Mittwoch, 21. April 2010
"Ossifizierung" der Bundeswehr: Unterschichtenarmee möglich
Immer mehr Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr kommen aus Ostdeutschland. Das hat seine Ursache in ökonomischen Zwängen - und schlägt sich auch in den Opferzahlen nieder. Historiker Wolffsohn: "Die lebensgefährlichen, tödlichen Dienstleistungen sind den Unterschichten vorbehalten."
Särge mit drei in Afghanistan gefallenen Soldaten aus Ostdeutschland 2009 auf dem Flughafen in Leipzig.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
In der Bundeswehr leisten nach Informationen der "Thüringer Allgemeine" überdurchschnittlich viele Soldatinnen und Soldaten aus den neuen Ländern Auslandsdienst. Das schlage sich auch in den Opferzahlen in Afghanistan nieder, berichtete die in Erfurt erscheinende Zeitung. Nach ihren Angaben schnellte im vergangenen Jahr der Ost-Anteil der Soldaten im Auslandseinsatz auf 49 Prozent, 2008 sei nur ein Drittel der 5836 Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen aus den neuen Ländern gekommen.
Bis 2009 waren demnach 13 der 35 Afghanistan-Toten Soldaten aus den neuen Ländern. Zum Vergleich: Ostdeutsche machen etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.
Der Historiker Michael Wolffsohn sprach gegenüber der Zeitung von einer "Ossifizierung" der Bundeswehr. Dies hänge eng mit der ökonomischen Situation in Ostdeutschland zusammen, sagte der Wissenschaftler von der Bundeswehr-Universität München.
Nach seinen Worten entwickelt sich die deutsche Armee zu einer "Unterschichtenarmee": "Die lebensgefährlichen, tödlichen Dienstleistungen sind den Unterschichten vorbehalten. Ich halte das für einen Skandal". Laut Verteidigungsministerium wuchs der Anteil der Mannschaftsdienstgrade aus dem Osten auf 62 Prozent - beinahe zwei Drittel – an, doch der Anteil der Stabsoffiziere aus dem Osten sank von 18 auf 16 Prozent.
Dass junge Ostdeutsche länger in der Bundeswehr dienen wollen, sieht der FDP-Abgeordnete Rainer Stinner dagegen als Zeichen für die Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr. "Die steigt, wenn andere Möglichkeiten nicht gegeben sind. Das ist nichts Schlechtes", sagte er der "Thüringer Allgemeinen".
AFP
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