Politik

Promotionsausschuss wird einberufen: Uni prüft Chatzimarkakis' Arbeit

Der FDP-Europaabgeordnete Chatzimarkakis bittet seine Universität, seine Doktorarbeit auf zu überprüfen. Diese will nun den Promotionsausschuss einberufen. Unterstützung bekommt der Politiker aus den eigenen Reihen: Sein Fraktionskollege Lambsdorff lobt ihn als "mutigen Querdenker".

Chatzimarkakis promovierte über "informationellen Globalismus".
Chatzimarkakis promovierte über "informationellen Globalismus".(Foto: dpa)

Der wegen Plagiatsvorwürfen nun ebenfalls in die Kritik geratene FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis hat die Universität Bonn um die Überprüfung seiner Doktorarbeit gebeten. Der Politiker habe den Dekan der philosophischen Fakultät am vergangenen Wochenende gebeten, die Arbeit darauf zu überprüfen, ob sie den Ansprüchen der Universität Bonn an gutes wissenschaftliches Arbeiten genüge, teilte die Hochschule mit. Sobald die nötigen Unterlagen vorliegen, soll der für die Überprüfung zuständige Promotionsausschuss einberufen werden.

In seiner Bitte um Überprüfung an den Dekan, Prof. Günther Schulz, erklärte Chatzimarkakis, die jüngsten Debatten über Doktorarbeiten deutscher Politiker hätten ihn zu dem Schritt veranlasst. Der FDP-Politiker hatte seine politikwissenschaftliche Doktorarbeit im Jahr 2000 vorgelegt. Sie trägt den Titel "Informationeller Globalismus: Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs".

"Raum für Spekulationen"

Chatzimarkakis sieht sich mit Vorwürfen der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" konfrontiert, in mindestens einem Fünftel seiner Doktorarbeit gebe es abgeschriebene Stellen. Chatzimarkakis selbst räumte auf seiner Internetseite ein, er habe bei seiner Dissertation verschiedene "Zitierweisen" verwendet, was "Raum für Spekulationen" schaffe. Er habe die Universität Bonn und seine damaligen Professoren auf sein Vorgehen "explizit hingewiesen".

Unterdessen erhielt Chatzimarkakis Rückendecklung von seinem Fraktionskollegen im Europaparlament, Alexander Graf Lambsdorff. Dieser forderte: "Schluss mit dem Pranger im Netz". Chatzimarkakis habe es als "kreativer Kopf und mutiger Querdenker" mit Sicherheit "nicht nötig gehabt, Textstellen anderer Autoren zu übernehmen, um Ideen zu produzieren", erklärte Lambsdorff.

Erst vergangene Woche hatte die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin wegen einer Plagiatsaffäre ihre Posten als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und Vizepräsidentin des Europaparlaments niedergelegt. Vor zwei Monaten war Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von der CSU zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass er große Teile seiner Doktorarbeit ohne Nennung von Quellen abgeschrieben hatte.

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Quelle: n-tv.de

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