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Serdar Somuncu über die AfD: "Wer am lautesten schreit, hat oft unrecht"

Von Malte Baumberger

Deutschland hat eine neue Erfolgspartei: die AfD. Unter dem Deckmantel des Protests werben sie um Wähler – und der Plan geht auf. Dem Kabarettisten Serdar Somuncu ist das nicht geheuer. Im Interview mit n-tv erklärt er, worauf die Partei eigentlich abzielt.

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war klar: die AfD will und muss ernst genommen werden. Mit 24 Prozent ist sie nicht nur ein Zeichen des Protests, sondern auch der Zustimmung. Deutschland rückt nach rechts. Zwischen gemäßigt und radikal – die extremen Positionen kommen an. Serdar Somuncu sieht darin auch eine Art Trend: "Es ist tatsächlich so: Sowohl die Willkommenskultur als auch das, was da jetzt mit der AfD passiert, scheint eine Art Popkultur zu sein."

Im Kampf um die Wählerschaft setzt die Partei vor allem auf Provokation. Mit harten, teils unmenschlichen Vorschlägen schafft sie sich immer wieder in die Schlagzeilen. Für Somuncu ist diese Anbiederung zu platt: "Das, was im Parteiprogramm der AfD steht, ist auch ausgerichtet auf eine sehr kurzfristige Reaktion. Die Leute sollen zustimmen, wie am Stammtisch." Deutschland soll so werden, wie es einmal war. Früher, als alles besser war. Die Partei gibt sich als Anwalt der kleinen Bürger in einer Welt voller Globalisierung, Multikulti und Arbeitslosigkeit.

Auch Serdar Somuncu liebt die Provokation. In seinen Shows spricht er aus, was viele sich noch nicht mal trauen, zu denken. Mit der geballten Ladung Spott gegen Minderheiten – da kann einem das Lachen schon mal im Hals stecken bleiben. Es ist derbe, aber in Form der Satire trifft es in der Regel den Punkt. Somuncu ist Kabarettist und Autor türkischer Herkunft. Deswegen dürfe er auf Minderheiten verbal einprügeln, wie er auf der Bühne gerne unterstreicht.

In seinem Beruf liegt für ihn auch der Unterschied zur AfD. "Wenn die AfD eine Satirepartei wäre, dann würde ich sagen: Ja, das ist legitim mit Provokation Wahlkampf zu machen. Die AfD ist eine oder sie stellt zumindest den Anspruch eine seriöse, politische Partei zu sein. Diesen Anspruch stelle ich ja nicht."

Die politische Gangart wird härter – in Deutschland aber auch in Amerika. Egal, ob Trump oder Petry – den aktuellen politischen Diskurs bricht er auf eine einfache Formel runter: "Wer am lautesten schreit, hat oft unrecht." Auch Somuncu schreit oft sehr laut, nur leider hat er mit seinen Pointen oft nicht ganz unrecht.

Die Talkshow So!Muncu! gibt es hier.

Quelle: n-tv.de

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