Dienstag, 10. Mai 2011
Plagiatsaffäre um Koch-Mehrin: Uni will Doktortitel aberkennen
Der FDP-Politikerin Koch-Mehrin droht der Verlust ihres Doktortitels. Nach Medienberichten leitet die Universität Heidelberg ein förmliches Aberkennungsverfahren ein und wartet nun auf eine Stellungnahme der Europaabgeordneten. Grund sind Plagiatsvorwürfe gegen Koch-Mehrin. Die FDP-Spitzenpolitikerin schweigt aber nach wie vor.Der FDP-Spitzenpolitikern Silvana Koch-Mehrin soll nach einem Zeitungsbericht der Doktortitel wegen Plagiierens aberkannt werden. Die Universität Heidelberg prüft die Vorwürfe zwar noch, doch der "Tagesspiegel" berichtet unter Berufung auf Universitätskreise, der Titel solle ihr entzogen werden. Grund seien mehrere Plagiate in ihrer Doktorarbeit. Die Politikerin gehört als Präsidiumsmitglied auch der engeren Führungsspitze der Partei an.
Die Universität betonte in einer Mitteilung, die n-tv.de vorliegt, dass das Prüfverfahren nach wie vor laufe. Der Vorsitzende des zuständigen Promotionsausschusses und Dekan der Philosophischen Fakultät, Professor Manfred Berg, erklärte, die Promotionsordnung sehe zunächst die Möglichkeit einer Stellungnahme von Koch-Mehrin vor, erst danach komme es zu einer Bewertung der Plagiatsvorwürfe. "Eine Entscheidung in der Sache werde es nicht vor Ende Mai, Anfang Juni geben."
Koch-Mehrin schweigt bislang zu den Vorwürfen. Auch gegenüber dem "Tagesspiegel" hieß es: "Kein Kommentar." Auch die FDP-Führung hält sich bisher bedeckt, es gibt kein öffentliches Abrücken von der Vizepräsidentin des Europaparlaments. Die Opposition kritisiert, Koch-Mehrin wolle das Thema aussitzen.
Im Internet dokumentiert
Einer Untersuchung der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" zufolge hat Koch-Mehrin in ihrer Doktorarbeit gezielt abgeschrieben. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden auf 63 von 201 Textseiten Plagiatsstellen nachgewiesen. Bei den angeblich kopierten Quellen handele "es sich auffallend häufig um Artikel aus Handbüchern der Wirtschaftswissenschaft und der Wirtschafts- und Sozialgeschichte".
Koch-Mehrin hatte ihre Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" bei der Universität Heidelberg eingereicht und 2001 veröffentlicht. Die einstige FDP-Hoffnungsträgerin, die von dem scheidenden Parteichef Guido Westerwelle entdeckt und gefördert wurde, steht nun massiv unter Druck.
Wegen Plagiierens hat bereits Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Doktortitel abgeben und zurücktreten müssen. Die Universität Bayreuth hatte nach einer Untersuchung festgestellt, dass der CSU-Politiker beim Abfassen seiner Arbeit absichtlich getäuscht habe. Guttenberg war wegen der Affäre im März von seinem Ministeramt zurückgetreten, hatte den Vorwurf der bewussten Täuschung jedoch zurückgewiesen.
tis/rts/AFP
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