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Asylsuchende stoßen bei der Mehrheit der Deutschen weiterhin auf Ablehnung.
Asylsuchende stoßen bei der Mehrheit der Deutschen weiterhin auf Ablehnung.(Foto: picture alliance / dpa)

Jeder Fünfte ausländerfeindlich: Viele Deutsche lehnen Asylbewerber ab

Dank der besseren Wirtschaftslage sind immer weniger Deutsche von rechtsextremen Aussagen überzeugt. Gleichzeitig bleibt die Diskriminierung gegen Asylsuchende, Muslime sowie Sinti und Roma bestehen - und findet eine breite Mehrheit in der Gesellschaft.

Rechtsextreme Positionen sind keineswegs ausschließlich bei Anhängern der NPD zu finden.
Rechtsextreme Positionen sind keineswegs ausschließlich bei Anhängern der NPD zu finden.(Foto: picture alliance / dpa)

Rechtsextreme Meinungen finden sich in Deutschland mittlerweile deutlich seltener als noch vor zwölf Jahren. Im Vergleich zu früheren Untersuchungen sank der Anteil der Menschen mit rechtsextremem Weltbild von 9,7 Prozent im Jahr 2002 auf aktuell 5,6 Prozent, wie eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Leipzig ergab.

Allerdings lehnen demnach viele der Befragten bestimmte gesellschaftliche Gruppen wie Asylsuchende oder Muslime weiterhin ab. 73,5 Prozent der Westdeutschen und 84,7 Prozent der Ostdeutschen äußerten sich abwertend über Asylbewerber. Auch Sinti und Roma sowie Muslime werden von fast der Hälfte der Befragten abgelehnt. Jeder Fünfte in Deutschland ist laut der Studie ausländerfeindlich, 13,6 Prozent der Befragten teilen chauvinistische Einstellungen und 5 Prozent denken antisemitisch.

"Nicht Migrantinnen und Migranten im Allgemeinen werden abgelehnt, viele Deutsche denken nun: Die bringen uns was", erläuterte Oliver Decker, ein Mitverfasser der Studie. "Aber jene, die die Phantasie auslösen, sie seien grundlegend anders oder hätten ein gutes Leben ohne Arbeit, die ziehen die Wut auf sich."

Wirtschaftliche Lage stabilisiert Mitte der Gesellschaft

Übersteigerten Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit trafen die Wissenschaftler weiterhin häufiger in Ostdeutschland an als im Westen. So waren 28,7 Prozent der Ostdeutschen der Meinung, Deutschland solle sich endlich wieder Macht und Geltung verschaffen. Im Westen stimmten dem 19,5 Prozent zu. Wo - wie im Osten - weniger Migranten lebten, sei die Diskriminierung von Ausländern stärker verbreitet, so Elmar Brähler, der ebenfalls der Arbeitsgruppe angehört.

Der Studie zufolge sind rechtsextreme Positionen bei Anhängern aller politischer Parteien nachweisbar - auch die Wählerschaft der großen Parteien Union und SPD sei davon nicht ausgenommen. "Es fällt allerdings auf, dass die stärkste Anziehungskraft bei den Wählern mit einer ausländerfeindlichen, antisemitischen und chauvinistischen Einstellung neben den rechtsextremen Parteien die AfD hat", erklärte der Sozialwissenschaftler Johannes Kiess, der seit 2008 an der Studie mitarbeitet.

Der Diplompsychologe Decker wies angesichts des allgemeinen Rückgangs rechtsextremer Meinungen darauf hin, dass sich Deutschland "bildlich gesprochen in einer Insellage" befinde. "Die wirtschaftliche Gesamtentwicklung ist mit Wirtschaftswachstum und Exportsteigerung so gut wie seit Jahren nicht mehr." Nun sei "auch der Kontrast zu allen anderen Ländern in Europa sehr groß: Das stabilisiert die Mitte der Gesellschaft", so Decker.

Bildung als Waffe gegen rechtsextreme Positionen

Dabei bleibe die Bildung der wichtigste Schutz vor rechtsextremen Einstellungen, unterstrichen die Forscher. Befragte mit Abitur stimmen demnach rechtsextremen Positionen deutlich seltener zu als Menschen mit einem niedrigeren formalen Bildungsabschluss.

So seien beispielsweise 6,8 Prozent der Menschen mit Abitur ausländerfeindlich eingestellt - bei den Befragten ohne Abitur betrage der Anteil der Ausländerfeindlichen 20,8 Prozent.

Seit 2002 untersucht die Arbeitsgruppe um Elmar Brähler und Oliver Decker an der Leipziger Uni rechtsextreme Einstellungen in Deutschland, von 2006 bis 2012 in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Für die sogenannten "Mitte-Studien" nehmen die Forscher im Zwei-Jahres-Rhythmus repräsentative Erhebungen vor.

Quelle: n-tv.de

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