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Der umstrittene Yanis Varoufakis wird Stück für Stück entmachtet.
Der umstrittene Yanis Varoufakis wird Stück für Stück entmachtet.(Foto: dpa)

Personalkarussell in Athen: Varoufakis wird degradiert

Nach der verbalen Klassenkeile der Europa-Partner für Yanis Varoufakis spricht Griechenlands Regierungschef Tsipras seinem Finanzminister erst öffentlich sein Vertrauen aus - um ihm dann einen Aufpasser an die Seite zu stellen.

Der umstrittene Finanzminister Yanis Varoufakis wird künftig in den Verhandlungen mit den Geldgebern nicht mehr in der vordersten Reihe mitspielen. Als Koordinator soll künftig Vize-Außenminister Euclid Tsakalotos fungieren, wie Regierungsvertreter in Athen sagten. Der Ökonom gilt als umgänglicher als Varoufakis, der vom Euro-Finanzministertreffen in Riga mit leeren Händen nach Hause zurückkehrte. In der Folge war der Ruf nach seinem Rücktritt lauter geworden. Mit dem Schachzug von Regierungschef Alexis Tsipras wird Varoufakis aus der Schusslinie genommen.

In Athen wurde die Degradierung mit "mangelnder Substanz und dem persönlichen Charakter" begründet. Zu einer Entlassung Varoufakis', über die in den Medien bereits spekuliert worden war, kam es aber nicht. Ein Regierungsmitarbeiter sagte, Tsipras habe Varoufakis bei der Kabinettssitzung am Sonntag das Vertrauen ausgesprochen.

Die Zeit drängt für das klamme Land: In einer Reuters-Umfrage unter Geldmarkthändlern taxieren diese die Wahrscheinlichkeit auf 40 Prozent, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen wird. Im Fachjargon der Ökonome  wird dieses Szenario als "Grexit" bezeichnet. EZB-Vizechef Vitor Constancio geht jedoch davon aus, dass es nicht so weit kommen wird. Er äußerte sich in Brüssel zuversichtlich, dass eine Einigung mit Griechenland gelingen werde. Derzeit sind die Verhandlungen jedoch festgefahren.

Frust und Geduld in Berlin

Die Bundesregierung rechnet kurzfristig nicht mit einem Sondertreffen der Euro-Gruppe. Diese habe am Freitag in Riga keine Fortschritte erzielt, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Jäger. Er wisse daher nicht, worüber die Gruppe nun diskutieren sollte. Das nächste reguläre Treffen sei für den 11. Mai geplant. Momentan liege der Ball im Spielfeld von Griechenland. "Wir warten auf Vorschläge, wir warten seit einigen Wochen. Das ist einigermaßen frustrierend, aber wir sind geduldig", sagte Jäger. Derzeit sei man noch weit von einem umfassenden Gesamtvorschlag entfernt.

Athen will vom vereinbarten Sparkurs abweichen. Ohne Einigung mit den Geldgebern droht dem Land die Pleite. Griechenland war 2010 an den Rand einer Pleite geraten und wird seitdem mit Hilfen von 240 Milliarden Euro gestützt. Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos kündigte derweil in einem Interview mit Spiegel online an, Griechenland werde seine Staatsschulden "bis zum letzten Euro zurückzahlen".

Quelle: n-tv.de

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