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Die Turnhalle in Nauen brannte im August 2015 nieder - nun wird gegen Rechtsextreme ermittelt.
Die Turnhalle in Nauen brannte im August 2015 nieder - nun wird gegen Rechtsextreme ermittelt.(Foto: AP)

"Eine Art rechte Stadtguerilla": Verübte Neonazi-Zelle Anschlag in Nauen?

Mitte 2015 geht im brandenburgischen Nauen eine geplante Unterkunft für Asylbewerber in Flammen auf. Nun wird gegen eine Gruppe von Rechtsextremen ermittelt, darunter ein NPD-Funktionär. Es soll nicht ihre einzige Tat gewesen sein.

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Ein halbes Jahr nach dem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Nauen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine organisierte Gruppe von Rechtsextremen, darunter auch einen örtlichen NPD-Politiker. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter von der SPD erklärte, beim schwersten Anschlag dieser Art in dem Bundesland seit 20 Jahren erhärte sich der Verdacht auf eine rechtsextreme "Stadtguerilla". Er warnte rechte Täter, die Polizei werde derartige Taten konsequent aufklären.

Bei dem NPD-Politiker handelt es sich laut den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" um den 29-jährigen Maik S. Er soll Kopf einer nach bisherigem Ermittlungsstand sechs Mitglieder zählenden rechtsextremen Zelle namens "Freie Kräfte Neuruppin/Osthavelland" sein. Demnach befinden sich der "dringend Tatverdächtige" S. und ein weiteres Gruppenmitglied seit Anfang der Woche in Untersuchungshaft. Andere Mitglieder der Gruppe seien untergetaucht oder ihre Haftbefehle ausgesetzt worden.

Innenminister Schröter erklärte, die Behörden hätten hinter der Häufung fremdenfeindlicher Straftaten in Nauen schon zuvor "eine Art rechte Stadtguerilla" vermutet. Er hoffe, dass der Gruppe um den NPD-Stadtverordneten nun "eine Vielzahl von Straftaten" nachgewiesen werden könne. Schröter betonte, der Ermittlungserfolg sei Ergebnis "hartnäckiger" Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Angriffe auf Linkspartei

Die Polizei werde bei derartigen Straftaten auch künftig "mit langem Atem alle Register ziehen" und Rechtsextremen "auf den Fersen bleiben", sagte Schröter. Wer wie in Nauen Sporthallen anzünde, der sei "kein Asylkritiker, sondern ein Verbrecher". Den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" zufolge schließt die Staatsanwaltschaft nicht aus, dass die bisherigen Ermittlungen gegen eine "kriminelle" Vereinigung auf Ermittlungen gegen eine "terroristische" Vereinigung ausgeweitet würden.

Die Bundesanwaltschaft wird den Fall allerdings nicht an sich ziehen, berichtete der RBB. Der Generalbundesanwalt sehe in den Beschuldigten keine terroristische Vereinigung, teilte ein Behördensprecher mit. Die Taten hätten nach bisherigem Sachstand "nicht das Gewicht" und würden den "Staat nicht erheblich schädigen", wurde der Sprecher zitiert.

Die Gruppe um Maik S. wird demnach neben dem Brandanschlag auf die Asylunterkunft auch hinter einem Brandanschlag auf das Auto eines Politiker-Paares der Nauener Linkspartei vermutet. Auch das örtliche Parteibüro der Linken sei wiederholt Ziel von Angriffen geworden. Zudem soll die Zelle einen in der Flüchtlingshilfe engagierten Jugendverein schriftlich bedroht haben und in der Stadt Flugblätter verteilt haben, auf denen zum "absoluten Widerstand" gegen eine "Invasion der Ausländer" aufgerufen wird. Dazu hätte das Schreiben Tipps zum Bau von Molotow-Cocktails und Rohrbomben enthalten.

Bei dem Brandanschlag im August 2015 brannte die Sporthalle einer Schule nieder, in der wenig später 100 Asylbewerber hätten einziehen sollen. Verletzt wurde bei dem schnell als Anschlag verdächtigten Brand niemand.

Quelle: n-tv.de

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