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Die Gedenkstätte im Jonastal erinnert an Tausende Tote (Archivbild).
Die Gedenkstätte im Jonastal erinnert an Tausende Tote (Archivbild).(Foto: Kassandro (CC-BY-SA 3.0))

"Zurück ins dunkelste Kapitel": Unbekannte schänden KZ-Gedenkstätte

Ist der Brandanschlag von Tröglitz ein Einzelfall oder nur die Spitze des Eisbergs? Südlich von Arnstadt vergehen sich Unbekannte auf den Tag genau 70 Jahre nach der Befreiung eines KZ-Außenlagers an einer erst kürzlich erneuerten Gedenktafel.

Unbekannte haben das Mahnmal für ein früheres Außenlager des KZ Buchenwald angegriffen. Laut Thüringer Polizei wurden am Osterwochenende eine Gedenktafel und ein Blumengebinde im Jonastal bei Arnstadt beschädigt. Die Tafel war gerade erst neu gestaltet worden. Kriminalbeamte sicherten Fingerabdrücke am Tatort. Der Staatsschutz nahm Ermittlungen auf.

Besonders schockierend: Das Blumengebinde hatten Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung erst wenige Stunden zuvor im Gedenken an die Opfer niedergelegt. Am Samstag wurde vor Ort an die Befreiung des Lagers vor 70 Jahren, am 4. April 1945, durch US-Truppen erinnert. Knapp drei Stunden nach Ende der Gedenkveranstaltung muss es zu dem Vorfall gekommen sein.

Der symbolische Schaden übersteigt die reine Sachbeschädigung bei weitem: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich bestürzt: "Die Schändung der KZ-Gedenkstätte Jonastal ist von Menschen begangen worden, die offenkundig zurück ins dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wollen", erklärte er. "Wer die Orte des NS-Schreckens angreift, der will die Schreckensherrschaft der Nazis verdrehen und verharmlosen und tötet die Wahrheit."

Ramelow: Gefahr von Rechts

Ramelow verwies auch auf den zeitlichen Zusammenfall mit dem dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft im sachsen-anhaltinischen Tröglitz: "Die Schlagzeilen dieses Osterwochenendes aus Mitteldeutschland entsetzen viele Menschen." Alle Demokraten seien aufgerufen, sich der Gefahr von rechts gemeinsam entgegen zu stellen. Tröglitz und das Jonastal liegen in der Luftlinie rund 90 Kilometer auseinander.

In das Außenlager Jonastal hatten die Nationalsozialisten laut Jonastalverein bis Mitte Dezember 1944 mehr als 12.000 Häftlinge verschleppt. Sie mussten für das letzte geplante "Führerhauptquartier" unter anderem Stollen und Straßen bauen. Kurz vor Kriegsende trieben die Wachmannschaften die Gefangenen in einem sogenannten Todesmarsch durch das Jonastal Richtung KZ Buchenwald. Dabei starben Tausende den Erschöpfungstod oder wurden am Straßenrand erschossen oder erschlagen.

Quelle: n-tv.de

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