutzmacht Armeniens und hat Tausende Soldaten in dem Land mit rund drei Millionen Einwohnern stationiert. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sowie Chefdiplomat Sergej Lawrow führten mit ihren Amtskollegen in den Hauptstädten Eriwan und Baku Krisentelefonate. Armenien berichtete von 18 Toten, das aserbaidschanische Militär meldete 12 Tote in den eigenen Reihen. Beide Seiten schätzten die Verluste des Gegners weitaus höher ein. Die Ex-Sowjetrepubliken machen sich gegenseitig verantwortlich.

Das überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum muslimisch geprägten Aserbaidschan, hat sich aber Anfang der 1990er Jahre in einem Krieg mit fast 30.000 Toten von Baku losgesagt. Eine seit 1994 geltende Waffenruhe ist extrem brüchig. Die Führung in Baku hat mehrfach gedroht, das abtrünnige Gebiet zurückzuerobern. Der autoritäre aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev sprach sich in Baku für eine friedliche Lösung des Konflikts aus, warf Armenien aber vor, Berg-Karabach völkerrechtswidrig zu besetzen. Ein Sprecher des Außenministeriums teilte mit, das armenische Militär habe mit schweren Waffen Siedlungen beschossen. Auch Zivilisten seien zu Schaden gekommen. Die Armee habe einige strategisch wichtige Punkte besetzt, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Das armenische Verteidigungsministerium sprach indes von einer Offensive Aserbaidschans mit Panzern, Artillerie und Luftwaffe. Die Streitkräfte hätten einen aserbaidschanischen Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 abgeschossen und mehrere Panzer und Drohnen zerstört. Die Behörden in Berg-Karabach berichteten von zwei getöteten Kindern.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen