Staatstrauer in InguschetienViele Opfer nach Anschlag
Beim blutigsten Selbstmordanschlag seit Jahren im russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus sind mindestens 20 Menschen getötet und etwa 140 verletzt worden.
Der Täter hatte in der Stadt Nasran mit einem Kleinlaster voller Sprengstoff das Tor eines Polizeiquartiers gerammt und die Bombe gezündet. Dabei gerieten mehrere Gebäude in Brand. In der Polizeistation hatten sich die Beamten gerade zum morgendlichen Appell versammelt. Auch Kinder wurden Opfer des Anschlags.
Der Anschlag auf die Polizeiwache hinterließ Szenen der Verwüstung: In angrenzenden Wohnhäusern gingen Fensterscheiben zu Bruch, Autos wurden umgeworfen, unter einer grauen Staubschicht lagen Trümmer und verkohlte Bäume. Nach Polizeiangaben ereigneten sich nach dem eigentlichen Anschlag noch mehrere kleinere Explosionen, da der Attentäter den Laster in der Nähe des Munitionslagers der Polizei in die Luft gesprengt hatte. Nach ersten Angaben betrug die Sprengkraft der Bombe etwa 50 Kilogramm TNT.
Medwedew verurteilt Attentat
Kremlchef Dmitri Medwedew verurteilte das Attentat und wies das Innenministerium an, die Sicherheitsvorkehrungen in Inguschetien zu verschärfen. Die russische Führung sprach von einem "barbarischen Terrorakt". Menschenrechtler sprachen von einem "monströsen Mordanschlag" gegen Zivilisten. Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte in einem Kondolenzschreiben an Medwedew ihr Mitgefühl aus.
Inguschetiens Präsident Junus-Bek Jewkurow verurteilte die neue Bluttat als Versuch islamistischer Terroristen, die Lage im Nordkaukasus zu destabilisieren. Die Islamisten versuchten, die Region zu destabilisieren, ließ er über seinen Sprecher mitteilten. Die Behörden ordneten eine dreitägige Staatstrauer an.
Medwedew gab den inguschetischen Behörden eine Mitschuld an dem Blutbad und entließ den Innenminister der Teilrepublik. Russische Medien berichteten, dass die Krankenhäuser mit der Vielzahl der Verletzten überfordert seien. So reiche etwa der Vorrat an Blutkonserven nicht aus, hieß es. Die Führung in Moskau entsandte ein Flugzeug und medizinisches Personal in die Konfliktregion, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen.
Gewalt nimmt zu
Die Gewalt im Nordkaukasus hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Erst Ende Juni war der inguschetische Präsident Jewkurow bei einem Selbstmordanschlag lebensgefährlich verletzt worden. Erst vor vier Tagen hatte der Kreml angekündigt, Jewkurow werde in sein Amt zurückkehren. In der vergangenen Woche war zudem der Bauminister Ruslan Amerchanow in seinem Büro erschossen worden.
In Inguschetien und anderen russischen Kaukasus-Republiken kämpfen islamistische Rebellen gegen die Kreml-treuen Behörden und Sicherheitskräfte. Auch in den Teilrepubliken Tschetschenien und Dagestan sterben fast täglich Menschen bei Kämpfen. Zuletzt wurden auch immer wieder ranghohe Regierungsbeamte und Menschenrechtler Opfer der Gewalt in der Vielvölkerregion, in der islamistische Extremisten eine Loslösung von Moskau anstreben.