Politik
Johanna Wanka promovierte 1980 im Fach Mathematik.
Johanna Wanka promovierte 1980 im Fach Mathematik.(Foto: dapd)

Plagiatsjäger kündigt Prüfung an: Wanka kommt als Nächstes dran

Für Martin Heidingsfelder ist es ein Geschäft: Der Gründer der Plattform SchavanPlag Wiki verdient nach eigenen Angaben seit 2011 sein Geld damit, die Doktorarbeiten von Politikern zu überprüfen. Und er hat eine lange Auftragsliste. Natürlich steht jetzt auch die Nachfolgerin von Annette Schavan drauf.

Die Plagiatsjäger haben ein neues Ziel: Nachdem Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ihr Ministeramt wegen des Verlusts ihres Doktortitels aufgeben musste, wollen sie sich die Arbeit ihrer Nachfolgerin genauer anschauen. Der Gründer der Enthüllungs-Plattform SchavanPlag Wiki hat angekündigt, das Werk "Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potentialtheoretischen Mitteln" von der promovierten Mathematikerin Johanna Wanka zu prüfen. Martin Heidingsfelder sagte der "Hamburger Morgenpost": "Das werde ich jetzt natürlich tun".

Der Gründer von SchavanPlag Wiki räumte allerdings ein, dass die Plagiatsprüfung bei Wankas Arbeit aufwendig wird. Grundsätzlich sei die Überprüfung naturwissenschaftlicher Arbeiten immer etwas schwieriger, sagte er. "Da brauchen Sie jemanden aus dem jeweiligen Fach, der einen unterstützt. Ein Einzelplagiatsjäger ist da überfordert." Heidingsfelder machte allerdings nicht den Eindruck, als scheue er hier Kosten oder Mühen. Und vielleicht muss er das auch gar nicht. Die Plagiatsjagd ist für ihn längst ein Geschäft.

Für Fehler in Merkels Arbeit winkt das große Geld

Auf seiner Liste zu prüfender Doktorarbeiten steht auch die von Kanzlerin Angela Merkel. Aus dem Interview mit der "Hamburger Morgenpost" geht hervor, dass Heidingsfelder Geld geboten wurde, falls er dort Fehler findet. In der "Süddeutschen Zeitung" ist von einem fünfstelligen Betrag die Rede.

Laut Heidingsfelder sind die Voruntersuchungen zur Kanzlerinnen-Arbeit schon abgeschlossen, noch mit keinem skandalösen Ergebnis. Er sagt aber: "Das heißt nicht, dass es sich nicht noch lohnen würde, an der einen oder anderen Stelle nochmal weiterzumachen."

Oben auf der Liste stehen Kandidaten für die Bundestagswahl

Es wäre fast schon verwunderlich, wenn dem Plagiatsjäger nicht auch jemand Geld für die Arbeit Wankas bieten würde. Eigenen Angaben zu Folge lebt Heidingsfelder ohnehin schon seit November 2011 von der bezahlten Suche nach Plagiaten. Er bietet seine Dienste auf der Plattform PolitPlag an.  Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er: "Die Anzahl meiner Aufträge ist so groß, dass ich sie derzeit kaum überblicken kann." Sein Credo: "Mich persönlich bekommt man über das Geld – oder über einen interessanten Fall." Mit interessanten Fällen meint er vor allem Kandidaten für die nächste Bundestagswahl.

In den vergangenen Jahren haben schon fünf Politiker von Union und FDP ihren Doktortitel wegen Plagiatsvorwürfen abgeben müssen. Im jüngsten Fall, Schavan, ereilte die Spitzenpolitikerin das Urteil ihrer früheren Universität am vergangenen Dienstag. Keine Woche später trat sie von ihrem Ministeramt zurück.

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Quelle: n-tv.de

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