Politik

Rechte Wagen bei Umzügen: #besorgtejecken zeigen zweifelhafte Motive

Ein Panzer zur "Asylabwehr", das Schicksal der amerikanischen Ureinwoher als mahnendes Beispiel gegen Flüchtlinge, Balkanflüchtlinge als Heuschreckenplage - in mehreren Gemeinden griffen Karnevalisten bei ihren Motiven kräftig daneben.

Bei mehreren Karnevals- und Faschingsumzügen in Deutschland ist es am Wochenende zu Entgleisungen gekommen. In zwei Fällen ermitteln die Behörden wegen Volksverhetzung. Bei dem Umzug im oberbayerischen Steinkirchen bei Pfaffenhofen fuhr ein als Panzer dekorierter Wagen mit. Auf den Flanken des Fahrzeugs stand "Ilmtaler Asylabwehr" und "Asylpaket III".

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Seit dem Wochenende seien zahlreiche Strafanzeigen eingegangen, sagte ein Sprecher der Polizei Ingolstadt. Einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Ingolstadt zufolge werden die Ermittlungen einige Tage in Anspruch nehmen.

Fotos von dem Panzer verbreiteten sich unter dem Hashtag #besorgtejecken in sozialen Medien und riefen einen regelrechten Shitstorm hervor. Auch der Schauspieler und Comedian Florian Simbeck, bekannt als Teil des Komiker-Duos "Erkan & Stefan", hatte auf seiner Facebookseite entsprechende Fotos veröffentlicht und den vermeintlichen Gaudi als klare Grenzüberschreitung kritisiert. Der Motivwagen offenbare "die Dummheit, Niederträchtigkeit und menschenverachtende Gesinnung einiger Beteiligter", schrieb Simbeck, der für die SPD im Kreistag des Landkreises Pfaffenhofen sitzt.

Auch auf der Facebookseite des Oberilmtaler Carneval Vereins (OCV), der den Faschingsumzug veranstaltet hatte, hagelte es heftige Proteste und Kritik. "Wo ist da die Gaudi, wenn ein Panzer namens Asylabwehr mitfährt?", schrieb etwa ein Nutzer. "Das ist nicht lustig, nicht ironisch und auch nicht sarkastisch, sondern einfach nur hasserfüllt und unterbelichtet". Ein anderer nannte den Wagen "beschämend", und ein weiterer Nutzer schrieb: "Dadurch legt Ihr die Lunte für den nächsten Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim."

"Weder rechtsradikal noch sonst was"

Es gab aber auch Stimmen, die den Verein und den umstrittenen Motivwagen verteidigten. "Soll man an Karneval bestimmte Themen nicht überspitzt darstellen?", fragte ein Nutzer. Satire sei nur dann gut, "wenn sie weh tut und aneckt". Der Vorsitzende des OCV, Tobias Winkelmeier, sagte dem Bayerischen Rundfunk, sein Verein sei "weder rechtsradikal noch sonst was".

Der Organisator des Faschingszugs, Konrad Moll, verwies darauf, dass der Panzer schon im vergangen Jahr dabei gewesen sei. Zugleich drückte er sein Bedauern aus und sprach im BR vom hohen Zeitdruck: "Wenn ich das jetzt so sehe und lese und wahrnehme, dann würden ich den Wagen nicht teilnehmen lassen." Er verwahrte sich dagegen, in die rechte Ecke gestellt zu werden. Der Deutschen Presse-Agentur sagte Moll: "Ich war mir der Tragweite nicht bewusst." Er habe die Brisanz der Aufschrift nicht erkannt. Moll wies darauf hin, dass auch ein Polizeibeamter bei der Aufstellung des Umzuges dabei gewesen war und nicht eingeschritten sei: "Ich bedauere die Unachtsamkeit außerordentlich." Rheinhard Heinrich von der CSU, Bürgermeister der Gemeinde Reichertshausens, zu der auch Steinkirchen gehört, sagte im "Donaukurier": "So was geht gar nicht." Das sei "nicht tolerierbar", auch nicht zum Fasching.

Der "Donaukurier" zitiert den Urheber des Wagens mit den Worten: "Wir können das so nicht schaffen. Ich will nicht, dass wir uns hier in Deutschland verändern müssen. Mir gefällt es so, wie es ist." Die kulturellen Unterschiede zu den Flüchtlingen seien zu groß.

"Die Ploach kömmt"

Ähnliche Aufregung gibt es um Aufnahmen, die aus dem sächsischen Altenberg stammen. Ein Motivwagen des Faschingsumzugs des Ortsteils Geising zeigt ein Indianer-Tipi, versehen mit dem Spruch: "Die Indianer konnten nichts gegen die Einwanderung tun. Heute leben sie in Reservaten." Ein weiteres Foto zeigt einen in Lumpen gekleideten Mann. Er zeigt ein Schild mit der Aufschrift: "Bettelarm im eigenen Land, ach wär ich doch nur e' Migrant."

Eine weitere Gruppe zieht einen zu einem Wild-West-Saloon umgebauten Bollerwagen mit sich. Auf ihm steht: "Lieber Rothaut statt Braunhaut." Auf einem anderen Wagen ist ein als Kanzlerin Angela Merkel verkleideter Mann zu sehen. Vor ihm steht ein Fass, darunter steht geschrieben: "Willst Du uns für dumm verkaufen, das Fass ist grad am überlaufen [sic], 'Wir schaffen das' das ist doch Quark, Mädchen aus der Uckermark".

 

Auch ein umstrittener Motivwagen beim Karnevalsumzug im thüringischen Wasungen wird ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Am Montag sei eine Anzeige wegen Volksverhetzung eingegangen, sagte ein Sprecher. Es werde geprüft, ob Ermittlungen aufgenommen werden und sich ein Anfangsverdacht auf eine Straftat ergibt. Dabei wollen die Ermittler herausfinden, ob mit Blick auf die Meinungsfreiheit die Grenze der Schmähkritik überschritten wurde. Der MDR berichtete zuerst darüber. Dargestellt wurde eine riesige Lokomotive, auf der die Worte "Balkan-Express" und "Die Ploach kömmt" (Die Plage kommt) zu lesen war. Um den Wagen herum liefen als grüne Heuschrecken verkleidete Narren. Der Präsident des Landesverbands Thüringer Karnevalsvereine kritisierte den Wagen: "Wir werden uns das nun in aller Ruhe anschauen und mit der Zuggruppe sprechen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen