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2006: Der Sarg des getöteten zweijährigen Kevin in der Kapelle des Friedhofs Walle in Bremen.
2006: Der Sarg des getöteten zweijährigen Kevin in der Kapelle des Friedhofs Walle in Bremen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Schlimme Entwicklung in Deutschland: Zahl der getöteten Kinder steigt

Jeden zweiten Tag wird in Deutschland ein Kind getötet. Auch die in der Kriminalstatistik erfassten Fälle körperlicher Misshandlungen und von sexueller Gewalt nehmen weiter zu. Kriminalbeamte und Hilfsorganisationen fordern die Politik auf, den Schutz von Kindern wieder zu einem politischen Schwerpunkt zu machen.

Die Zahl der Kindstötungen in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr um 29 Fälle oder 20,4 Prozent erhöht. Insgesamt wurden 183 Mädchen und Jungen unter 14 Jahren getötet, im Jahr davor waren es noch 152, wie der Bund Deutscher Kriminalbeamter und die Deutsche Kinderhilfe in Berlin auf Grundlage einer Auswertung der Kriminalstatistik 2010 mitteilten. Unter den getöteten 183 Kindern waren demnach 129, die noch keine sechs Jahre alt waren - dies bedeutete ebenfalls einen Anstieg, 2009 waren 123 Babys und Kleinkinder unter den getöteten Kindern.

Entgegen dem Trend einer allgemein sinkenden Kriminalität nahm der Auswertung zufolge auch die Zahl der erfassten Fälle von körperlicher Misshandlung von Kindern zu. Sie stieg um sieben Prozent. Nach einer Abnahme in den Vorjahren erhöhte sich zudem auch die Zahl der Opfer sexueller Gewalt wieder, hier gab es einen Anstieg um 2,7 Prozent auf 14.696 registrierte Missbrauchsfälle.

BKA: Nicht wegsehen

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, sagte, die Tatsache, dass in Deutschland "jeden zweiten Tag ein Kind Opfer eines Tötungsdeliktes wird und die Zahl der Misshandlungen von Kindern angestiegen ist, muss uns mehr als nachdenklich stimmen." Jeder sei aufgefordert, die Jüngsten in unserer Gesellschaft vor Übergriffen zu schützen. Die Bürger sollten Gewalthandlungen gegen Kinder konsequent anzeigen. Die Polizei müsse die Täter zudem rückhaltlos verfolgen.

Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, forderte einen neuen Anlauf für das 2009 gescheiterte Kinderschutzgesetz. Da die 600 Jugendämter in Deutschland unterschiedlich arbeiten und ihre finanzielle Ausstattung von der Kassenlage der jeweiligen Kommune abhänge, würden die Überlebenschancen eines Kindes nach wie vor davon abhängen, wo es in Deutschland zur Welt kommt.

Die Deutsche Kinderhilfe forderte zusammen mit dem Bund Deutscher Kriminalbeamter und der Opferschutzorgansation Weißer Ring die Politik auf, den Schutz von Kindern wieder zu einem politischen Schwerpunkt zu machen. Die aktuellen Zahlen seien dramatisch und sollten allen Beteiligten verdeutlichen, dass es ein "weiter so" nicht geben dürfe.

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Quelle: n-tv.de

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