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In der Städtischen Betriebskita Karlsruhe.
In der Städtischen Betriebskita Karlsruhe.(Foto: dpa)

Jetzt können Erzieher kräftig verdienen: Zehntausende Kitaplätze ohne Betreuer

Den befürchteten großen Mangel an Kita-Plätzen wird es wohl nicht geben. Dennoch stoßen die optimistischen Zahlen auf Skepsis. Der Deutsche Kinderschutzbund schätzt ein, dass rund 60.000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen. Mancherorts werden bereits utopische Gehälter geboten.

Nach der Zusicherung von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, dass es im nächsten Kita-Jahr ausreichend Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geben wird, meldet der Kinderschutzbund erhebliche Zweifel an der Qualität der Betreuung an. "Wenn wir jetzt plötzlich mehr als 800.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige haben, ist das ein atemberaubender Zuwachs", sagte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, der "Passauer Neuen Presse". Um die Qualität dieser Betreuungsplätze zu sichern, wären "60.000 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich notwendig".

"Mir kann niemand erzählen, dass man so viel Extra-Personal eingestellt hat", sagte Hilgers. "Das gibt der Arbeitsmarkt nicht her. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit in so kurzer Zeit". Er gehe davon aus, "dass die Personalschlüssel heimlich, still und leise weiter verschlechtert worden" seien, was "einen massiven Qualitätsverlust" bedeute. Wenn für pädagogische Arbeit keine Zeit mehr sei, könne man sich "all die Sonntagsreden von der frühkindlichen Bildung sparen". Als Konsequenz forderte Hilgers ein Bundesgesetz, das den Ländern klare Vorgaben für Personalschlüssel und Qualität macht.

Auch nach Einschätzung der Bundesanstalt für Arbeit mangelt es an ausgebildeten Erziehern. Bis 2016 rechnet die Bundesbehörde mit einer Lücke von 20.500 Fachkräften. Zudem können viele arbeitslose Kandidatinnen in diesem Jahr nicht die gewünschte Umschulung zur Erzieherin beginnen. Einige Bundesländer wie Niedersachsen oder Thüringen hätten bislang nicht die nötigen Voraussetzungen für die Weiterbildungsmaßnahmen geschaffen.

In manchen Kommunen werden für Erzieher bereits utopische Gehälter von um die 3000 Euro geboten, um Leute zu finden, die in neuen Kitagruppen arbeiten. Das berichtete der Direktor des Hessischen Städtetags, Stephan Gieseler. Demnach gebe einen regelrechten Preiskampf für Erziehung im Raum Frankfurt. "Wir suchen händeringend Erzieher", sagte er.

Quelle: n-tv.de

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