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Deniz Yücel ist seit 2015 Türkei-Korrespondet der "Welt".
Deniz Yücel ist seit 2015 Türkei-Korrespondet der "Welt".(Foto: imago/Müller-Stauffenberg)
Freitag, 17. Februar 2017

Türkei spricht von Terrorismus: "Welt"-Korrespondent sitzt in Gewahrsam

In der Türkei geraten regelmäßig Journalisten ins Visier der Justiz. Jetzt trifft es einen deutschen Korrespondenten. Er soll angeblich an einem Hackerangriff auf den Schwiegersohn des türkischen Präsidenten beteiligt gewesen sein.

Die Türkei hat während des Ausnahmezustandes erstmals einen deutschen Journalisten in Polizeigewahrsam genommen. Der Türkei-Korrespondent der "Welt", Deniz Yücel, habe sich der Polizei in Istanbul bereits am vergangenen Dienstag gestellt, teilte seine Redaktion mit. Den Anwälten des 43-Jährigen sei gesagt worden, dass gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, wegen Terrorpropaganda und wegen Datenmissbrauchs ermittelt werde.

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Der "Welt" zufolge ist ein Hackerangriff auf das E-Mail-Konto des türkischen Energieministers Berat Albayrak Hintergrund der Vorwürfe. Yücel hatte zwei Artikel über die Mails verfasst, die eine Gruppe namens Redhack erbeutet haben soll und die auf Wikileaks verfügbar sind. In den E-Mails ging es unter anderem um die Kontrolle türkischer Medienkonzerne und die Beeinflussung der Öffentlichkeit durch fingierte Nutzer bei Twitter.

Redhack gilt in der Türkei als Terrororganisation. Albayrak ist ein Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Zwei Wochen Gewahrsam ohne Anhörung

Yücel besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Aus Sicht der türkischen Behörden ist er damit ein einheimischer und kein ausländischer Journalist. Auf Grundlage des derzeit geltenden Ausnahmezustandes in der Türkei kann er bis zu 14 Tage ohne Anhörung durch einen Richter in Polizeigewahrsam gehalten werden. Anschließend kann die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft beantragen. Nach Angaben der "Welt" wurde seine Istanbuler Wohnung bereits von der Polizei durchsucht.

In der Türkei sitzen zahlreiche regierungskritische Journalisten unter Terrorvorwürfen in Haft. Im Fall von Yücel soll es nach Angaben der "Welt" seit Ende Dezember noch sechs weitere Festnahmen gegeben haben. Menschenrechtsorganisationen halten die Anschuldigungen häufig für konstruiert und für politisch motiviert. Die türkische Regierung weist solche Kritik zurück.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag die Türkei schon vor dem im Juli 2016 verhängten Ausnahmezustand auf Platz 151 von 180 Staaten. Dutzende regierungskritische türkische Journalisten sitzen in Haft. Im Dezember war ein amerikanischer Korrespondent des "Wall Street Journal" vorübergehend festgenommen worden, er verließ anschließend das Land.

Quelle: n-tv.de

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