Politik
Mittwoch, 24. August 2005

Der Dritte Weltkrieg droht: Hans, Petersilie und Jerusalem

Wegen Hans könnte der Dritte Weltkrieg ausbrechen und wegen Petersilie hat Spanien schon einmal seine Marine vor die Küste Marokkos geschickt.

Hans und Petersilie sind winzige unbewohnte Inseln. Petersilie wird von Spanien beansprucht und ist ein besserer Felsbrocken vor der Küste Marokkos. Aus unerfindlichen Gründen kamen vor einem Jahr die Marokkaner auf die Idee, ihre Flagge auf der Mini-Insel im Mittelmeer zu hissen, was die Spanier nicht auf sich sitzen lassen konnten.

Wesentlich delikater ist der Streit um Hans, ein gottverlassenes Inselchen in der Arktis zwischen dem dänischen Grönland und Kanada. Grönland ist übrigens eine "Autonomie" und diente als Vorbild für die palästinensische Autonomie. Der Streitapfel zwischen Dänemark und Kanada ist gerade mal 1,3 Quadratkilometer groß und beherbergt weder Baum noch Gestrüpp. 1974 haben Dänemark und Kanada ihre Grenze "mitten in die legendäre Nordwestpassage zwischen Atlantik und Pazifik" gelegt, aber vergessen, dass es da noch ein paar Inseln gibt.

Nachdem Dänemarks Grönlandminister 1984 die Insel besuchte und eine Brandy-Flasche mit angehängtem Zettel "Welcome to Denmark" begrub, eskalierte eine gefährliche Krise zwischen Kopenhagen und Ottawa. Vor einem Monat hisste der kanadische Verteidigungsminister auf Hans die rotweiße Flagge mit dem Ahornblatt. Inzwischen patrouillieren Kanada wie Dänemark mit Kriegsschiffen rund um die Insel. Da besannen sich die USA und Russland auf ihre Interessen. Sollte die Nordwestpassage dank der Erderwärmung auftauen, müsse die Meerenge zum internationalen Gewässer deklariert werden. Weltumspannendes Krisengebiet also, obgleich kein Erdöl in der Region vermutet wird und Hans noch keine Debatten im UNO-Sicherheitsrat ausgelöst hat.

Selbstverständlich maßen wir uns keine Meinung an, welches Land die besseren historischen Ansprüche auf Petersilie oder Hans besitzt. Und was hat das mit dem Quadratkilometer Jerusalemer Altstadt mitsamt seinen Heiligtümern zu tun? Auch bei dem lächerlich kleinen Jerusalem wollen wir nicht entscheiden, wer im Recht ist. Spaniens Juan Carlos ist "König von Jerusalem", der Papst hält sich für den Hüter Jerusalems, zusammen mit den Nachfolgern der Zaren. Der König von Saudi Arabien hat in Konkurrenz mit dem Haschemitischen Königshaus von Jordanien Ansprüche angemeldet, von Palästinensern und Israelis ganz zu schweigen. Vielleicht sollte die internationale Weltgemeinschaft den pingeligen Spaniern, Dänen, Kanadiern und Marokkanern vorschlagen, ihren Streit wegen Hans und Petersilie gemäß dem Prinzip "Land für Frieden" zu schlichten. Bewusst lassen wir offen, welche Partei auf das Land verzichten sollte im Tausch für einen langersehnten Frieden in Mittelmeer oder Arktis.

(Ulrich W. Sahm)

Quelle: n-tv.de