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Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch könnte an diesem Wochenende ins Europaparlament einziehen.
Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch könnte an diesem Wochenende ins Europaparlament einziehen.(Foto: imago/Gerhard Leber)

AfD-Ikone Beatrix von Storch: Was das Publikum über sie denkt, ist ihr egal

Von Hubertus Volmer

Wo sie steht, ist vorn, sagt sie: Beatrix von Storch ist die wichtigste Frau in der AfD. Und hoch umstritten. Dennoch wird sie wohl ab Montag im Europaparlament sitzen.

Eigentlich soll die Versammlung gleich beginnen. Rund 30 Menschen sind in die Gaststätte in Zeuthen am Rande von Berlin gekommen. Sie wollen die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hören. Doch die nimmt sich Zeit. Denn das Interview, das nur ein paar Minuten dauern sollte, ist zu einem Streitgespräch geworden.

Zuerst war es um Putin gegangen, dann um ihr Familienbild. Die Frage nervt sie, ihr Schwerpunkt sei schließlich der Euro. Richtig in Fahrt kommt sie jedoch bei einem ganz anderen Thema: Gender Mainstreaming, dieses politische Konzept zur Gleichstellung von Mann und Frau. Sie formuliert es nicht so, aber man bekommt das Gefühl, dass sie den Untergang des Abendlandes aufziehen sieht. Mindestens. Um Gleichstellung gehe es bei Gender Mainstreaming gar nicht. Letztlich gehe es dabei um die "Leugnung der biologischen Geschlechter".

Widerspruch beflügelt Beatrix von Storch. Bei der Autorisierung des Interviews fügt sie sie folgende Sätze ein: "Im Personenstandsregister ist das dritte Geschlecht formell bereits eingeführt. Neben 'männlich' und 'weiblich' gibt es jetzt auch 'anderes'. Das 'geschlechterstereotype Rollenverhalten' soll den Menschen aberzogen werden, also ihr natürliches, angeborenes Verhalten. Das lehnen wir ab." Dass Politiker die schriftliche Fassung eines Interviews leicht verändern, ist absolut üblich. Allerdings hat der Fragesteller nun nicht mehr die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Dieses "andere" Geschlecht kann nur für Neugeborene eingetragen werden, und auch nur dann, wenn deren biologisches Geschlecht nicht eindeutig bestimmbar ist.

"Mega-ultra-konservativ"

Positionen wie diese sorgen dafür, dass Beatrix von Storch nicht selten als erzkonservativ, christlich-fundamentalistisch oder sogar "mega-ultra-konservativ" beschrieben wird - und das nicht nur in den sogenannten Mainstream-Medien, sondern auch im Gespräch mit AfD-Mitgliedern. Für die Liberalen in der AfD ist Beatrix von Storch ein rotes Tuch. Aber auch Parteigründer Bernd Lucke soll ein schwieriges Verhältnis zu der gebürtigen Herzogin von Oldenburg haben. Das dürfte nicht an ihren politischen Positionen liegen, die Lucke dem Vernehmen nach weitgehend teilt. Sondern an der Art, wie sie diese vorträgt: Lucke versucht, im Bereich der Gesellschaftspolitik nicht allzu deutlich konservativ zu wirken.

Begriffe wie "Schwulen-Lobby" benutzt Beatrix von Storch nicht mehr. Sie selbst bestreitet, dass sie ihren Ton gemäßigt hat. Und doch fällt auf, dass sie das Parteiprogramm zitiert, wenn sie nach ihren Positionen gefragt wird. Ganz offensichtlich versucht sie, sich einzuordnen. Auf die Frage nach einem politischen Label sagt sie: "Vorne." Das meint sie auch mit Blick auf die AfD. "Wir haben den Widerstand damals begonnen und aufgebaut", sagte sie im Interview mit n-tv.de über ihr Engagement gegen die Euro-Rettungspolitik.

Im Januar schaffte sie es beim Parteitag in Aschaffenburg weit nach vorn, auf Platz vier der Europaliste, wenn auch nur mit knapper Mehrheit. Platz vier bedeutet: Beatrix von Storch wird nach der Wahl am kommenden Sonntag aller Voraussicht nach ins Europaparlament einziehen - ins "EU-Parlament", wie sie es nennt. Auch an diesem Abend in Zeuthen macht sie diese Unterscheidung. Europa bestehe schließlich aus 50 Staaten, die EU nur aus 28. Beatrix von Storch scheint diesen Hinweis wichtig zu finden.

"Wie soll das denn aussehen?"

In der Gaststätte spricht sie nicht über Männer, Frauen und Homosexuelle, sondern ausschließlich über den Euro. Den Rettungsschirm ESM vergleicht sie mit dem deutschen Länderfinanzausgleich, der zwar für Milliardentransfers sorge, aber so gut wie nie aus einem Nehmer- ein Geberland gemacht habe. Seit zwanzig Jahren hingen die neuen Bundesländer am Tropf, sagt sie. Sie erzählt auch, dass sie lange als Anwältin für Insolvenzrecht gearbeitet habe, dass sie Unternehmen saniert oder abgewickelt habe, je nachdem. Sie sagt das hier, in Brandenburg. Im Osten. Dass sie die Finanztransfers von West nach Ost sinnlos unsinnig findet. Dass sie höchstpersönlich Firmen abgewickelt hat.

Was das Publikum über sie denkt, scheint Beatrix von Storch nicht weiter zu kümmern. In gewisser Weise macht sie das vermutlich immun. Vor ein paar Tagen zeigte die Heute Show ein Video von ihr aus dem Bundestagswahlkampf. Auch darin sagt sie: "Ab dem 1. November 2013 wird im Personenstandsregister das dritte Geschlecht eingeführt. Neben 'männlich' und 'weiblich' steht da jetzt auch 'anderes'." Moderator Oliver Welke kommentiert den Ausschnitt mit den Worten: "Anderes? Wie soll das denn aussehen?" Dann blickt er zur Seite, auf ein Foto von Beatrix von Storch. Das Publikum reagiert mit Gelächter, es hat den Witz verstanden.

Es war nicht das erste Mal, dass die Heute-Show Beatrix von Storch mit Häme übergoss. Sie sagt, das sei "Werbung". Dabei zielen die Witze nicht auf ihre politischen Positionen, sondern auf ihr Aussehen, auf ihren Namen, ihre Herkunft. Welke nannte sie in einer früheren Sendung eine "bezaubernde, ja feenartige Adlige". Um dann ein Video zu zeigen, in dem sie eine Rede nicht hält, sondern schreit. Sie habe damals mit einem Handmikrophon an der Binnenalster gestanden, sagt sie dazu. Dort sei es nun einmal sehr laut, das habe sie übertönen müssen.

Beatrix von Storch will gehört werden, sie will ihre Botschaft rüberbringen. Der Euro ist schlecht, in Europa läuft so gut wie alles falsch, die AfD wird mit der Zeit alles zum Besseren wenden. Nach ihrem Vortrag in Zeuthen meldet sich ein Mann zu Wort, der den Euro gut findet. Seine Argumente zerpflückt sie mit der geübten Professionalität einer Berufspolitikerin. Nur: Sie findet kein Ende. Irgendwann stoppt der Kreisvorsitzende das Zwiegespräch. Beatrix von Storch hätte sonst vermutlich noch ewig weiter diskutiert.

Quelle: n-tv.de

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