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Wie effektiv Luftabwehrraketen sein können, beweist Israel immer wieder. Umstritten ist, ob die S-300-Systeme für Syrien auf einem ähnlichen technischen Stand sind.
Wie effektiv Luftabwehrraketen sein können, beweist Israel immer wieder. Umstritten ist, ob die S-300-Systeme für Syrien auf einem ähnlichen technischen Stand sind.(Foto: Reuters)

Russische Luftabwehrraketen für Syrien: Waffenlieferung steht wohl kurz bevor

Schon innerhalb von drei Monaten könnten die ersten S-300-Systeme in Syrien ankommen. Angeblich hat Machthaber Assad schon eine Anzahlung für die russischen Luftabwehrraketen an Moskau überwiesen.

Russland steht kurz davor, Luftabwehrraketen des Typs S-300 an das Regime von Baschar al Assad zu verkaufen. Das berichtet das "Wall Street Journal". Angeblich könnte die erste Lieferung schon innerhalb von drei Monaten in Syrien ankommen. Der Export des Waffensystems nach Syrien könnte das Kräfteverhältnis in der Region laut Experten erheblich verändern. Vor allem die Fähigkeit des Regimes, sich gegen ein internationales Eingreifen in den Bürgerkrieg zu wehren, würde dramatisch steigen.

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Laut dem "Wall Street Journal" hat Israel auf den nahen Abschluss des Waffendeals aufmerksam gemacht und seinen engsten Verbündeten, die USA, gewarnt. Die prüfen nun die Hinweise.

Moskau verweigert eine Auskunft zu dem Geschäft. Auf Anfrage der Zeitung hieß es von der russischen Botschaft in Washington lediglich, dass es nicht üblich sei, Waffentransfers mit anderen Staaten zu kommentieren.

Mehreren Medienberichten zufolge hat Damaskus nach einer grundlegenden Einigung über den Kauf der S-300-Systeme im Jahr 2010 aber schon erste Anzahlzungen überwiesen. Das Volumen des Geschäfts umfasst demnach 900 Millionen US-Dollar. Dafür soll Syrien sechs Abschussbasen mit 144 Raketen bekommen. Mit ihrer Reichweite von bis zu 200 Kilometern könnten die S-300-Raketen Flugzeuge, Marschflugkörper und womöglich auch ballistische Geschosse abfangen. Experten berichteten im "Wall Street Journal", dass eine internationale Intervention angesichts dieses Arsenals deutlich komplizierter werden würde. Auch die "New York Times" kommt zu dem Schluss: Die Systeme würden Syriens Luftabwehr "deutlich verbessern".

Annährung von Washington und Moskau in Gefahr

Sollten Moskau und Damaskus das Geschäft tatsächlich in naher Zukunft abschließen, der Deal käme zur Unzeit zustande. Und das aus zwei Gründen.

Erst vor wenigen Tagen machte Israel deutlich, wo für das Land die "rote Linie" im Syrien-Konflikt liegt. Die Regierung von Benjamin Netanjahu flog Luftangriffe auf Ziele in der Nähe von Damaskus. Angeblich schalteten die israelischen Kampfjets Waffenlieferungen an die mit dem Assad-Regime verbündete und mit Israel verfeindete Hisbollah im Libanon aus. Derartige Angriffe könnten künftig zu einer Eskalation führen, sollte Assad die S-300-Systeme einsetzen, um Israel davon abzuhalten, in den syrischen Luftraum einzudringen. Für Israel ist die Lieferungen gerade jetzt ein Affront sondergleichen.

Ein Test: Auch die Ukraine verfügt über S-300-Systeme.
Ein Test: Auch die Ukraine verfügt über S-300-Systeme.(Foto: REUTERS)

Die Waffenlieferung hat zudem das Potenzial, die jüngste Annäherung zwischen den USA und Russland beim Thema Syrien zunichtezumachen. Mehr als zwei Jahre nach dem Ausbruch des blutigen Bürgerkriegs keimte am Dienstag erstmals vorsichtige Hoffnung auf, doch noch eine Lösung am Verhandlungstisch erzielen zu können. Russland und die USA erklärten sich bereit, möglichst noch in diesem Monat eine internationale Konferenz mit der syrischen Opposition und dem Assad-Regime einzuberufen.

Bisher war an eine gemeinsame Position von Washington und Moskau in dem Konflikt kaum zu denken. Die russische Regierung gab sich stets als Verbündeter des syrischen Präsidenten,  die USA verlangten dessen Sturz. Als UN-Vetomacht blockierte Russland zudem immer wieder Sanktionen gegen Damaskus im Weltsicherheitsrat.

US-Außenminister John Kerry kritisierte prompt den bevorstehenden Rüstungsexport. Er nannte die Lieferung "potenziell destabilisierend" für Israel. An der internationalen Konferenz wollte er indes nicht rütteln. Jetzt über die S-300-Systeme zu sprechen sei kontraproduktiv, sagte er. Die Waffenlieferung werde Thema auf der Konferenz sein.

Syrien begrüßte die Gesprächsrunde, will aber nur teilnehmen, wenn sie in Damaskus stattfindet. Mit ähnlichen Formeln verhinderte das Regime schon wiederholt den Dialog mit der Opposition. Ein echter Fortschritt zeichnete sich ledglich beim Punkt Giftgas ab. Syrien ist nach Angaben von Vize-Außenminister Faisal Mokdad bereit, sofort eine UN-Kommission zur Untersuchung möglicher Angriffe mit Biowaffen zu empfangen. "Wir waren bereit und sind jetzt, in dieser Minute, immer noch bereit, die Delegation zu empfangen", sagte Mokdad. Die von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eingesetzte Untersuchungskommission könne untersuchen, "was sich in Chan al-Assal ereignet hat". Die syrische Armee und die Aufständischen werfen sich gegenseitig den Einsatz von Giftgas in dem Bürgerkrieg vor.

Zweifel an Effizienz des S-300-Systems

Obwohl derzeit eine ganze Reihe von Offiziellen aus den USA und dem nahen Osten vor der Sprengkraft des Waffendeals warnen, ist es nicht Konsens, dass das S-300-System die syrischen Streitkräfte wirklich entscheidend aufwerten würde. Es gibt auch Experten, die den Kauf des russischen Waffensystems relativ gelassen sehen.

Laut Robert Hewson von den Militäranalysten von IHS Jane's ist das System schon länger im Einsatz. "Besonders Israels Freunde verfügen daher über eine Menge Informationen darüber, wie man mit dem System umgeht", sagte er. Die S-300 habe zudem ein charakteristisches Radarsignal, das leicht zu entdecken sei. Damit sei es nicht schwierig, das System auszuschalten. "Es ist keine Wunderwaffe", so Hewson.

Quelle: n-tv.de

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