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Arabischsprachige russische Staatsmedien berichten viel über Köln. Sonst ist in den Sendern wenig zu sehen.
Arabischsprachige russische Staatsmedien berichten viel über Köln. Sonst ist in den Sendern wenig zu sehen.(Foto: picture alliance / dpa)

"Deutschland jagt 1000 Araber": Wie arabische Medien über Köln berichten

Von Constantin Schreiber

In arabischen Medien ist wenig über die Übergriffe in Köln zu erfahren - vielleicht auch aus Scham. Wenn, dann vermengen sie Fakten und Vorurteile zu einer gefährlichen Informationsmischung.

"Deutschland jagt 1000 Araber", berichtet der große panarabische Sender al-Arabiya und führt weiter aus: "Die meisten von ihnen ohne Aufenthaltsgenehmigung oder Asylbewerber." Aber gerade das ist ja überhaupt nicht klar. Im Gegenteil, vieles deutet darauf hin, dass die Übergriffe in Köln von ganz anderen Personengruppen verübt wurden.

Beim Konkurrenten aus Katar sucht man lange nach Berichterstattung über Köln. Im Fernsehen von al-Jazeera wurde es in den vergangenen Tagen vemeldet. Auf der Webseite des Senders – immerhin eine der meistbesuchten der arabischen Welt - finden die Übergriffe nicht statt. Auch beim dritten großen Sender der Region, Sky News Arabia, wird allenfalls am Rande über das Chaos und die Übergriffe berichtet. Warum ist das so?

Die arabische Welt ist medial vollkommen mit sich beschäftigt: Krieg in Syrien, Anarchie in Libyen, Luftangriffe im Jemen, Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Da bleibt wenig Platz, um die Welt außerhalb des eigenen Radius wahrzunehmen.

Ein anderer Grund könnte das heikle Thema sein. Nicht nur, dass es um sexuelle Übergriffe geht, sondern dass diese offenbar in großer Zahl durch arabische Männer begangen wurden.  Arabische Medien haben wenig Scheu, Bilder von toten oder verstümmelten Menschen zu zeigen. Wer sich einmal auf arabischen Nachrichtenseiten umschaut oder Meldungen im Fernsehen sieht, der wird schnell erschrocken sein wegen der ungepixelten, brutalen Bilder von Erschießungen, gefolterten Menschen, toten Kindern. Bilder, die in Deutschland niemals sendbar wären.

"Deutschland zahlt hohen Preis"

Nacktheit und Sexualität sind dagegen nach wie vor ein Tabu – auch für Nachrichtensendungen. Wenn dann noch arabisch-muslimische Menschen offenbar Grenzen der strengen Moralvorstellungen überschreiten und im Westen für Negativschlagzeilen sorgen, werden viele Programmchefs entschieden haben, diese Meldung nicht prominent unterzubringen.

Großen Raum hingegen nimmt das Thema im auf Arabisch sendenden russischen Staatsfernsehen Russiya al Youm (deutsch: Russland heute) ein. Während viele Menschen und Medien in Deutschland darauf hinweisen, dass aufgrund der derzeitigen Erkenntnislage gar nicht klar ist, ob und welchen Zusammenhang es zur Flüchtlingsproblematik gibt, ist für den russischen Sender klar, dass die Nacht von Köln Auswirkungen auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung haben wird. Heikel: Russiya al Youm hat in der arabischen Welt eine hohe Verbreitung. Viele Araber sehen den russischen Sender als Informationsgegengewicht zu lokalen arabischen Medien oder westlichen Sendern, die Programme auf Arabisch anbieten.

In einzelnen Foren wird derweil sehr intensiv und kontrovers über die Nacht von Köln diskutiert. Ein Leser, der sich Hakim nennt, schreibt: "Deutschland wird einen hohen Preis zahlen dafür, seine Tore für Zuwanderung zu öffnen." Ein anderer, al-Jazairi, schreibt: "Viele Araber kennen keine Freiheit für Frauen, oder dass sie nachts alleine ausgehen. Sie sind für sie wie Tiere, die man anfassen darf." Al-Mughtasiba schreibt: "Bildung, Kultur, Menschenrechte sind es, die Zivilisation vom Dschungel unterscheiden."

Quelle: n-tv.de

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