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Die Ukraine soll sich der EU annähern, fordern diese Demonstranten
Die Ukraine soll sich der EU annähern, fordern diese Demonstranten(Foto: REUTERS)

Zehntausende demonstrieren für Pro-EU-Kurs: Ukrainer drängen nach Westen

Es rumort im Osten Europas: Zehntausende Ukrainer gehen auf die Straße und machen ihrem Ärger Luft. Ihr Land soll sich nicht an Russland, sondern an der EU orientieren, fordern sie. Erinnerungen an die Orangene Revolution vor neun Jahren werden wach.

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Viele Zehntausend Menschen haben in der Ukraine für eine Annäherung ihres Landes an die Europäische Union demonstriert. Bei der größten Massenkundgebung von Regierungsgegnern seit der prowestlichen Orangenen Revolution vor neun Jahren forderte die Opposition Präsident Viktor Janukowitsch auf, ein Partnerschaftsabkommen mit der EU Ende kommender Woche doch noch zu unterschreiben. Die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko rief ihre Anhänger in einem Brief auf, mit Protesten weiter Druck auf ihren prorussischen Rivalen auszuüben.

Nach Darstellung der Opposition waren allein in Kiew mehr als 100.000 Menschen auf der Straße für einen EU-Kurs ihres Landes. Die Polizei sprach lediglich von 20.000 Teilnehmern. So viele Menschen habe auch eine Gegenkundgebung prorussischer Kräfte zusammengebracht, teilten die Behörden mit.

Die EU wollte das historische Assoziierungsabkommen über eine engere Zusammenarbeit und freien Handel mit der Ex-Sowjetrepublik eigentlich am kommenden Freitag auf dem Gipfel zur Östlichen Partnerschaft in der litauischen Hauptstadt Vilnius unterschreiben. Die ukrainische Regierung hatte sich dann allerdings überraschend eine Pause verordnet, um mit Russland zu verhandeln.

Timoschenko: Fahrplan für ein normales Leben

Russland wirft der EU geopolitische Machtspiele vor und hatte der Ukraine mit Strafmaßnahmen gedroht, sollte sie das Abkommen unterzeichnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel bot Kremlchef Wladimir Putin danach Gespräche über die Ukraine an. Sie betonte auch, dass das Abkommen nicht gegen Russland gerichtet sei.

Die in Haft erkrankte Oppositionsführerin Timoschenko forderte zuletzt eine Unterzeichnung des Abkommens - unabhängig davon, ob sie, wie von Merkel und der EU gefordert, für eine Behandlung nach Deutschland entlassen werde. "Das Abkommen ist unser Fahrplan für ein normales Leben. Das ist unser Quantensprung heraus aus einer zutiefst wilden Diktatur in ein zivilisiertes Leben", hieß es in ihrem Schreiben.

Wenige Tage vor dem Gipfel in Vilnius schrieb der EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle in einem Twitter-Eintrag, dass die europäischen Türen für das Land offenstünden. Ziel sei eine Modernisierung der Ukraine. Die Führung in Kiew hatte allerdings erklärt, dass eine Partnerschaft nicht zulasten einer anderen - in dem Fall mit Russland - gehen dürfe.

Auch ESC-Siegerin demonstriert mit

Zu dem proeuropäischen Marsch in Kiew kamen auch Anhänger des Oppositionspolitikers und Boxweltmeisters Vitali Klitschko. "Die Ukraine gehört zu Europa", skandierten Menschen mit Europafahnen in den Händen. Die regierungskritische Popdiva Ruslana (40) hatte schon vorher auf ihrer Internetseite ihre Fans mobilisiert. "Wir müssen der Welt zeigen, dass die Ukraine nach Europa gehört, nicht nach Russland!", teilte die Siegerin des Eurovision Song Contest von 2004 ("Wild Dances") mit. "Wenn Putin die Ukraine für sich gewinnt, haben wir alles verloren", meinte sie.

Auch in vielen anderen Städten des riesigen Landes demonstrierten tausende Menschen für eine EU-Integration, darunter in Odessa und in Lwiw (Lemberg). Die Straßenproteste sollen auch in den kommenden Tagen weitergehen.

In ihrer wöchentlichen Videobotschaft hatte Merkel Befürchtungen aus Moskau widersprochen, die Östliche Partnerschaft der EU sei gegen Russland gerichtet. Die EU müsse erreichen, dass es bei der weiteren Integration ehemaliger Sowjetrepubliken nicht immer wieder zu Konfrontationen komme. Die Verhandlungen mit Russland müssten das Ziel haben, "dass nicht ein Gegensatz entsteht zwischen guten Beziehungen dieser Länder mit Russland und guten Beziehungen mit der Europäischen Union".

Quelle: n-tv.de

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