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Windräder vor dem RWE-Kohlekraftwerk in Niederaussem bei Pulheim.
Windräder vor dem RWE-Kohlekraftwerk in Niederaussem bei Pulheim.(Foto: picture alliance / dpa)

"Dann sparen wir an anderer Stelle ein": Flasbarth: Mehr Kohle - gleichviel Dreck

Deutschland ist der erste Industriestaat, der sich vom klassischen Energiemix verabschiedet. Um eine Versorgungslücke zu vermeiden, soll kurzfristig mehr Energie aus Kohle- und Gaskraft gewonnen werden. Der Präsident des deutschen Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, geht dennoch nicht davon aus, dass es zu zusätzlichen CO2-Emissionen kommt. Dafür sorge die Logik des Emissionshandels.

Ist der Ausstieg aus der Atomkraft der Wiedereinstieg in eine längst überholte Technologie – die Kohle?

Jochen Flasbarth: Nein überhaupt nicht. Die jetzt bestehenden und die bereits auf den Weg gebrachten Kohlekraftwerke sind bereits in den Kapazitätsplanungen, die das UBA für den Atomausstieg erstellt hat, berücksichtigt worden. Aus unserer Sicht sind mittelfristig auch keine weiteren Kohlekraftwerke notwendig. Zur Netzstabilisierung empfehlen wir stattdessen insbesondere in Süddeutschland auf einige zusätzliche hocheffiziente Gaskraftwerke zu setzen.

Moderne Kohlekraftwerke halten in der Regel jahrzehntelang. Setzen wir damit langfristig auf eine Technologie, die die Klimaziele der Bundesregierung in Gefahr bringen könnten?

Das Eis der Arktis schmilzt. Selbst tiefgreifende Maßnahmen zum Klimaschutz können den bereits begonnenen Klimawandel allenfalls bremsen, aber nicht mehr stoppen.
Das Eis der Arktis schmilzt. Selbst tiefgreifende Maßnahmen zum Klimaschutz können den bereits begonnenen Klimawandel allenfalls bremsen, aber nicht mehr stoppen.(Foto: picture alliance / dpa)

Zusätzliche CO2-Emissionen, die in den kommenden Jahren durch die Kohleenergie entstehen, werden über den Emissionshandel gedeckelt. Mittels des Emissionshandels legen wir ja fest, wie viel an CO2 in Gänze emittiert werden kann. Und diese Gesamtmenge ist von vornherein festgelegt. Probleme könnten erst mittelfristig auftreten, wenn bisher nicht eingeplante Kohlekraftwerke hinzukommen sollten. Dann würden wir in einen Konflikt geraten, weil wir die Treibhausgase bis zur Mitte des Jahrhunderts weiter deutlich reduzieren müssen. Zunächst sind die gesetzten Klimaziele aber nicht in Gefahr.

Müssen die Treibhausgasemissionen jetzt an anderer Stelle eingespart werden?

Ja, denn das ist die Logik des Emissionshandels. Wenn in den bestehenden Kraftwerkparks jetzt mehr Kohle genutzt wird, dann müssen die Betreiber dafür zusätzliche Emissionszertifikate kaufen. Diese erwerben sie von anderen Unternehmen, die die Zertifikate dann nicht mehr nutzen können. Über diesen Mechanismus ist sichergestellt, dass keine zusätzlichen Emissionen entstehen.

Mittelfristig soll die neue Brückentechnologie Kohle durch das umweltfreundliche Gas ersetzt werden. Ergeben sich daraus Abhängigkeiten von Lieferländern wie zum Beispiel Russland?

Jochen Flasbarth leitet eine Behörde mit rund 1500 Beschäftigten.
Jochen Flasbarth leitet eine Behörde mit rund 1500 Beschäftigten.(Foto: picture alliance / dpa)

Fest steht, dass sich die Importabhängigkeit Deutschlands insgesamt bei der Energie durch den Atomausstieg vermindern wird. Im Augenblick ist Deutschland zu hundert Prozent vom Uran-Import abhängig. Das werden wir dann nicht mehr sein. Sogar beim Gas besteht die Möglichkeit, die Importabhängigkeit zu reduzieren.

Wodurch?

Einfach dadurch, dass wir beim Gas, das wir zum Heizen einsetzen, zukünftig mehr einsparen können, und zwar in erheblichem Umfang. Erreichen können wir diesen Einspareffekt durch die energetische Gebäudesanierung.

Quelle: n-tv.de