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Alles nochmal von vorn? Fifa-Chef Blatter während der WM-Vergabe an Russland im Jahr 2010.
Alles nochmal von vorn? Fifa-Chef Blatter während der WM-Vergabe an Russland im Jahr 2010.(Foto: REUTERS)

Sanktionen gegen Russland: "WM-Neuvergabe würde Putin mehr treffen"

Mit scharfen Sanktionen will die EU Russland unter Druck setzen. Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs hat seine Zweifel, ob sich Wladimir Putin davon beeindrucken lässt. Er hält eine andere Strafmaßnahme für sinnvoller: Russland die WM 2018 wegzunehmen.

n-tv.de: Die EU will in dieser Woche härtere Sanktionen gegen Russland beschließen. Halten Sie das für sinnvoll?

Michael Fuchs sitzt seit 2002 für die CDU im Bundestag, seit 2009 ist er stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion.
Michael Fuchs sitzt seit 2002 für die CDU im Bundestag, seit 2009 ist er stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion.(Foto: imago/Müller-Stauffenberg)

Michael Fuchs: Sanktionen sind immer ein sehr zweischneidiges Schwert. Sie treffen auch die deutsche Wirtschaft. Allerdings ist das, was in der Ukraine passiert, nicht zu akzeptieren. Deswegen hat ja auch die deutsche Wirtschaft, namentlich BDI-Chef Grillo und DIHK-Chef Schweitzer, geäußert, dass für Sanktionen gegen Russland ein gewisses Verständnis vorhanden sei.

Wie groß sind die Risiken für die deutsche Wirtschaft?

Deutschland hat gute Geschäftsbeziehungen mit Russland. Russland ist unser elftgrößter Exportpartner. Es kann natürlich gut sein, dass diese Exporte zusammenbrechen und damit auch Arbeitsplätze gefährdet sind. Gleichzeitig muss man wissen, dass Sanktionen gegen Russland schwierig sind. Russland hat offene Grenzen mit vielen Ländern. Nehmen wir nur mal China, das sind über 5000 Kilometer. Das, was wir nicht liefern, könnten andere Länder liefern.

Fürchten Sie russische Strafmaßnahmen in Reaktion auf die Sanktionen?

Ich denke nicht. Russland exportiert vor allem Rohstoffe nach Deutschland. Von diesen Exporten hängt die russische Volkswirtschaft ab. Es gibt zwei Unternehmen, Rosneft und Gazprom, die mehr als 50 Prozent zum Budget Russlands beitragen. Wenn die weniger exportieren, würde der russische Staat sofort erhebliche Probleme bekommen.

Glauben Sie, die Sanktionen werden Putin beeindrucken und zur Einsicht bringen?

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Putin hat sich bisher ja durch nichts beeindrucken lassen. Ob das bei den Sanktionen anders ist, wage ich mal zu bezweifeln. Ich könnte mir eher vorstellen, dass es ihn beeindrucken würde, wenn Deutschland und Europa weniger Öl und Gas in Russland kaufen würden. Wir sollten alles daran setzen, unabhängiger von russischem Gas zu werden. Wir importieren momentan ungefähr 40 Prozent unseres Gasbedarfs aus Russland. Das ist in meinen Augen ohnehin ungünstig. Wenn wir das reduzieren, würde Putin das im Haushalt sofort spüren.

Was wären Alternativen zum russischen Gas?

Da gibt es LNG, also Flüssigerdgas, was man aus Katar, Nigeria und demnächst auch aus den USA beziehen kann. Außerdem gibt es die Möglichkeit, den Gasimport aus Norwegen zu erhöhen. Wir müssen auch darüber nachdenken, ob wir Exploration in eigenen Bereichen machen. Deutschland produziert ja 12 Prozent seines Gases selbst, das ließe sich möglicherweise noch intensivieren.

Sie meinen durch Fracking?

Wir sollten uns hier zumindest nicht ohne Not Optionen abschneiden. Daher sollten wir in Deutschland auch nicht die Tür zur Schiefergasförderung ein für alle Mal zuschlagen.

Zurück zu den Sanktionen: Wäre eine Neuvergabe der WM 2018 sinnvoll?

Organisatorisch wäre das sicherlich überhaupt kein Problem, die WM in Europa stattfinden zu lassen. Deutschland hat genügend Stadien, das haben wir ja 2006 bewiesen. Das gilt aber auch für Frankreich, Italien und England. Man könnte überlegen, ob man eine europäische WM organisiert. Aber ich hoffe, dass das nicht notwendig ist und Putin endlich zur Einsicht kommt. So geht man nicht miteinander um. Im 21. Jahrhundert kann man kein anderes Land annektieren, wie Putin das mit der Krim gemacht hat. Wir müssen ihm sehr deutlich machen, dass wir so ein Verhalten nicht akzeptieren.

War es ein Fehler, die Fußball-WM 2018 an Russland zu vergeben?

Zu dem Zeitpunkt, als die WM vergeben wurde, war es sicherlich nicht so fragwürdig wie jetzt. Der Luftraum über Russland ist ja erwiesenermaßen nicht gesichert. Nach dem Abschuss der MH17 sind schon wieder zwei Flugzeuge über der Ukraine abgeschossen worden. Das zeigt: Dort sind Kräfte am Werk, die über Raketen verfügen, die in der Lage sind, hoch fliegende Flugzeuge abzuschießen. In einem Land, in dem der Luftraum nicht gesichert ist, sollte man keine Fußball-WM austragen. Und: Eine Neuvergabe der WM würde den sehr auf Öffentlichkeit bedachten Putin mehr treffen als irgendwelche Sanktionen.

Was lässt Sie da so sicher sein?

Es wäre ein Imageverlust für Russland und damit auch für Putin. Eine WM hat eine enorme Strahlkraft in die Welt hinein. Sollte diese aberkannt werden, würde Putin darüber nachdenken. Aber eigentlich sollte es unser Ziel sein, den Sport aus der Politik herauszuhalten.

Mit Michael Fuchs sprach Christian Rothenberg

Quelle: n-tv.de

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