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Eine französische Patrouille in den Straßen von Bangui in der zentralafrikanischen Republik.
Eine französische Patrouille in den Straßen von Bangui in der zentralafrikanischen Republik.(Foto: picture alliance / dpa)

Uran, Gold, Diamanten, Mineralien: Deutschland entdeckt Afrika

Von Peter Poprawa

Muss Deutschlands Sicherheit auch in Zentralafrika verteidigt werden? Sicherheitsexperten glauben das. Damit könnte der Staat zum Testgebiet auch für eine deutsch-französische Zusammenarbeit werden - militärisch und wirtschaftlich.

Französische Truppen haben in der Zentralafrikanischen Republik mit der Entwaffnung muslimischer Rebellen begonnen.
Französische Truppen haben in der Zentralafrikanischen Republik mit der Entwaffnung muslimischer Rebellen begonnen.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Forderung Frankreichs nach einem stärkeren militärischen Engagement Deutschlands in afrikanischen Krisenregionen wird wohl eines der Themen der Münchner Sicherheitskonferenz werden, die an diesem Freitag in München beginnt. Der Leiter der Konferenz, Wolfgang Ischinger, steht diesen Forderungen aufgeschlossen gegenüber, denn schließlich gehe es dort auch um Deutschlands Sicherheit, sagte Ischinger in Anlehnung an den Afghanistan-Einsatz der "Passauer Neuen Presse". Dieser Blick nach Afrika sollte nicht nur für die Franzosen selbstverständlich sein. Deutschland sei heute das stärkste und leistungsfähigste Land der EU. Das bedeute Verantwortung, sagte Ischinger.

In der Tat sind die Erwartungen des Auslands an Deutschland ebenso gewachsen wie seine Bedeutung. Viele sprechen bereits von einem Nachholbedarf und "dass man Afrika nicht den Chinesen überlassen dürfe", wie es der frühere deutsche Botschafter in den USA, Ischinger, ausdrückte. Deutschland sollte politisch, wirtschaftlich und, wo nötig, auch militärisch engagieren.

Mit diesem Vorstoß fängt Ischinger die Aussagen von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Außenaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf und bereitet sie für die Münchner Konferenz vor. Von der Leyen und auch Steinmeier hatten am Wochenende gefordert, das wirtschaftliche und militärische Engagement Deutschlands in Krisengebieten auszuweiten Für viele Beobachter steht damit bereits fest: Die Bundesregierung entdeckt Afrika: Nach dem Horn von Afrika, Mali und einer Trainingsmission für Somalia könnte die Bundeswehr damit schon bald auch in der von Unruhen geplagten Zentralafrikanischen Republik eingesetzt werden. Von "Hilfseinsatz" spricht man in diesem Fall. Kleinere Beobachter- und Beratungsmissionen hat die Bundeswehr zudem im Sudan, im Südsudan, im Kongo sowie der Westsahara übernommen.

Damit wird der Kontinent für die deutsche Außenpolitik immer wichtiger, und zwar nicht allein aus wirtschaftlichen Gründen oder wegen seiner reichen Bodenschätze. In Afrika geht es nach Ansicht der deutschen Spitzenpolitiker auch um die Sorge vor verstärkter Zuwanderung und eine Ausbreitung von Extremismus in zusammenbrechenden Staaten.

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Um für solche Gedankenspiele letztendlich auch ein Mandat zu bekommen, ist die Zeit jetzt mit Blick auf die neuen Mehrheitsverhältnisse im Bundestag so günstig wie schon lange nicht mehr. In der vergangenen Legislaturperiode müsste Bundeskanzlerin Angela Merkel schon bei den Euro-Entscheidungen um eine schwarzgelbe Mehrheit kämpfen - das hatte die Lust auf ähnlich knappe Abstimmungen bei Bundestagsmandaten für Auslandseinsätze der Bundeswehr in den vergangenen vier Jahren spürbar gebremst. Jetzt können sich die drei Parteichefs von CDU, SPD und CSU mit der großen schwarz-roten Mehrheit aber viele Abweichler leisten.

China seit Jahren im Kaufrausch

Ohnehin ist Deutschland schon spät dran, wenn man zum Vergleich das Engagement Chinas in Afrika heranzieht. Seit Anfang der 90er Jahre sind die Chinesen in einem regelrechten Kaufrausch. Das gilt besonders für Rohstoffe. Seit Jahren gehen sie strategisch vor und engagieren sich deshalb in Ländern, die diese Rohstoffe haben. Gleichzeitig bauen sie Schulen, Krankenhäuser und Stadien für das gemeine Volk. Für Deutschland war eine solche Politik bislang unvorstellbar. Schnell machte der Begriff des Neokolonialismus die Runde, der nicht mit dem deutschen liberalen System vereinbar schien. Wenn sich Deutschland jetzt gemeinsam mit Frankreich zum Beispiel in Zentralafrika engagieren würde, könnte man hingegen von einer europäischen und nicht vor einer deutschen Rohstoffpolitik sprechen.

Zentralafrika könnte zum Testgebiet für eine solche Zusammenarbeit werden. Denn, wenn Afrika das Armenhaus der Welt ist, dann zählt die Zentralafrikanische Republik zu seinen ärmsten Bewohnern: Der Binnenstaat nördlich vom Kongo ist zwar fast doppelt so groß wie Deutschland, besitzt aber so gut wie keine Infrastruktur. 60 Prozent der Einwohner können nicht lesen oder schreiben. Selbst die Entwicklungshelfer hätten das Land vergessen, kritisieren Experten. Zudem machen unruhige Nachbarstaaten wie der Sudan oder der Tschad den Zentralafrikanern das Leben schwer. Doch die frühere französische Kolonie verfügt über wirtschaftliches Potenzial: So gibt es Gold, Diamanten, Uran, Holz, Kaffee und zahlreiche andere Rohstoffe. Allerdings rangiert das Land mit einem Handelsvolumen von nur etwa fünf Millionen Euro im Jahr 2012 gerade einmal an 175. Stelle der deutschen Handelspartner.

Frankreich hat bereits ein Auge auf die Uran-Vorkommen geworfen, denn die Franzosen beziehen einen Großteil ihrer Energie aus Atomkraftwerken und sind daher stark von Uran-Lieferungen abhängig. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover schätzt die Vorkommen in der Zentralafrikanischen Republik auf 12.000 Tonnen. Ein Abbau findet jedoch nicht statt. Gold und Diamanten dagegen werden schon seit Jahrzehnten im Kleinbergbau zu Tage gefördert. Darüber hinaus werden weitere mineralische Rohstoffe in dem Land vermutet - darunter Kupfer, Graphit, Eisenerz, Kaolin, Braunkohle, Kalkstein, Mangan, Quarz, Salz und Zinn. Eine industrielle Ausbeutung wurde bisher nur bei Gold, Diamanten und Eisenerz versucht. Die Zentralafrikanische Republik ist allerdings auch bei weitem noch nicht vollständig erkundet.

Bereits auf dem EU-Gipfel im Dezember, als Frankreich eine Europäisierung seines Militäreinsatzes in der Zentralafrikanischen Republik forderte, skizzierte Kanzlerin Merkel die neue Linie, die nun auch von der Leyen beschrieb: "Europa kommt im Spiel der globalen Kräfte nicht voran, wenn die einen sich immer dezent zurückhalten, wenn es um militärische Einsätze geht, und die anderen unabgestimmt nach vorne stürmen", mahnte sie. Das war sowohl an die Franzosen mit ihren nicht abgestimmten Einsätzen in Mali und Zentralafrika gerichtet als auch an die bislang zögerlichen Deutschen. Zugleich unterstrich die Ministerin, dass für einen Einsatz in Zentralafrika ein Bundestagsmandat notwendig sei. Im neuen Bundestag scheint nichts leichter als das.

Quelle: n-tv.de

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