Politik
Was es vom Goethe-Institut in Papierform gibt, ist jetzt auch als Teil der App verfügbar.
Was es vom Goethe-Institut in Papierform gibt, ist jetzt auch als Teil der App verfügbar.(Foto: rpe)

Eine App namens "Ankommen": Was Deutsche und Flüchtlinge wollen

Von Roland Peters

Während aus der Politik populistische Forderungen über Abschiebungen ertönen, arbeiten andere dafür, dass sich Flüchtlinge schnell in Deutschland zurechtfinden. Eine neue offizielle App erklärt, worauf es ankommt - und was drohen kann.

Im Haus der Bundespressekonferenz geht es pragmatisch zu. "Die Flüchtlinge haben Fragen, sie suchen und brauchen Orientierung. Deshalb haben wir diese App entwickelt." Das sagt Heinrich Alt, Projektkoordinator und ehemaliger Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. Was die Neuankömmlinge auch haben, zwischen 80 und 90 Prozent von ihnen, wenn sie Deutschland erreichen, ist ein Smartphone.

Damit stehen sie dann gefühlt ewig vor den Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge. Was muss als nächstes geschehen, damit ihnen geholfen wird - oder sie sich selbst helfen können? Dafür gibt es nun eine offizielle Antwort in Form einer Software in fünf Sprachen: auf Arabisch, Farsi, Französisch, Englisch und Deutsch.

So sieht ein Teil der "Schritt für Schritt"-Rubrik aus.
So sieht ein Teil der "Schritt für Schritt"-Rubrik aus.(Foto: rpe)

Ankommen in einem neuen, fremden Land ist kein Alltag. Ebenso heißt auch die neue Software, die einen Überblick gibt. Um zu erfahren, was die Flüchtlinge vor allem wissen wollen, wurden Bewohner in Erstaufnahmeeinrichtungen befragt. Daraus entstand im Oktober das Gemeinschaftsprojekt des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), der Arbeitsagentur und des Goethe-Instituts. Herausgekommen sind Antworten über Asyl, Arbeit, Ausbildung, das Leben in Deutschland sowie ein Sprachkurs. "Ankommen" ist in der ersten Version bereits über Googles Playstore verfügbar, für Apple-Geräte wird es noch ein paar Tage dauern.

Dass die Flüchtlinge nicht sofort am Ziel sind, wenn sie in Deutschland ankommen, wird deutlich, wenn sie die App öffnen. Es gibt vieles, was es zu erledigen und zu beachten gilt. Die Software enthält neben den Einzelrubriken auch einen Punkt, der alles miteinander verknüpft. "Intern haben wir das 'die Reise' genannt", sagt Mustafa Isik, der die Entwicklung der App leitet. Absolviert jemand einen Punkt, erhält er eine virtuelle Belohnung, wie ein Achievement bei einer Spielkonsole oder Steam. Isiks Team beim Bayerischen Rundfunk besteht aus 80 Mitarbeitern, innerhalb von sieben Wochen wurde die erste Version Anwendung fertiggestellt.

"Aus dem Stand"

Zahlen über die Kosten nimmt hier niemand in den Mund, alles wurde aus vorhandenen Ressourcen heraus geleistet, betonen die Beteiligten. Der BR beteuert, mit seinem Programmierteam die App "aus dem Stand" heraus entwickelt zu haben. Allerdings sei die Adventszeit dafür draufgegangen: "Ich bin ja Moslem, aber meine Frau ist Christin", sagt Isik mit einem Schmunzeln.

Der Willkommensbildschirm - die App soll abwärts bis Android 4.0.x voll funktionsfähig sein.
Der Willkommensbildschirm - die App soll abwärts bis Android 4.0.x voll funktionsfähig sein.

 Eine der Fragen ist: "Ich will sofort arbeiten. Was muss ich tun?" Die lobende Antwort: "Es ist gut, dass Sie ihr eigenes Geld verdienen wollen." Da klingt an, dass manche etwas anderes von den Neuankömmlingen befürchten. Im Großen und Ganzen ist die App sehr unterstützend. "Wir haben bewusst auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet", sagt Susanne Poelchau vom BR. Stattdessen gibt es kurze Erfahrungsberichte anderer Flüchtlinge. Der Tenor: Die Sprache ist das Wichtigste. Das Goethe-Institut schnitt einen Online-Sprachkurs auf Flüchtlinge ohne jegliche Vorkenntnisse zurecht, heraus kamen zunächst zwei Lektionen. Acht sollen es werden. Die sind sehr praktisch und lebensnah gestaltet - etwa werden Fragen zu einem fiktiven Chatprotokoll gestellt.

Über einhundert Downloads weist der Google Playstore für die App bislang aus, im Schnitt wurde sie mit 4,4 von 5 Sternen bewertet. "Schön, dass Sie vorbeischauen", begrüßt die App den Nutzer. Und auch: "Heute ist ein guter Tag, um Deutsch zu lernen."

Neben Sprachübungen und den Informationen zu den Abläufen eines Asylantrags beim Bamf sind auch Hinweise über den Alltag, Werte und Regeln enthalten, Meinungs- und Religionsfreiheit etwa, und Gleichberechtigung von Mann und Frau. Unter "Zusammenleben" gibt es mehrere Unterpunkte. Aus "aktuellem Anlass" sei "Umgang zwischen Männern und Frauen" hinzugefügt worden, sagt Poelchau. Dort heißt es etwa: "Die Kleidung von Frauen sagt nichts über ihre sexuelle Offenheit aus", oder: "Auch wenn heftig geflirtet wurde, heißt das nicht, dass Männer Anspruch auf mehr haben." Auch wird klar erwähnt, was geschehen kann: "Sie stehen als Asylbewerber unter besonderer Beobachtung. Sie können sich strafbar machen und damit Ihren Asylantrag gefährden."Projektkoordinator Alt schränkt jedoch ein: "Den Ehrgeiz haben wir nicht, kriminelle Elemente aufzuhalten. Dafür sind Polizei und Justiz zuständig."

Die Entwickler wollen die App ständig aktualisieren, damit sie möglichst immer den aktuellen Gesetzesstand wiedergibt - und weiterhin die Fragen beantworten kann, die in Deutschland zu Beginn gestellt werden. Der Vizepräsident des Bamf, Michael Griesbeck, erhofft sich dadurch auch eine Entlastung seiner Behörde, insbesondere bei den ersten Gesprächen mit Flüchtlingen.

Quelle: n-tv.de

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