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Dutzende Verletzte in Kiew: Ukrainische Polizei knüppelt Demo nieder

Eine Annährung an die EU will der ukrainische Präsident Janukowitsch offenbar - nur noch nicht jetzt. Ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet er nicht, stellt aber einen neuen Versuch im März 2014 in Aussicht. Gegen Proteste geht die Polizei hart vor.

Spezialeinheiten der ukrainischen Polizei haben offenbar gewaltsam eine Demonstration für einen EU-Kurs des Landes aufgelöst und Dutzende Menschen festgenommen. Regierungsgegner berichteten zudem von Dutzenden Verletzten auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Die Beamten hätten Schlagstöcke eingesetzt, hieß es. "Es war furchtbar. Wir demonstrierten friedlich, und sie attackierten uns", zitiert der Fernsehsender BBC eine Demonstrantin. "Sie warfen uns weg wie Müll."

Nach der geplatzten EU-Annäherung der Ukraine haben am Vorabend tausende Demonstranten in Kiew gegen Präsident Viktor Janukowitsch protestiert. "Wir fordern Janukowitschs Rücktritt", hieß es in einer von der Aktivistin und Popsängerin Aktivistin Ruslana Lyschischko verlesenen Resolution. "Wir erklären, dass wir weiter für eine europäische Ukraine kämpfen."

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Neben Lyschischko standen die Oppositionsführer Arseni Jazenjuk und Vitali Klitschko. "Unser Recht, in einem europäischen Land zu leben, ist gestohlen worden", rief der Boxweltmeister Klitschko. Nach der Kundgebung harrten noch Hunderte auf dem Platz aus.

Zu der Demonstration waren zu Beginn zwischen fünf- und zehntausend Teilnehmer gekommen. Ein massives Polizeiaufgebot sicherte die Protestkundgebung auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz, der seit der prowestlichen Orangenen Revolution 2004 berühmt ist. Die Regierungskritiker riefen "Revolution" und lieferten sich nach Agenturberichten vereinzelt Handgemenge mit der Bereitschaftspolizei.

Schon zuvor hatten zehntausende Bürger mit einer symbolischen Menschenkette von Kiew bis zur polnischen Grenze ihren Wunsch nach einer Annäherung der Ukraine an die EU kundgetan. Alleine in Lemberg (Lwiw) hätten sich 20.000 Menschen die Hand gereicht, erklärten die Organisatoren.

Auch Gegner eines Pro-EU-Kurses protestierten

Trotz der seit Tagen fortdauernden pro-europäischen Massenproteste hatte Präsident Janukowitsch auf dem EU-Gipfel zur Ostpartnerschaft das Abkommen nicht unterzeichnet. "Der Präsident hat das Schicksal und die Zukunft der Ukraine verkauft", sagte Jazenjuk, der zu dem Gipfel in die litauische Hauptstadt Vilnius gereist war, vor seiner Rückkehr nach Kiew.

Allerdings signalisierte Janukowitsch dennoch Bereitschaft, das Assoziierungsabkommen "in naher Zukunft" zu unterschreiben - wenn auch nur unter bestimmten Bedingungen. So verlange die Ex-Sowjetrepublik von der EU "entschlossene Schritte des Entgegenkommens" für eine finanzielle Unterstützung.

Er forderte nach Angaben der Präsidialkanzlei in Kiew etwa Hilfe bei der Modernisierung des Gastransportsystems. Janukowitschs Berater Andrej Gontscharuk sagte, eine Möglichkeit zur Unterzeichnung sei auf dem für März 2014 geplanten EU-Ukraine-Gipfel.

Janukowitschs Kurs findet auch Anhänger: So gingen Unterstützer seiner Führung ebenfalls auf die Straße. In Kiew protestierten etwa Tausende gegen einen EU-Kurs.

Quelle: n-tv.de

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