Gier der Banker am PrangerVeranstaltungen zum 1. Mai
"Sie fahren den Laden gegen die Wand und wollen dafür auch noch belohnt werden", kritisierte Gewerkschaftschef Schmoldt mit Blick auf Boni-Forderungen von Investmentbankern.
Forderungen nach dem Erhalt von Arbeitsplätzen in der Wirtschaftskrise und nach Änderungen am Gesellschaftssystem haben die Gewerkschaftskundgebungen zum 1. Mai dominiert. "In den Betrieben kämpfen wir jetzt um jeden Arbeitsplatz, das ist das Gebot der Stunde", sagte der Chef der IG Metall, Bertold Huber, in Saarbrücken. Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Metall, Hubertus Schmoldt, forderte in Hannover: "Wir wollen diese Krise ohne Entlassungen durchstehen." In diesem Ziel seien sich alle Gewerkschaften einig.
An den traditionellen Kundgebungen zum 1. Mai nahmen bei strahlendem Sonnenschein nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bis zum frühen Nachmittag fast 500.000 Menschen teil. "Der 1. Mai ist heute mit Sicherheit kein Feiertag. Es ist ein Kampftag im Kampf gegen die Krise", sagte DGB-Chef Michael Sommer auf der zentralen Kundgebung in Bremen. Er forderte ein neues Gesellschaftssystem und einen größeren Beitrag der Wohlhabenden zur Bewältigung der Schwierigkeiten. Am Rande der Kundgebung erneuerte Sommer seine Warnung vor sozialen Unruhen. "Wenn keine Lehren aus dieser Krise gezogen werden, dann wird es zu sozialen Zuspitzungen und möglicherweise auch zu Unruhen kommen."
IG-Metall-Chef Huber verlangte den Wechsel hin zu einer sozialen Demokratie: "Ungezügeltes Profitstreben und ungebändigte Märkte führen die Menschen in eine soziale und ökologische Katastrophe." Dadurch werde der soziale Zusammenhalt zerstört. Alle Gewerkschafter geißelten die Milliardenhilfen für den Bankensektor als einseitig und forderten ähnliche Hilfen für die Industrie.
Mai-Veranstaltungen weltweit
Aber nicht nur in Deutschland, weltweit haben zigtausende Menschen den Tag der Arbeit gefeiert. Die Kundgebungen zum 1. Mai verliefen mit wenigen Ausnahmen friedlich. In Istanbul kam es zwischen der Polizei und linken Demonstranten zu Straßenschlachten. In Russland wurden zahlreiche Oppositionsanhänger auf Kundgebungen gegen die Anti-Krisen-Politik des Kremls festgenommen. Kundgebungen in Georgien, dem Irak, Nepal oder Indonesien etwa verliefen ohne Zwischenfälle. In Argentinien waren schon am 30. April mehrere Tausend Menschen zur Feier des 1. Mai auf die Straßen gegangen.
Verletzte in Istanbul
Mindestens acht Menschen wurden bei Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten in Istanbul verletzt. Die linken Demonstranten hatten die Polizisten mit Steinen und Molotow-Cocktails beworfen, anschließend setzten die Sicherheitskräfte Wasserwerfer und Tränengas ein. Die Demonstranten hatten versucht, zum zentrale Taksim-Platz zu gelangen, wo sich mehrere Tausend Angehörige von Gewerkschaften zu einer 1. Mai-Kundgebung versammelt hatten. Über eventuelle Festnahmen lagen keine Angaben vor.
Proteste gegen Sarkozy-Politik
In Paris und zahlreichen anderen französischen Städten protestierten am 1. Mai zehntausende Menschen gegen die Politik von Präsident Nicolas Sarkozy. Die großen Gewerkschaften Frankreichs hatten erstmals in der Geschichte gemeinsam zu Großkundgebungen und Protestmärschen aufgerufen. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen die ihrer Ansicht nach verfehlte Wirtschaftspolitik der Regierung. Diese tue in der Krise zu wenig für den Erhalt von Arbeitsplätzen und habe nichts für eine Stärkung der Kaufkraft unternommen.
Ruhiger Verlauf in Manila
Fast 7000 Soldaten sicherten am Freitag die Kundgebungen von etwa 8000 Menschen in der philippinischen Hauptstadt Manila. Die Demonstranten, die sich an verschiedenen Plätzen versammelt hatten, übten Kritik an der Politik von Präsidentin Gloria Macapagal. Redner warfen ihr vor, wenig zum Schutz der Arbeiter und gegen die Korruption im Lande unternommen zu haben. Die Veranstaltungen verliefen ohne Zwischenfälle.
Hunderte Festnahmen in Russland
In der russischen Metropole St. Petersburg wurden am Freitag etwa 200 Anhänger anarchistischer und antifaschistischer Organisationen in Gewahrsam genommen, wie der Radiosender "Echo Moskwy" berichtete. Auch in Moskau gab es Festnahmen. Landesweit beteiligten sich mehrere hunderttausend Menschen an den rund 800 Kundgebungen der regierungsnahen Gewerkschaften wie auch der Opposition. Bei einer der größten Veranstaltungen ging Kommunistenchef Gennadi Sjuganow in Moskau vor etwa 30 000 Anhängern mit der Regierung von Wladimir Putin hart ins Gericht. Die Kundgebungen in Russland wurden von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet.
In Russland hat der 1. Mai längst nicht mehr den Stellenwert wie zu Sowjetzeiten. Zum "Feiertag der Solidarität der Werktätigen" marschierten früher auf Anweisung der Kommunistischen Partei Millionen von Menschen in allen größeren Städten unter roten Fahnen an Funktionärstribünen vorüber. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der 1. Mai in Russland in "Tag des Frühlings und der Arbeit" umbenannt.