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Steht seit Monaten wegen der Plagiatsaffäre unter Druck: Bildungsministerin Schavan.
Steht seit Monaten wegen der Plagiatsaffäre unter Druck: Bildungsministerin Schavan.(Foto: dpa)

Plagiatsverfahren gegen Ministerin: Uni entscheidet über Schavan

Schicksalstag für Annette Schavan: Die Universität Düsseldorf entscheidet heute, ob sie gegen die Bildungsministerin ein Verfahren zum Entzug des Doktortitels eröffnet. Die Wissenschaft ist sich uneins: Schavan erhält Unterstützung, aber auch Gegenwind.

Kurz vor der Entscheidung über ein offizielles Plagiatsverfahren gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan dauert der Streit innerhalb der wissenschaftlichen Community über ihre Doktorarbeit an. Der Rechtswissenschaftler Rüdiger Wolfrum kritisierte in der "Rheinischen Post" das Prüfverfahren und forderte einen zusätzlichen externen Gutachter.

Schavan reichte ihre Dissertation im Jahr 1980 ein.
Schavan reichte ihre Dissertation im Jahr 1980 ein.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Schweizer Literaturforscher Philipp Theisohn, der mehrere Bücher über Plagiate in der Wissenschaft geschrieben hat, sieht keinen Grund, Schavan die Doktorwürde zu entziehen. In der Pädagogik vor etwa 30 Jahren sei es gängig gewesen, Thesen zu sammeln und umzuschreiben, sagte er. Eine bewusste Täuschungsabsicht sei daher schwer vorstellbar.

Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät will heute Nachmittag darüber beraten, ob er ein Verfahren zum Entzug des Doktortitels eröffnet. Dies hatte die Promotionskommission nach Prüfung der aus dem Jahr 1980 stammenden Dissertation Schavans einstimmig empfohlen.

Ohne "Doktor" bleibt Schavan nur das Abitur

Der Juraprofessor Gerhard Dannemann, der beim Plagiateportal VroniPlag mitarbeitet, rechnete mit der Eröffnung des Verfahrens. "Diese Arbeit hätte nicht als Doktorarbeit angenommen werden dürfen. Es sind zu viele grobe Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis drin", sagte er im Deutschlandfunk. Die Frage sei aber, ob angesichts "krasserer Fälle" der Doktortitel aberkannt werden müsse. Er halte den Ausgang des Verfahrens für offen.

Wenn Schavan ihren Doktortitel verliert, hat sie überhaupt keinen Hochschulabschluss, da sie damals auf dem Wege der sogenannten Direktpromotion studierte. Mit anderen Worten: Schavans Dissertation war zugleich ihre erste größere wissenschaftliche Arbeit. Wird ihr nun der Doktortitel aberkannt, ist der höchste Abschluss der Bildungsministerin ihr Abitur.

Erinnerung an Guttenberg

Der Fakultätsrat mit 15 stimmberechtigten Mitgliedern kann ein Entziehungsverfahren ablehnen und die Untersuchung damit beenden. Das Gremium kann das Verfahren aber auch eröffnen. Dann würden die Plagiatsvorwürfe gegen Schavan weiter geprüft. Am Ende könnte sich das Gremium immer noch gegen einen Entzug des Doktortitels entscheiden. Sollte der Rat aber für die Aberkennung stimmen, hätte Schavan die Möglichkeit, innerhalb eines Monats vor dem Verwaltungsgericht dagegen zu klagen.

Die Plagiatsvorwürfe waren Ende April 2012 anonym auf einer Internetplattform erhoben worden. Schavan werden fehlende Quellennachweise und die Vernachlässigung wissenschaftlicher Standards vorgeworfen. Die Ministerin und enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einen Täuschungsversuch mehrmals zurückgewiesen.

Die CDU-Spitze um Merkel will an Schavan unbedingt festhalten. Doch die Schwesterpartei CSU hat sie bereits daran erinnert, dass vor knapp zwei Jahren der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg nach der Aberkennung seines Doktortitels als Verteidigungsminister zurücktrat - Schavan hatte sich zuvor öffentlich von Guttenberg distanziert, indem sie sagte, sie schäme sich "nicht nur heimlich" für ihren Kabinettskollegen.

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Quelle: n-tv.de

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