Politik
Yanis Varoufakis.
Yanis Varoufakis.(Foto: AP)

"Das klingt utopisch": Varoufakis will Europa retten

Von Jan Gänger

Yanis Varoufakis ist wieder da. Sein Plan ist ambitioniert: Der griechische Ex-Finanzminister will mit Mitstreitern aus ganz Europa die EU grundlegend reformieren und so vor dem Zerfall bewahren.

Yanis Varoufakis hat viel vor. Der ehemalige griechische Finanzminister will nicht weniger als die Europäische Union zu demokratisieren. Gelingen soll das mit einem grenzüberschreitenden Netzwerk, das er mit Mitstreitern in Berlin am Abend aus der Taufe hebt. "Democracy in Europe Movement" heißt das Projekt, das den "Zerfall Europas" stoppen soll.

Die EU-Institutionen hätten versagt, sagt Varoufakis mit Blick auf die Euro- und die Flüchtlingskrise und warnt vor einem neuen Nationalismus in Europa und einer Situation wie in den 1930er Jahren. Die EU habe ein Legitimationsdefizit, so Varoufakis. Das "Demos" (Griechisch für Volk) solle in dem Wort "Demokratie" (Volksherrschaft) wieder auftauchen. Es gehe darum, die Rückkehr zu Nationalstaaten und zu neuen Mauern zu verhindern – und darum, die EU-Institutionen zu reformieren, den Prozess der Entscheidungsfindungen transparent zu machen.

Sein Auftritt auf der mit Journalisten, Kamerateams und Fotografen aus ganz Europa übervollen Pressekonferenz im Theater "Volksbühne" zeigt: Varoufakis ist sich treu geblieben – und ist noch immer der Rockstar, der er auch als Finanzminister war.

Als er im Juli vergangenen Jahres nach dem Referendum zurücktrat, verließ er das Finanzministerium im Zentrum Athens stilecht. Umlagert von einer Meute aus Journalisten schwang er sich auf sein Motorrad, seine Frau nahm hinter ihm Platz. Helm auf, Gas geben – und röhrend auf der Hauptachse am Syntagma-Platz in Richtung Horizont düsen. "Varoufakis!", "Varoufakis!" skandierten viele Athener.

Es ist so, als wäre er direkt in die Hauptstadt des mächtigsten EU-Landes gerast. Locker, charmant, umringt von Journalisten, große Ziele vor Augen, die gleichen Gegner vor der Brust. Darunter Brüssels Bürokraten und Lobbyisten, die Troika, die Eurogruppe, Banker sowie Regierungen, die "grausame Ungleichheit anheizen, indem sie einen selbstzerstörerischen Sparkurs durchsetzen".

Viel Feind, viel Ehr' mag er sich denken. Oder: Wer nicht kämpft, hat schon verloren. "Natürlich kann diese Bewegung scheitern", sagt Varoufakis. Sie sei aber der Grund, warum er morgens energiegeladen aufwache. So ambitioniert die Ziele auch sind, er will sie erreichen. "Wir starten heute Abend", sagt der ehemalige Finanzminister. Der Erfolg hänge davon ab, wie viele Menschen bei dem Projekt mitmachen.

In der EU sei jedes Land auf den eigenen Vorteil bedacht, kritisiert Varoufakis. Die Lösung sei eine Demokratisierung der europäischen Institutionen sowie mehr Transparenz. Es gehe ihm nicht darum, eine neue Partei zu gründen aus einem bestimmten Land heraus. Vielmehr gehe es um eine grenzüberschreitende Bewegung, die allen demokratischen Kräften offen stehe - Linken, Grünen, Sozialisten und Liberalen.

"Das klingt utopisch", sagt Varoufakis. "Aber was ist die Alternative? Zu glauben, Europa könne so weitermachen wie bisher, ist viel utopischer."

Quelle: n-tv.de

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