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Kernkraftwerk Saporischschja
Kernkraftwerk Saporischschja(Foto: Wikipedia/Ralf1969)

Offenbar keine erhöhte Strahlung: Ukraine: Probleme in Europas größtem AKW

In dem südostukrainischen Atomkraftwerk Saporoschje tritt ein technisches Problem auf. Im ganzen Land gibt es Schwierigkeiten mit der Stromversorgung. Eine Gefahr geht von dem Vorfall laut Regierung jedoch nicht aus.

Im Südosten der Ukraine sind nach einem Unfall technische Probleme in einem Atomkraftwerk aufgetreten. Das meldet die Regierung in Kiew. Von dem Störfall gehe jedoch keine Gefahr aus. Der Reaktor selbst soll nicht betroffen sein. Auch erhöhte Radioaktivität sei nicht gemessen worden, hieß es. Die AKW-Leitung hatte über die Abschaltung des dritten Blocks am Samstag informiert.

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"Nein, es gibt nichts Gefährliches", sagte Energieminister Wladimir Demtschischin. Bis zu diesem Freitag sollte "das Problem" beseitigt sein. "Das ist eine technische Frage - und obwohl der dritte Block abgeschaltet ist, stellt er keine Gefahr dar", sagte der neu ernannte Ressortchef. Zudem stehe der Vorfall in keinerlei Zusammenhang zur eigentlichen Stromerzeugung, sondern betreffe das Stromverteilungssystem des Kraftwerks. Auf Verlangen von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk soll Demtschischin nun die Hintergründe aufklären.

Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital sieht im Moment keine schwerwiegenden Probleme: "Soweit ich aber die Lage im Moment beurteilen kann, sind die lebenswichtigen Funktionen für diese Anlage weiter intakt, das heißt, es gibt Strom, es gibt auch eine Notkühlung", sagt Smital bei n-tv. "Im Moment gehe ich nicht davon aus, dass dieser Unfall jetzt eskalieren wird."

Reaktor nicht baugleich mit Tschernobyl

Bei dem betroffenen AKW handelt es sich um die Anlage in Saporischschja. Es ist das leistungsstärkste Kernkraftwerk Europas. Offenbar hat der Unfall zu Stromausfällen im ganzen Land geführt.

Laut Interfax trat das Problem in Block 3 bei einem 1000-Megawatt-Generator des AKW auf. Am 5. Dezember soll dieser Teil des AKW wieder ans Stromnetz angeschlossen werden.

Saporoschje liegt rund 570 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew. Die Anlage war 1984 in Betrieb genommen worden. Der betroffene Block ist laut Atomenergiebehörde seit 1986 am Netz, der letzte der insgesamt sechs Blöcke seit 1995.

In der Ukraine ereignete sich 1986 ein schwerer Unfall im mittlerweile stillgelegten Atomkraftwerk Tschernobyl. Die Reaktortypen in beiden Kraftwerken sind aber nicht baugleich. Seitdem müssen alle Zwischenfälle in Atomkraftwerken an die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA gemeldet werden. Die Ukraine erzeugt fast 44 Prozent ihres Stroms aus Atomkraft. Zurzeit sind der IAEA zufolge 15 Kraftwerke in Betrieb und zwei im Bau.

Die Bundesregierung sprach im Zusammenhang mit Meldungen über einen Atomunfall in dem AKW von einem Missverständnis. Ein Sprecher sagte unter Berufung auf einen Kontaktmann der Gesellschaft für Reaktorsicherheit in Kiew, vor einigen Tagen habe es einen Brand im nichtnuklearen Teil gegeben. Das Auswärtige Amt bemüht sich noch um nähere Informationen.

Quelle: n-tv.de

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