Politik
Mit Wasserwerfern und Tränengas drängen die Polizisten die Menschen zurück.
Mit Wasserwerfern und Tränengas drängen die Polizisten die Menschen zurück.(Foto: REUTERS)

Tumulte an geschlossener Grenze: Ungarn wehrt Flüchtlinge mit Tränengas ab

Die Grenze zwischen Serbien und Ungarn ist dicht. Dennoch versuchen hunderte Menschen, die Absperrung bei Röszke zu durchbrechen. Ungarns Polizei reagiert darauf mit Härte. Die Straßenschlacht fordert Verletzte auf beiden Seiten.

Nach stundenlangen Tumulten an der abgeriegelten serbisch-ungarischen Grenze zwischen Flüchtlingen und ungarischen Polizisten hat sich die Lage wieder beruhigt. Die Flüchtlinge, die ungarische Polizisten mit Steinen und Stöcken beworfen hatten, wurden am Abend auf Initiative der serbischen Behörden in Bussen abgeholt und in die grenznahe serbische Stadt Kanjiza gebracht, wie Augenzeugen berichteten.

Vorher hatten mehrere hundert Flüchtlinge versucht, von serbischer Seite bei einem offiziell geschlossenen kleinen Grenzübergang an einer Landstraße gewaltsam nach Ungarn einzudringen. Dazu durchbrachen sie ein Grenztor. Ungarns Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen sie ein. Die Flüchtlinge bewarfen die Polizisten mit Steinen und anderen Gegenständen.

Dabei wurden 20 ungarische Polizisten und auch einige Flüchtlinge verletzt. Ungarns Außenminister Szjjarto hatte in einem Telefonat mit seinem serbischen Kollegen Ivica Dacic ein Eingreifen der serbischen Behörden am Schauplatz des Konflikts verlangt. Aus Belgrad kam scharfe Kritik. "Ich protestiere auf das Schärfste, dass das Tränengas über die Grenzlinie geworfen wurde", sagte Serbiens Sozialminister Aleksandar Vulin.

370 Flüchtlinge in Kroatien registriert

Kroatiens Regierungschef Zoran Milanovic sagte vor dem Parlament, sein Land werde Flüchtlinge nicht stoppen. "Wir sind bereit, diese Menschen anzunehmen und dorthin zu leiten, wo sie offensichtlich hin wollen" - also nach Deutschland und Schweden. 370 Ankömmlinge wurden am Mittwoch in Kroatien registriert.

Innenminister Ranko Ostojic sagte, das Land könne 1500 Menschen pro Tag aufnehmen und weiterleiten. Derzeit werde die Einrichtung von Korridoren geprüft, er stehe dazu in Kontakt mit seinem slowenischen Kollegen Vesna Gjerkes Znidar. Der dementierte jedoch umgehend, da die unkontrollierte Weiterleitung von Flüchtlingen gegen EU-Recht verstoße.

Fico: EU ist kein sicherer Ort mehr

Nach der Ankündigung Ungarns, auch an der Grenze zu Rumänien einen Zaun zu errichten, bestellte Rumäniens Außenminister George Ciamba den ungarischen Botschafter ein. Ein solcher Bau widerspreche "dem europäischen Geist" und sei derzeit unnötig, erklärte das Ministerium. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte den ungarischen Umgang mit Flüchtlingen "schockierend" und "nicht hinnehmbar".

Drastische Wortes des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico verdeutlichten einmal mehr die gespaltene Haltung der EU-Staaten zur Flüchtlingskrise. Im Parlament sagte Fico, die EU sei angesichts des "Ansturms hunderttausender Migranten kein sicherer Ort mehr". Der Regierungschef warnte vor "Terroristen", die sich unter die Flüchtlinge mischen könnten und beklagte, dass "tausende Menschen über die Grenzen flüchten und niemand sie aufhält".

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen